
Für Alle, die das geschriebene Wort lieben |
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| | Unser 1. Wettbewerb von 01.09.2010 bis zum 10.09.2010 | |
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Isabeau

Anzahl der Beiträge: 1665 Anmeldedatum: 01.10.10
 | Thema: Unser 1. Wettbewerb von 01.09.2010 bis zum 10.09.2010 Sa 02 Okt 2010, 00:14 | |
| So hier alle 6 teilnehmenden Geschichten zum nachlesen! |
|  | | Isabeau

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 | Thema: Anyanka -Das Bauernmädchen Sa 02 Okt 2010, 00:15 | |
| Anyanka - Das Bauernmädchen Wir schreiben das Jahr 1943. Mein geliebtes Frankreich ist von den Deutschen besetzt. Ganz in der Nähe meines Zuhauses in der kleinen Stadt Boulay geschehen schreckliche Dinge. Dort wo noch vor wenigen Jahren André Maginot einen Befestigungsstreifen erbaute, der Frankreich vor den Übergriffen der Deutschen schützen sollte, befinden sich nun eines ihrer Gefangenenlager. Die so idyllisch, mitten im Wald, gelegene Stadt Ban-Saint-Jean ist ein Ort des Grauens geworden. Hauptsächlich russische Gefangene vegetieren dort vor sich hin. Diejenigen die noch Arbeiten können, müssen Zwangsarbeiten verrichten. Einige müssen die schweren Schienen der Maginotlinie abbauen, andere werden in die nahe gelegenen Bergwerke von Creutzwald geschickt und wieder andere verrichten ihre Arbeit auf den Bauernhöfen der Umgebung. Ist man zu schwach um zu arbeiten, ist es das Todesurteil. Mein Vater ist Bauer. Er lässt sich Zwangsarbeiter schicken. Sie kommen gerne zu uns, denn es hat sich unter ihnen herumgesprochen, dass es ihnen bei uns gut geht. Mein Vater versorgt sie mit zusätzlicher Nahrung und behandelt sie wie Menschen. Wir sprechen kein Russisch und sie kein Französisch, aber das brauchen wird nicht. Ein Stück Brot gegen den Hunger, ein Glas Milch um bei Kräften zu bleiben, ein Lächeln – dafür braucht es keine Worte. Ich bin Claire de Roi. Ich bin siebzehn Jahre alt. In meinem kurzen Leben habe ich Dinge gesehen, die ein Mädchen in meinem Alter nicht gesehen haben sollte. Statt Tanzen zu gehen und mir den Hof machen zu lassen, werde ich mit Angst, Elend und Tod konfrontiert. Heute bringe ich einen Teil unserer Ernte ins deutsche Lager. Mein Atmen stockt, als keine zwanzig Meter von mir entfernt vier ausgemergelte Gefangene einen Karren vorbeiziehen. Der Gestank der von dem Karren ausgeht ist bestialisch und raubt mir fast die Sinne, doch der Anblick schockiert mich so sehr, dass ich nicht einmal mehr ohnmächtig werden kann. Dutzende von Leichen sind dort aufgestapelt. Achtlos, als wären es Kornsäcke und keine Menschen. Der deutsche Aufseher brüllt die Vier an. Ein bisschen verstehe ich was er sagt. Er möchte, dass sie schneller machen. Anscheinend sorgt er sich darum, dass ich das Szenario beobachte. Zumindest spricht er von der jungen französischen Dame. Mein Vater hat jedes Mal Angst, wenn ich mich alleine ins deutsche Lager begebe. Er fürchtet, dass sich die Männer an mir vergreifen könnten, doch das Risiko gehe ich ein. Mein Vater hat ein krankes Herz und ich möchte nicht, dass er sieht was hier passiert. Außerdem gibt es da noch einen Grund warum ich hierher gehe. Er heißt Peter. Einige Male hat er schon bei uns auf dem Hof ausgeholfen. Etwas an ihm ist anders als an den anderen Gefangenen. Trotz aller Tortour sind seine grauen Augen noch lebendig und wach. Seine kurz geschorenen blonden Locken bäumen sich mit jedem Millimeter den sie wachsen, gegen die Fasson auf die man ihnen geben will. Das erste Mal fiel er mir auf, als er anstatt den Kuhstall auszumisten auf dem Heuboden saß. Fragend sah ich zum hinauf, und er zeigte mir mit dem erhobenen Zeigefinger vor den Lippen an, dass ich still sein solle. Dann streckte er mir die Hand entgegen und ich erklomm die Leiter. Ehe ich etwas sagen konnte, zeigt er in eine der hintersten Ecken und als sich meine Augen an das schwache Licht gewöhnt hatten, sah ich unsere Hofkatze, die dort oben in aller Ruhe ihre Jungen zu Welt brachte. Ein solches Strahlen lag auf seinem Gesicht, dass es mich zu Tränen rührte. Wie konnte er, dem so schreckliche Dinge widerfuhren, sich noch an der Geburt dieser Katzenkinder erfreuen? Sein Gesichtsausdruck wurde besorgt, als er meine Tränen sah, doch da wir keine gemeinsame Sprache hatten konnte ich mich ihm nicht erklären. Eine merkwürdige Stimmung herrschte zwischen uns und dann hob er seine Hand um meine Tränen fort zu wischen. Als seine Hand meine Wange berührte schloss ich die Augen und schmiegte meine Wange in seine Hand. Ich weiß selbst nicht warum ich das tat. Ich bin kein solches Mädchen, das sich von dem Erstbesten anfassen lässt. Aber er war mir in diesem Moment so nah, wie kein Mensch zuvor in meinem Leben. Sehnsüchtig erwartete ich seinen nächsten Arbeiteinsatz auf unserem Hof. Ich brachte ihm einen Becher mit Milch und als sich unsere Hände berührten durchzuckte es mich wie ein Blitz. Verlegen schlug ich die Augen nieder, doch er hob mein Kinn wieder an, strich mir eine dunkelblonde Haarsträhne aus dem Gesicht und sagte zu mir: „Merci ma belle des yeux bleue.“ Sein Akzent war fürchterlich, aber das hörte ich kaum. Ich nahm nur war, dass er extra für mich diesen Satz gelernt hatte. Allen Kriegswirren zum Trotz hatte er das für mich getan und in diesem Moment verlor ich mein Herz endgültig an ihn. Es ist nicht leicht für uns beide uns nichts anmerken zu lassen. Wir hoffen beide auf ein baldiges Kriegsende und das Peter bis dahin durchhält. Mein Vater scheint etwas zu ahnen, denn er behandelt Peter besonders gut. Aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Heute hat Peter Dienst im Wald um Brennholz zu machen. Dort werde ich gleich versuchen mich hin zu schleichen. Dann können wir für einen kurzen Moment zusammen sein. Können das Liebespaar sein, das wir gerne wären. Ich bin nervös. Ich habe ihn schon fast zwei Wochen nicht gesehen. Sie haben uns immer andere Arbeiter geschickt. Einer davon hat mir die Nachricht überbracht heute zu Peter in den Wald zu kommen. Ich habe meine Ware abgeliefert und gehe in den Wald. Niemand scheint mich zu beachten. Plötzlich tauchen rechts von mir zwei Aufseher auf. Sie sind betrunken. Ich kann es riechen. Sie sprechen mit mir auf Deutsch. Ich verstehe kaum etwas, aber ihre Körpersprache und ihr süffisantes Grinsen sprechen Bände. Während der eine mich schön nennt, leckt der andere sich lasziv über die Lippen. Angeekelt drehe ich den Kopf weg und schlage den Rückweg ein. Doch die beiden Männer folgen mir, rufen nach mir. Ob die Ängste meines Vaters heute Wirklichkeit werden? Meine Schritte werden schneller, fast renne ich. Mon Dieu, aide-moi! Von hinten packt mich eine Hand grob am Arm. Hält mich fest. Ich flehe ihn an mich loszulassen, doch er lacht mir nur ins Gesicht. Keuchend kommt sein Kollege bei uns an. Sie unterhalten sich über mich, lachen, noch immer meinen Arm fest im Griff. Ich werde wütend. Nein, ich bin nicht so ein Mädchen. Egal ob deutsche Besatzer oder nicht. Niemand darf mich so anfassen, so über mich reden. Ich spucke dem Mann, der mich festhält, ins Gesicht. Sein breites Grinsen verschwindet, doch mit seiner freien Hand schlägt er mir ins Gesicht. Ich verstehe „dreckiges Frauenzimmer“. Sein Kollege lacht immer noch und dann sehe ich diesen Ausdruck in seinen Augen. Er wird sich nehmen was ich ihm nicht geben will! Er packt meinen anderen Arm und schiebt den Mann den ich angespuckt habe zur Seite. Er drängt mich rückwärts bis ich mit dem Rücken an einen großen Baum stoße. Meine Finger umklammern die Rinde, ertasten eine Eiche. Mein Herz rast. Der Mann presst sich an mich, klemmt mich zwischen sich um den Baum ein. Nun kann ich nicht nur den Geruch nach Alkohol riechen, sondern auch wie er nach Schweiß stinkt. Seine Hände sind an meinem Körper, ertasten ihn. Ich spüre Härte in seinem Schritt. Ich werde starr vor Angst, lasse ihn gewähren bis seine Finger sich durch meine Kleidung gewühlt haben, meine Haut berühren. Nein, schreit es in mir. So hart ich kann ramme ich ihm mein Knie zwischen die Beine und renne los. Er krümmt sich vor Schmerz doch der andere Betrunkene nimmt die Verfolgung auf. Ich kann es schaffen ihnen zu entkommen! Mein Fuß bleibt an einer Wurzel hängen. Ich stürze. Mein Kopf schlägt auf einem Stein auf. Dunkler Nebel wabbert um mich herum. Das letzte was ich höre sind die Stimmen meiner beiden Verfolger, dann wird es Dunkel. Als ich wieder erwache ist es Nacht. Ich bin noch vollständig bekleidet, also scheinen sie von mir abgelassen zu haben. Vorsichtig versuche ich mich aufzurichten und es gelingt mir. Glücklicherweise scheine ich mir nichts Ernstes getan zu haben. Ich kann laufen und auch mein Kopf scheint klar. Es scheint kein Mond in dieser Nacht und ich weiß nicht wo im Wald ich bin. Ich muss den Weg nach Hause finden. Mein Vater sorgt sich sicher schon. Ich höre in die Stille des Waldes hinein, ob mir vielleicht ein vertrautes Geräusch den Weg weißt. Doch außer den gelegentlichen Rufen einer Eule ist es still. Also gehe ich einfach los. Weitab vom Weg kann ich nicht sein. Und richtig, einige Meter weiter lichtet sich das Unterholz und gibt einen schmalen Weg frei. Ich folge ihm. Als es in der Ferne auf einmal heller wird, glaube ich zunächst die Sonne würde schon aufgehen, erkenne dann aber den Schein eines Lagerfeuers. Leise und vorsichtig nähere ich mich. Ich hab Angst es könnten wieder meine Verfolger sein. Doch dann erkenne ich auf einem der Lager einen blonden Lockenschopf. Welche ein Glück ausgerechnet auf Peter zu stoßen! Ich möchte ihn nicht wecken, weil ich weiß wie sehr er die Nachstunden zur Erholung braucht, also hauche ich ihm zart einen Kuss auf die Wange und setzte mich dann ans wärmende Feuer. Als es langsam zu Dämmern beginnt spüre ich Unruhe auf Peters Lager und gehe zu ihm. Vielleicht wacht er ja auf und wir haben noch etwas Zeit für uns. Peter schlägt die Augen auf, doch halt – die Augen die mich ansehen sind nicht grau, die Augen sind braun. Erschrocken fahre ich zurück. Ebenso schockiert das Gesicht des fremden jungen Mannes. Er starrt auf seinen Atem, der gut sichtbar in der Luft vor seinem Gesicht schwebt. Er scheint ihn zu frösteln. „Flo wach auf. Ich glaub sie ist hier.“ Nebenan auf dem Lager schnellt ein anderer junger Mann mit kurzem braunem Haar in die Höhe. „Alter das ist jetzt nicht Dein Ernst. Wenn Du mich verar….!“ Er spricht nicht weiter, denn sein Blick hängt auch an dem Atem seines Freundes. „Mensch Matze, wie kann das sein?“ Ich frage mich warum die beiden den Atem des Jungen so dümmlich anstarren. Ich scheine Ihnen vollkommen entgangen zu sein. „Ich glaub sie ist ganz in meiner Nähe, ich kann sie spüren.“ Die beiden Herren kommen sich wohl sehr amüsant vor. Ich erhebe mich und schenke ihnen einen wütenden Blick. „Jetzt ist es nicht mehr so stark“ sagt der Blondgelockte. Der Braunhaarige kramt in seiner Tasche und holt ein kleines Büchlein heraus. „Hier steht, dass sie ihr im Wald ihr Leben verlor als sie auf der Suche nach ihrem Liebsten war. Ihr Name war Claire de Roi.“ Fassungslos starre ich den Jungen an. Das kann nur ein makaberer Scherz sein. Ich gehe zu ihm und packe ihn an der Schulter. Erschrocken zieht er den Arm zurück und blickt auf seinen Atem der in der Luft zu hängen scheint. „Jetzt ist sie bei mir.“ „Du machst mir echt Angst Alter.“ „Sie weiß bestimmt nicht, dass sie tot ist.“ Das ist doch Unsinn will ich sagen, doch plötzlich fällt mir auf, dass die beiden gar keine Französisch reden sondern Deutsch. Dennoch verstehe ich sie perfekt. „Erklär mich jetzt nicht für verrückt, aber vielleicht liest Du einfach mal ihre Geschichte vor, damit sie sie hört. Du weißt schon, ruheloser Geist und so“ schlägt der Junge mit dem seltsamen Namen Matze vor. Der, den er Flo nennt, erwidert: „Bei Tageslicht und an einem anderen Ort würde ich Dich für verrückt erklären, aber nachts im Wald von Ban-Saint-Jean hört sich Dein Vorschlag ziemlich vernünftig an.“ Er schlägt ein paar Seiten im Buch um und rückt näher ans Feuer und dann beginnt er eine Geschichte vorzulesen. Sie heißt „Die Legende vom Bauernmädchen“. Kann das wirklich noch ein Scherz sein? Das was sie Legende nennen, kommt dem was ich mein bisheriges Leben nenne viel zu nah. Das Ende der Geschichte macht mir große Angst, denn das Bauernmädchen stirbt letztendlich an seinen schweren Hirnverletzungen. „Seitdem streift der ruhelose Geist von Claire de Roi durch die Wälder von Ban-Saint-Jean auf der Suche nach ihrem Geliebten, den zu sehen, ihr an ihrem Todestag nicht mehr vergönnt war.“ beendet Flo die Geschichte. „Siebenundsechzig Jahre schon“ fügt Matze hinzu. In meinem Kopf rechne ich nach. Dann müssten wir jetzt das Jahr 2010 schreiben und ich wäre eine alte Frau von 84 Jahren! Ich brauche einen Beweis. Das kann ich nicht glauben. Matze zieht ein kleines rechteckiges Gerät aus der Fronttasche seines Gepäcks. Als er auf die kleinen Knöpfchen drückt leuchtet das ganze Gerät auf. „Es ist zehn vor sechs. Gott sein dank ist die Nacht bald rum.“ Schnell husche ich zu ihm herüber, um das was er in der Hand hält besser sehen zu können. Das Gerät ist schwarz und hat Knöpfchen mit verschiedenen Zeichen, Zahlen und Buchstaben. Über dieser Anordnung befindet sich eine Art winziges Fernsehgerät das ihm die Uhrzeit anzeigt und daneben, ich traue meinen Augen nicht, steht ein Datum. Sonntag, der erste August 2010. Ich taumle zurück, meine Beine geben nach und ich lasse mich neben das Feuer fallen. Ein Geist! Wie viele Nächte ich wohl schon auf der Suche nach Peter bin? Wie viele Menschen wie diese beiden hier, ich wohl schon erschreckt habe? Langsam schleichen sich Erinnerungen in meine Gedanken, an andere Nächte. Warme Sommernächte wie diese, nass-kalte Herbstnächte, eisige Winternächte mit Schnee, laue Frühlingsnächte. Ich erinnere mich an weit aufgerissene und verschreckte Menschenaugen. An Menschen die vor mir flohen, ohne dass ich es mir hätte erklären können. Und jede Nacht scheine ich erneut zu erwachen, im Glauben es wäre 1943 und ich sei nur in eine kurze Ohnmacht gefallen. Bestürzt schlage ich die Hände vor die Augen, doch sie halten das Licht nicht gänzlich ab. Ganz leicht, kann ich durch meinen Körper hindurch den Schein des Feuers erkennen. Mir wird klar, dass die Suche nach Peter vergebens sein wird. Die Möglichkeit, dass er das Lager überstanden hat und heute noch am Leben ist, ist verschwindend gering. Hilfe suchend sehe ich die beiden jungen Männer zu meiner Rechten und zu meiner Linken an. Aber wie könnten sie mir helfen? Sie sehen mich nicht einmal! Plötzlich sehe ich über dem Feuer ein helles Licht. Der Sonnenaufgang. Ich fürchte mich, möchte mich am Hier und Jetzt festklammern, damit ich nicht wieder in den Sog des ewigen Unwissens gezogen werde. Ich möchte nicht noch einmal vergessen! Das Licht über dem Feuer wird heller und heller. So habe ich die Sonne nicht in Erinnerung. Plötzlich eine vertraute Stimme aus dem Licht: „Komm mit mir!“ Ich würde die Stimme unter tausenden erkennen! Eine Gestalt manifestiert sich aus dem Licht, streckt mir ihre Hand entgegen. Es ist Peter. Ich muss keine Fragen stellen, denn alle Antworten finde ich in seinen Augen. Ich reiche ihm meine Hand. Er lächelt, zieht mich an sich und drückt mich an seine Brust. Das Licht um uns wird heller, verschlingt die Konturen der mir bekannten Welt, doch das spielt keine Rolle mehr. Ich habe ihn endlich gefunden. Nun kann ich in Frieden ruhen. -Ende- http://ban-saint-jean.hellmouth.de/
Zuletzt von Isabeau Colvin am Di 05 Okt 2010, 12:17 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet |
|  | | Isabeau

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 | Thema: Finley Cullen - Lass mir mein Leben! Sa 02 Okt 2010, 00:16 | |
| Finley Cullen - Lass mir mein Leben! Es war tiefschwarze Nacht und ich rannte. Rannte, dass der kalkweisse Kies unter meinen Füssen wild in alle Richtungen davon stob und ein knirschendes, rhythmisches Geräusch die totenstille Nacht durchbrach. Wohin? Bei Gott, ich wusste es nicht. Ich musste mich in Sicherheit bringen, dessen war ich mir absolut sicher. Mein Instinkt sagte mir einfach, dass ich laufen sollte und das tat ich seit einer gefühlten Ewigkeit. Meine Seiten stachen unerträglich, aber bevor ich mich ergeben würde, würde ich eher vor Erschöpfung tot umfallen. Anfangs dachte ich, ich sei paranoid und alles nur Einbildung, aber ich fühlte mich ständig beobachtet. Ich rannte los, als sich hinter mir etwas wie ein gespenstischer Schatten bewegte und Äste unter fremden Füssen knackten. Die Strassen, insbesondere der kleine Friedhof in dem ich mich befand war Menschenleer. Jeder mied diese Ruhestätte bei Nacht, doch ich Vollidiot war in meiner kopflosen Panik einfach einmal falsch abgebogen und nun musste ich Acht geben nicht über einen der verwitterten Grabsteine, die wie drohende Mahnmale der Sterblichkeit im fahlen Mondlicht aufleuchteten und ihre Schatten warfen, zu stolpern. Ich lebte in Jelling und hier gingen einfach Dinge vor sich, die man nicht erklären konnte und eben dieser Friedhof forderte seit Jahrhunderten ihre Opfer. Keiner konnte es sich erklären, warum hier immer wieder Menschen grauenvoll zu Tode kamen, aber das war mir in diesem Moment ziemlich egal, wenn ihr wisst was ich meine. Die Mahnmale schienen mich zu beobachten, wie ich mich immer wieder panisch nach allen Seiten umblickte. Die Kirchenuhr zu meiner rechten schlug gerade Mitternacht, wie passend. Mein Name ist übrigens Midnight und als gut erzogene Tochter einer Ärztin müsste es besser wissen. Zumindest um diese Zeit nicht hier zu sein. Meine Mutter hatte in ihrer Schwangerschaft eine *mystische Phase*, wie sie das immer nannte, darum hieß ich eben so. Seis drum, hier ging es um mein Leben, das hatte ich im Gefühl. Jemand verfolgte mich und ich würde diesen Friedhof wahrscheinlich nicht lebend verlassen. Irgendwo wäre schon noch ein Plätzchen für mich frei. Freudlos lachte ich auf und beschleunigte meinen Schritt. Er, sie, es kam aber trotzdem näher. Ich war eindeutig zu langsam. Mein Verfolger holte auf, obwohl ich rannte, als ob der Teufel hinter mir her wäre. Was wenn er es tatsächlich war? Ich schüttelte den Gedanken ab und sprang über eine Grabeinfassung, blieb aber mit meinem Shirt an dem gusseisernen Kreuz hängen. Abrupt wurde ich abgebremst, knallte mit dem Rücken gegen den Stein, sodass jegliche Luft pfeifend aus meinen Lungen entwich. Wild begann ich an dem Stoff zu zerren, der aber keinen Millimeter nachgab. Woraus war dieses verdammte T-Shirt eigentlich gemacht? Mein Verfolger kam schlitternd hinter mir im Kies zum stehen und keuchte angestrengt. Ich traute mich einfach nicht mich ihm zu stellen. Wenn ich eines war, dann bei klarem Verstand und der verbot mir, auch nur einen Muskel zu bewegen. Stattdessen starrte ich keuchend den Engel aus weissen Marmor, der auf einem Grabstein mir gegenüber sass an, als ob er mir irgendwie hilfreich sein könnte. „Warum bist du nicht stehen geblieben, als ich es von dir verlangte?“ Mein Blut schien genau in diesem Moment in meinen Adern zu gefrieren. Es konnte nicht sein. Diese Stimme kannte ich, aber es war vollkommen unmöglich. Er war tot. Jahre lag er hier schon auf diesem Friedhof zu ewigen Ruhe. Ich musste mich einfach getäuscht haben. „Du täuscht dich nicht, meine Liebe!“ sagte er mit seiner typischen rauchigen Stimme, die an den Ecken etwas kratzte und setzte sich erneut in Bewegung. Wieder versuchte ich an dem Shirt zu zerren, als es endlich mit einem reissenden Geräusch nachgab und ich beinahe auf die Nase fiel. Plötzlich umschloss eine kühle Hand meinen Oberarm und drehte mich mit einem unsanften Ruck zu sich. Ich weigerte mich ihm direkt in die Augen zu sehen und starrte deshalb auf den weissen Kies, der gespenstisch im Mondlicht leuchtete. „Sieh mich an, wenn ich mit dir spreche, Midnight!“ Er kannte meinen Namen und das war wirklich nicht gut. Nein gar nicht gut! „Nein!“ sagte ich barsch und versuchte seinen Arm loszuwerden. „Ich bin nur hier, weil ich dich ein Stück begleiten werde.“ Sagte er nun sanfter, beinahe liebevoll und doch traute ich dieser Situation nicht. Ich war vollkommen verwirrt und wagte nun doch einen Blick. Mein Herz blieb für eine hundertstel Sekunde stehen, um schliesslich holpernd wieder in Gang zu kommen. Er war es tatsächlich und seine stahlblauen Augen bohrten sich in meine. „Das ist unmöglich“ hauchte ich und versuchte mich daran zu erinnern wie man atmete. „Komm mit mir, dann wirst du verstehen!“ Benommen schüttelte ich den Kopf. Ich konnte es einfach nicht fassen, dass ich meinem, wie ich glaubte, verstorbenen Bruder gegenüber stand. „Peter, du bist doch ………….“ Begann ich, doch er schüttelte nur amüsiert den Kopf. „Tot meinst du?“ Mein Haupt schien Tonnen zu wiegen, als ich langsam nickte und zwang mich das Schlottern in meinen Knien zu ignorieren. Ich musste träumen oder so etwas. Das konnte doch gar nicht wirklich passieren. „Wie du es sehen willst“ Ich verstand nicht wovon er da zu sprechen schien, genau so gut hätte er es in italienisch sagen können. „Peter, ich war bei deiner Beerdigung…………..!“ Mitten im Satz stockte ich, als mein Blick wieder auf den Grabstein fiel auf dem der marmorne Engel sass. Erst jetzt fiel mir auf, dass es das Grab von Peter war auf dem er nun auf der Umrandung Platz genommen hatte. Es waren Jahre vergangen seit ich das letzte Mal hier gewesen war, da mich sein Tod beinahe um den Verstand gebracht hatte. Unsere Familie war an diesem Schicksalsschlag zerbrochen und ich musste mich mit keinen achtzehn Jahren selbst durchschlagen. Meine Mutter hatte ich ebenfalls lange nicht zu Gesicht bekommen und konnte wahrlich darauf verzichten. Ich machte viele Fehler in meinem jungen Leben und hatte auch dem Tod schon des öfteren in die Augen gesehen, aber das hier konnte kein Trip sein, den ich mir durch einen Schuss setzten hätte können. Hier war etwas anders, nur wusste ich nicht was. „Ich bin nur hier, um dich ein Stück zu begleiten!“ begann er von Neuem. Mein Blick schnellte zu ihm. „Du dürftest nicht so vor mir sitzen!“ beharrte ich, doch er lächelte nur und fuhr mit einem Finger die Gravur seines Namens nach. „Du weisst, dass hier in Jelling Dinge geschehen, die nicht erklärbar sind?“ fragend musterten mich seine stahlblauen Augen, die ich sogar im Mondlicht wahrnehmen konnte. „Ja, aber was hat das Ganze hier mit mir zu tun oder mit dir! Du sitzt auf deinem eigenen Grab!“ Ich lehnte mich erschöpft an den Grabstein hinter mir und versuchte zu kapieren, was das hier nur zu bedeuten hatte. Mit bebender Hand wischte ich den Schweiss aus meinem Nacken ohne den Blick von seinen ruhelosen Fingern zu nehmen, die immer noch über die Goldprägung fuhren. „Mit mir hat es seit langem gar nichts mehr zu tun!“ Sein Blick traf erneut meinen. „Gut! Ich habe es satt! Ich verstehe das hier alles nicht!“ Meine eiskalte Hand fand meine Stirn über die ich nervös rieb. „Ein Stück musst du noch gehen, aber du läufst ständig weg. Du musst verstehen, dass du eine Entscheidung treffen musst!“ Plötzlich packte mich die Wut, die wie eine lodernde Flamme durch meinen Körper zu züngeln begann. „Welche Entscheidung!“ brüllte ich, bückte mich, nahm eine Handvoll Kies und schleuderte sie ihm entgegen, doch zu meinem Entsetzten gingen sie einfach durch ihn hindurch. Die Wut wich der Panik von vorhin und ich stolperte rund um das Grab hinter mir. „Das meinte ich, du kannst dich nicht entscheiden!“ er folgte mir bedächtig, doch ich wusste würde er mich noch einmal berühren, würde ich endgültig die Fassung verlieren und vollkommen ausflippen. „Midnight, du bist ein kluges Mädchen, dass einfach unkluge Entscheidungen getroffen hat und jetzt musst du wahrscheinlich die schwerste deines bisherigen Lebens treffen!“ Immer noch stolperte ich rückwärts, während er mir bedächtig aber stet folgte, bis ich etwas kühles, raues in meinem Rücken spürte und so gestoppt wurde. „Welche Entscheidung! Warum rede ich überhaupt noch mit dir? Du existierst nicht! Du bist TOT!“ Das letzte Wort brüllte ich so laut, dass ein paar verschreckte Vögel aus ihrem Nest direkt über mir aufflatterten und in die mondbeschienene Nacht davon flogen. „Du auch, wenn du dich nicht bald entscheidest!“ Endlich, nur ein paar Schritte vor mir, blieb er stehen und streckte ganz langsam seine Hand nach mir aus. „Wage es ja nicht mich anzufassen!“ keuchte ich und krallte mich an der Steinmauer hinter mir fest. „Dann entscheide!“ „Was den? Was den? Was den?“ kreischte ich und hatte das Gefühl meinen Verstande jede Sekunde zu verlieren. „Denk nach!“ Mein Herz raste in meiner Brust, während das Blut unangenehm in meinen Ohren rauschte und ich wahrscheinlich jeden Moment ohnmächtig werden würde. Mein Gehirn ratterte wie ein Hochleistungs-Computer und versuchte annähernd zu verstehen, was er meinte. Doch die Angst lähmte jeden vernünftigen Gedanken. Doch ich verstand es einfach nicht. „Ich versteh es nicht!“ schrie ich, doch er stand einfach nur da und liess sich absolut nicht von meinem Gefühlsausbruch beeindrucken. „Dann muss ich es dir wohl zeigen!“ Seine Hand kam näher und plötzlich wusste ich was er meinte. Die Erinnerung kam wie ein Peitschenhieb und ließ mich stöhnend in die Knie gehen. Meine Hände fuhren hoch zu meinen Schläfen, die unangenehm zu pulsieren begannen und presste meine Handflächen verzweifelt dagegen. „Verdammt, was machst du mit mir?“ „Deine Zeit läuft ab! Deine Entscheidung!“ Seine Hand war nur mehr einen Zentimeter von mir entfernt und ich wusste auch, was geschehen würde, sollte er mich berühren. „Leben oder tot?“ fragte er nun direkt und ich schrie, als er meine Haut in Flammen zu stecken schien. „Leben! Lass. Mir. Mein. Leben!!!!“ kreischte ich, wobei sich meine Stimme überschlug und ich gegen die Schmerzwellen anzukämpfen begann. „So sei es!“ sagte er langsam und ging einen Schritt zurück. Mit seinem Finger waren auch die Schmerzen weg und er lächelte mich selbstgefällig an. „Deine Zeit wird kommen, liebe Midnight! Ändere dein Leben, sonst sehen wir uns hier bald wieder und dann hast du keine andere Wahl!“ Er machte eine ausladende Bewegung Richtung der stillen Beobachter, die immer noch gespenstische Schatten warfen. „Peter…………!“ begann ich doch er schüttelte seinen Kopf. „Du bist klüger!“ „Du bist der Tod!“ diesmal nickte er nur, machte am Absatz kehrt und ging davon, als er im nächsten Moment verschwunden war. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Peter war immer das gewesen, was ich so sehr ersehnt hatte. Anerkannt, beliebt und erfolgreich, doch ich kleines dummes Mädchen hatte nur Flausen im Kopf. Ich vermasselte jede Chance in meinem Leben, bis ich nicht mehr ein noch aus wusste und mich in dieses Auto setzte. Es sollte wie ein Unfall aussehen und doch tat ich so vielen Menschen in meinem Umfeld weh damit. Ich wollte einfach zu Peter, da es der einfachere Weg ist und jetzt wusste ich plötzlich, dass es die grösste Fehlentscheidung gewesen war, die ich jemals getroffen hatte. „Denke daran, ich gebe normalerweise keine zweiten Chancen, aber du hängst zu sehr am Leben!“ Es war nur ein Hauch, wie das Raunen des Windes. Kurz schloss ich meine Augen, die abscheulich von den Tränen brannten, die mir unaufhörlich über die Wangen liefen. Ich musste mich erst wieder daran erinnern, wie man sie öffnete und blinzelte gegen das grelle Licht an, dass plötzlich direkt über mir war. Mit einer Hand versuchte ich den grauenhaften Schleier vor meinen Augen zu vertreiben. „Sie ist wach!“ hörte ich irgend jemanden ausserhalb meines Blickfeldes aufgeregt sagen, schliesslich warme Hände, die meinen Puls betasteten. „Nach diesem Unfall beinahe unmöglich, dass sie wieder das Bewusstsein erlangt!“ erwiderte eine tiefere männliche Stimme. Ich tippte träge auf einen Arzt, da irgendwo hinter mir etwas permanent nervig piepste. „Midnight, hörst du mich?“ Es war meine Mutter, die unaufhörlich meine Hand drückte, oder fühlte sie meinen Puls? Ich leckte mir über die staubtrockenen Lippen und suchte ihren Blick. „Ich habe ihn gesehen!“ krächzte ich. „Wen?“ „Peter!“ Das war das Letzte, dass ich aktiv wahrnahm, bevor ich erneut in die Dunkelheit abtriftete. ______________________________________________________________________________________ Quelle des historischen Ortes: http://de.wikipedia.org/wiki/Jelling
Zuletzt von Isabeau Colvin am Di 05 Okt 2010, 12:16 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet |
|  | | Isabeau

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 | Thema: Fire Rainbowfly - Rendezvous mit der Vergangenheit Sa 02 Okt 2010, 00:18 | |
| Fire Rainbowfly - Rendezvousmit der Vergangenheit
Rani wacht schweißgebadet aus ihrem wirren Traum auf. Ihr Ehemann liegt selig schlafend neben ihr, und hat bis jetzt nichts von ihrem Leiden mitbekommen. Peter ist ein gradliniger Mensch, alles ist bis ins kleinste Detail geplant. Als sie ihn damals in Indien kennenlernte, war er Balsam für ihre Seele. Ihr Herz blutete, er hat es geschafft es wieder zusammenzusetzen, geheilt hat er es nicht. Rani schlüpft in ihren Morgenmantel, ein Blick auf die Uhr zeigt ihr, dass es gerade mal dreiundzwanzig Uhr ist. Leise schleicht sie sich in die hochmoderne Küche. Peter erfüllt ihr jeden Wunsch, dafür liebt sie ihn. Er lässt keine Wünsche offen, Er liebt Sie mehr als sein Leben. Sie liebt ihn, doch ihr Herz schreit jede Nacht aufs neue nach Karan. Ihr bester Freund in Agra, ihre wohl einzige WAHRE Liebe. Sie hatten sich vorgenommen, die sieben Weltwunder zu bereisen.
Das Taj Mahal war das erste und das letzte das sie sahen. Wie sie gestaunt hatte an diesem Tag. Die opulente Bauweise, dieser Liebesbeweis. Wie sehr hatte Shah Dschahan, seine dritte und liebste Frau, Arjumand Banu Begum geliebt. Sie konnte es sich nicht vorstellen, bis sie wieder daheim waren. Karan und sie. Karan's Eltern hatten Neuigkeiten, die Rani das Herz brachen.
Mit der Teetasse in beiden Händen sitzt sie in ihrer Küche, und sieht die Bilder aus ihrem vorangegangen Traum vor sich. Jede Nacht träumte sie von diesem verhängnisvollen Tag.
Karan's Familie war sehr wohlhabend, Rani's dagegen gehörte zum Mittelstand. Trotzdem waren sie Beste Freunde. Karan's Eltern liebten Rani wie eine Tochter, aber nicht als Schwiegertochter. Karan würde heiraten, seine Eltern hatten eine Heirat arrangiert, mit einem Mädchen aus Agra City. Es war eine wunderschöne Hochzeit, es wurde viel gelacht und getanzt. Rani wusste nicht ob sie Karan's Gesichtsausdruck richtig deutete, oder ob sie es sich nur einbildete, dass er nicht glücklich aussah. Karan hatte sich gewünscht, dass sie ihn an so einem wichtigen Tag nicht im Stich ließ. Er hat gesagt, ohne sie stehe er das nicht durch. Wie gerne wäre Rani, an der Stelle seiner Braut gewesen. Rani's Herz zerbrach schon als das Ehepaar das heilige Feuer umkreiste, drei mal die Braut, danach vier mal Karan. Nach dem vierten Tag der Hochzeitsfeier, verabschiedeten sich Karan und seine Braut in die Flitterwochen. Die über 690 Gäste feierten weiter ausgelassen die Vereinigung der beiden. Bevor Karan aus ihrem Leben verschwand, verabschiedete er sich noch von Rani, sie waren alleine, Abseits der fröhlichen Musik. Abgeschirmt vor neugierigen Augen, Rani wollte ihn anflehen nicht zu gehen, bei ihr zu bleiben, aber er war jetzt ein verheirateter Mann. Es gehörte sich nicht den Mann einer anderen Frau zu begehren, auch wenn einen viel mit diesem Mann verband. Ihre Freundschaft starb, nachdem Karan das vierte mal das Feuer umkreist hatte. Kaum war der Mann den sie liebte nicht mehr da, verließ Rani mit Tränen in den Augen die Feierlichkeiten. Sie dachte ihre Wege trennen sich in dieser Nacht, sie wünschte ihm nur das beste. Sie ließ sich ihren Schmerz nicht anmerken, und hoffte inständig das er glücklich werden würde.
Rani merkte, dass Tränen in ihren Tee tropften. Schnell wischte sie sich ihre Tränen von den Wangen. So durfte er sie nicht sehen. Es würde nicht mehr lange dauern, und er würde sie hier finden.
Nachdem Rani in ihrem Elternhaus angekommen war, hing sie ihren Festtagssari in den Schrank und legte sich traurig in ihr Bett. Mit verquollenen Augen fiel sie nach langer zeit endlich in einen unruhigen Schlaf. Am Morgen wurde sie sanft von ihrer Mutter geweckt. „Rani, meine Prinzessin, Wach auf.“ sie streichelte ihr zärtlich über den Rücken. „Nicht jetzt, nicht heute“ sie wollte den Tag im Bett verbringen und ihrer großen Liebe nachtrauern. „Bitte mein Schatz, wir müssen...“ die Stimme ihrer Mutter zitterte und brach schließlich ab. Sie weinte. „Mama, bitte nicht weinen, ich habe meine Liebe verloren, nicht du. Du musst nicht mit mir leiden. Ich bitte dich.“ umständlich rappelte sie sich auf, und umarmte ihre Mutter. Ihre Mutter wusste das Rani tiefe Gefühle für Karan hegte, welche Mutter merkte es nicht, wenn ihr einziges Kind unglücklich war. „Rani, es ist etwas schreckliches Passiert. Du musst zu den Patels.“ „Wieso? Was ist mit Karan's Eltern?“ sofort war sie hellwach. „Karan... Auf dem Weg zum Flughafen kam ein Auto von der Gegenfahrbahn ab und prallte frontal mit Karan und seiner Nandini zusammen. Nandini war auf der Stelle tot, um Karan's Leben kämpfen die Ärzte noch. Du sollst mit den Patels ins Krankenhaus fahren, es sieht nicht gut für ihn aus.“ Rani hörte schon gar nicht mehr zu, ein Unfall, seine Braut ist tot, und er wird es wohl nicht überleben. Sofort sprang sie aus ihrem Bett, zog sich so schnell wie möglich an und versuchte nicht zusammenzubrechen.
Wie sehr diese Erinnerungen schmerzten. Jede Nacht aufs neue wurde sie in die Vergangenheit zurück versetzt, und litt genauso wie am ersten Tag. Ihr Mann merkte nicht das Rani mit dem Herzen bei einem anderen war, oder er verdrängte es erfolgreich. Peter lernte sie kennen, als er auf Geschäftsreise in Agra war. Er besichtigte gerade das Taj Mahal als Rani den Tempel betrat um zu beten. Für ihren Karan zu beten, dafür zu beten das sie im nächsten Leben mehr Glück hatten, und zusammen alt werden konnten. Peter fiel ihr damals ins Auge, er war so vertieft in die Schönheit des Bauwerkes, wie sie damals. Sie weiß nicht mehr wie, aber beide kamen ins Gespräch. Sie merkte das er ihr gut tat, und sie wusste das es ihrer Mutter das Herz brechen würde, würde Rani ihr Leben lang alleine bleiben. Nach nur kurzer Zeit, verlobten sich beide und heirateten. Nach der Hochzeit in Agra, nach indischen Traditionen, sind beide nach New York gegangen, in Peter's Heimatstadt. Hier lebt sie nun und wacht jede Nacht kurz nach dem einschlafen auf. „Hier bist du. Ich habe dich schon überall gesucht.“ eine Stimme wie Samt reißt sie aus ihren Überlegungen. „Du findest mich doch immer, egal wo ich bin.“ „Ich habe versprochen dich nie zu verlassen. Bekomme ich Milch?“ er setzt sich gegenüber von ihr auf den Stuhl, und betrachtet ihre Schönheit. Rani ist schon lange wieder in der Vergangenheit.
Bei Karan's Eltern angekommen, konnte Rani ihre Fassade nicht mehr aufrecht erhalten. Sie fiel Mrs Patel in die Arme, und weinte bitterlich. „Weine nicht mein Kind, Karan will dich nicht leiden sehen.“ „Wieso er? Er ist doch noch so jung.“ „Komm, wir fahren ins Krankenhaus, vielleicht wissen die Ärzte jetzt mehr.“ behutsam brachte Mrs Patel Rani zum Auto, die Fahrt zum Krankenhaus weinte Rani leise vor sich hin. Es durfte kein Abschied für immer werden. Sie konnte es verkraften ihre große Liebe mit einer anderen glücklich werden zu lassen. Ihn aber sterben zu sehen, würde sie nicht verkraften. Als der Wagen hielt, wollte sie nicht aussteigen. Erst als Karan's Eltern ihr sagten, dass ihr Sohn erst seinen Frieden finden würde, wenn er von Rani Abschied nehmen könnte, stieg sie aus. Diese Art Abschied wollte sie nicht. Widerstrebend ließ sie sich in das Zimmer führen in dem Karan lag. An unzähligen medizinischen Geräten angeschlossen, aber ansprechbar. Er war immer noch wunderschön, trotz seiner Blessuren und Verletzungen. In ihren Augen würde er immer wunderschön sein.
Sie sieht in das Gesicht vor ihr, es ist ebenfalls wunderschön. Ein weiterer Blick auf die Uhr zeigt ihr, dass er diesmal länger gebraucht hat um sie zu finden. Aber er weiß immer wo sie ist. Ihr Blick ruht auf seinem ebenmäßigen Gesicht, und sie erinnert sich weiter. Er wartet geduldig, er weiß das sie ihre Zeit braucht, wenn er sie nachts in der Wohnung, anstatt im Bett vorfindet.
„Rani, meine wunderschöne Rani.“ Karan's Stimme war kaum ein flüstern. Sie versuchte ihre Tränen zu unterdrücken, aber diese Verräter bahnten sich ihren Weg nach draußen. „Bitte nicht weinen.“ er versuchte ihre Wange zu berühren. Sie saß so nah an seinem Bett wie nur möglich. Er deutete ihr, sich zu ihm zu setzen. Rani folgte seinem bitten und nahm vorsichtig auf der Bettkante platz. Sie wusste, dass dies die letzten Minuten mit ihm waren. „Ich möchte nicht das meine Beste Freundin weint. Ich habe mir geschworen diese wunderschönen Augen nie mit Tränen zu füllen.“ „Es ist nicht deine Schuld, bilde dir nicht zu viel ein. Ich habe nur etwas im Auge.“ sie versuchte sich ein Lächeln abzuringen. Nie würde er erfahren was er ihr bedeutete. Nie würde er wissen, dass sie täglich um ihn weinen wird. Er würde seinen Frieden nicht finden, würde sie es ihm sagen. „Aber ich habe es getan. Das erste mal vor fünf Tagen. Und nun weinst du wieder wegen mir. Es tut mir so leid.“ „Natürlich habe ich geweint, immerhin hat mein Bester Freund geheiratet. Bei Hochzeiten weinen Frauen nun mal, das ist ein Naturgesetz.“ sie hatte sich endlich soweit im Griff, dass sie seine Hand nehmen konnte. Sachte hielt sie seine Finger in ihren und sah ihm ins Gesicht. „Einen besseren Besten Freund wie dich, kann man sich nicht wünschen. Es war schön mit dir. Quäle dich nicht länger, deine Nandini wartet bestimmt schon auf dich.“ sie wollte ihm nicht sagen was sie für ihn empfand, obwohl er es sicher wusste. „Rani, versprich mir dass du dich wieder verliebst. Werde glücklich, ich bitte dich darum.“ diesmal war er derjenige der anfing zu weinen. Rani nickte, aber sie wusste dass sie nie wieder einen Mann so lieben konnte wie ihn, ihren Karan. „Ich verspreche es.“ log sie ihn an. „Wenn du dich wieder verliebst, verspreche ich dir das ich dich nie verlassen werde.“ „Du verlässt mich doch schon, jede Sekunde entfernst du dich mehr von mir.“ jetzt weinten beide. Sie merkte das er langsam ins Jenseits abdriftete. Sie wusste nicht wie lange sie nur schwiegen und weinten. Als er seine Augen schloss flüsterte er: „Rani, ich liebe dich. Ich werde dich immer lieben.“ diese Worte wollte sie immer von ihm hören. Jetzt ließ er sie mit der Gewissheit zurück, dass er die selben Gefühle für sie hatte wie Rani für ihn. „Karan, bitte bleib bei mir. Bitte geh nicht!“ sie nahm nicht wahr, dass sie sich auf seine Brust schmiegte und bitterlich weinte.“Karan, ich liebe dich.“
Rani's Tee ist inzwischen kalt geworden, und die Tasse war immer noch voll. Keinen einzigen Schluck hat sie getrunken. Ihm hat sie Milch eingeschenkt. Jetzt war er bei ihr. Lange hat sie auf ihn gewartet. Lange hat sie an seinen Worten gezweifelt. Als sie mit Peter nach New York gekommen ist, war es wie ein neuer Lebensabschnitt. Ein Lebensabschnit ohne Karan. Er hatte sein Versprechen nicht gehalten. Er hat sie verlassen. Erst in New York lernte sie Peter zu lieben, in dieser Stadt erinnert sie nichts an Karan. Nur Bilder des Taj Mahal lassen Karan vor ihrem geistigen Auge erscheinen. Damit hat sie sich abgefunden.
Peter hatte ein schlechtes Gewissen weil er Rani so oft alleine daheim ließ, und ihm war ein Kater zugelaufen auf dem Nachhauseweg. Er nahm ihn mit, und Rani fühlte das dieser Kater etwas besonderes war. Nun war sie nicht mehr so oft alleine. An diesem Tag, flüsterte Rani das erste mal von Herzen >Ich liebe Dich< in Peters Ohr. Und dann geschah das woran sie lange nicht mehr geglaubt hatte.
„Du hast mich lange warten lassen.“ Vier Jahre hat sie auf ihn gewartet. „Du hast so lange gebraucht, dich zu verlieben.“ er lächelt sie an. „Ich weiß.“ sie erwidert sein Lächeln. „Was willst du heute machen, was willst du sehen.“ will er von ihr wissen. Sie weiß er ist ein Geist. Aber sie kann ihn berühren, sie kann ihn sehen. Nicht verschwommen, oder durchsichtig, so wie sie es in Filmen zeigen. Nein, er ist aus Fleisch und Blut, ihr Karan, ihre WAHRE Liebe. Wiedergeboren in dem Körper eines grazilen Katers. „Wie wäre es heute mit den Kolosseum in Rom.“ „Dein Wunsch ist mir Befehl, meine liebste Rani.“ Karan springt von seinem Stuhl, stellt sich auf die Hinterbeine und verwandelt sich. Rani schaut ihm gebannt zu, wie sehr sie es liebte ihn in Menschengestalt zu betrachten. Karan tritt hinter seine einzige Liebe und legt ihr die Hände auf die Schultern. „Kannst du es sehen?“ flüstert er ihr ins Ohr. Sie kann alles sehen, die 80 Eingänge, die unzähligen Sitzplätze, das Kellergeschoss.
Karan hat ihr versprochen das er mit ihr die sieben Weltwunder bereisen wird. Und auch dieses Versprechen hat er wahr werden lassen. Jede Nacht besuchen sie gemeinsam die schönsten Plätze auf der Welt. Er lässt sie das sehen, was er gesehen hat als er sie gesucht hat. Er war überall, er hat seine Liebe gesucht und sie schließlich gefunden. Sie genießt diese Zweisamkeit mit ihm. Ihr Karan. Nach einigen Minuten, sehnt Rani sich nach dem Gebäude, das für sie das wunderschönste überhaupt war. Da Karan seine Rani kennt, lässt er diese Bilder vor ihrem Auge erscheinen. Das Taj Mahal, der Liebesbeweis von Shah Dschahan an seine dritte und liebste Frau Arjumand Banu Begum. Der Ort an dem die Geschichte von Rani und Karan ein glückliches Ende fand. Denn hätte Rani Peter nicht getroffen, hätte sie Karan für immer verloren. Plötzlich hören beide schlurfende Schritte. Karan hat ein gutes Gehör, er weiß das Peter gleich in der Küche stehen wird. „Bitte geh nicht.“ flüstert Rani und schmiegt sich in seine Handfläche. „Ich werde dich nie verlassen.“ er drückt ihr einen sanften Kuss auf die Wange, löst sich von ihr und ist wieder ein Kater.
Karan springt auf Rani's Schoß und stupst ihre Handfläche an. Wieder laufen ihr die Tränen über die Wangen. Karan schüttelt leicht den Kopf, sie soll nicht weinen. Er ist doch bei ihr, er wird sie nie wieder verlassen. „Hier bist du, ich habe dich schon gesucht. Schlecht geträumt?“ Peter stellt sich hinter seine Frau und streichelt ihr sanft über den Kopf. „Wie gut das Karan nachtaktiv ist. So kann er dich trösten, wenn ich es nicht kann, nicht wahr Katerchen.“ er streichelt Karan über das Fell, und dieser ist ihm dankbar, dass Peter seine Rani aus dem schwarzen Loch geholt hat, in das Karan sie damals unbeabsichtigt gestürzt hat. Karan war Peter dankbar, dass er seine Rani genauso liebt wie er es tut. Rani liebt Peter dafür, dass er eingewilligt hat den zugelaufenen Kater Karan zu nennen. Er weiß das Karan ihr Bester Freund in Agra war, und das sie ihn schmerzlich vermisst. Das sie Karan liebt darf er nie erfahren. Es würde ihm das Herz brechen. Rani nahm den Kater auf den Arm und drückte ihn fest an sich. „Ich liebe Dich.“ Karan blickte ihr wissend in die Augen. Peter drückte Rani einen Kuss auf den Scheitel „Ich Dich auch.“
Rani bringt Karan in sein Körbchen im Wohnzimmer, instinktiv wusste sie damals das der Kater nicht in ihr Schlafzimmer gehörte. Dieser Raum gehörte Peter und ihr. Noch einmal streichelt sie ihrem Kater über das glänzende Fell. Berührt ihre Finger mit den Lippen und drückt sie ihrem Kater auf die Nase. Dieser stupst zweimal die Stelle, die vorhin ihre Lippen berührt haben an. Sie erhebt sich, lächelt und ihr Herz schmerzt schon viel weniger.
Denn sie weiß das sie morgen Nacht wieder ein Rendezvous mit der Vergangenheit hat.
Zuletzt von Isabeau Colvin am Di 05 Okt 2010, 12:15 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet |
|  | | Isabeau

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 | Thema: Reija Colvin - Phönix aus der Asche Sa 02 Okt 2010, 00:18 | |
| Reija Colvin - Phönix aus der Asche
Es war noch Winter und die eisige Kälte in den kleinen, dünnen Zelten ließ kaum jemanden richtig einschlafen. Alle klapperten mit den Zähnen und fröstelten unter den dünnen Decken. Obwohl es so kalt war, versuchte jeder der tapferen Männer Geräusche zu vermeiden. Jeder lauschte in die Nacht und achtete auf die Umgebung. In der Ferne hörte man die Kanonenschüsse und jeder von ihnen hoffte, dass die Russen nicht zu schnell vorwärts kamen. Plötzlich gab es einen riesigen Knall, der viel lauter war als alle anderen zuvor. Adelgard schlug ihre eisblassen blauen Augen ruckartig auf. Nicht dass sie hätte schlafen können. Nein! Aber alle versuchten sich irgendwie auszuruhen, auch wenn das nicht immer möglich war. Adelgard war Krankenschwester und musste sich um die Verwundeten kümmern. Es waren Soldaten mit kleineren Verletzungen, die schneller wieder genesen würden, um den Kameraden so schnell wie möglich wieder zur Seite stehen zu können. Die meisten kamen aus der Lebuser Front und wurden dann nach Seelow gebracht, um hier versorgt werden zu können. Adelgard hatte seit ihrer Kindheit hier gelebt. Sie kannte sich in der Gegend sehr gut aus. Sie hatte viele Freunde in Richtung Lebus und von vielen hatte sie seit Tagen nichts mehr gehört. Schnell verdrängte sie wieder ihre Sorgen. Wann würde dieser schreckliche Krieg endlich aufhören? Immer wieder hörte sie von den Nachrichten, dass man Erfolge erzielte, dass der Führer alles im Griff hatte und, dass niemand Angst zu haben brauchte. Adelgard konnte den Nachrichten jedoch keinen Glauben mehr schenken, denn auch ihre Jüngsten wurden inzwischen in die Wehrmacht eingezogen. Die meisten waren noch Kinder, die nicht in den Krieg ziehen sollten, sondern ihre unbeschwerte Kindheit genießen sollten. Achtlos wurde mit dem noch jungen Leben gespielt. Adelgard wurde aus ihren Gedanken gerissen. Einer, der Patienten, wurde von Albträumen geplagt. War das überhaupt ein Wunder? Sie wollte sich nicht ausmalen, was sie erleben mussten. Geschwind rannte sie zu dem jungen Mann. Er war nicht älter als sie. Sie schätzte ihn auf achtzehn Jahre. Er sah schlimm aus, als er hier her kam. Seine Hand war mehrmals gebrochen, aber nicht so zertrümmert, als dass es Spätfolgen geben würde. Seine Schulter war ausgerenkt und er hatte einige Brandverletzungen gehabt. Jetzt sah man nur noch ein paar rote Stellen, wenn man den Verband abnahm. Er zappelte herum, schrie wie am Spieß und weckte somit noch die anderen Patienten auf, die fast eingeschlafen waren. Adelgard versuchte ihn sanft zu wecken, immer hin musste man in dieser Kriegssituation sehr ruhig bleiben. Kaum etwas von sich geben um die Anderen nicht auf sich aufmerksam zu machen. Sie schaffte ihn zu weckten und als sie sich umsah, wurde ihr bewusst, dass niemand jemals hier richtig tief schlief. „Sch-sch“, machte Adelgard, „Sie sind hier in Sicherheit.“ Adelgard war erstaunt und gleichzeitig erschrocken darüber, wie leicht es ihr inzwischen fiel, jemanden so zu belügen, nur um jemanden im ersten Moment die Angst zu nehmen. Niemand konnte es sich erlauben zu behaupten, dass man hier wirklich in Sicherheit war. Der junge Mann griff nach ihrem langen blonden Haar, sah es sich lieblich an und legte sich zurück in die dünnen Laken und schloss wieder die Augen. Leise flüsterte er noch: „Sie sehen aus wie meine Freundin in Werda.“ Und obwohl er schnell wieder einschlief, blieb Adelgard jedoch bei ihm und versuchte ihn mit einer sanften Berührung zu beruhigen.
Adelgard sah auf den kleinen Kalender. 14. Februar 1945, Valentinstag. Adelgard seufzte und dachte an ihren ersten Freund. Wo er wohl hingekommen war? Als er eingezogen wurde, hatte er sich gefreut. Er war jemand der wirklich daran dachte, dass Deutschland siegen würde. Doch ob er noch lebte oder auch noch wirklich daran glaubte, wusste sie nicht. Sehr gerne hätte sie ihn noch einmal gesehen. Draußen wurde es mit einem Mal hektisch. Sie hörte einen, immer lauter werdenden, aufheulenden Motor. Ein Auto der Wehrmacht kam mit schnellem Tempo auf das Gelände des Lazaretts gefahren. Adelgard sprang auf und verließ das Zelt. Ein eisiger Wind umwehte sie. Erst jetzt spürte sie, wie viel Wärme dieses spärliche Zelt doch schenkte. Adelgard schlang ihre Arme um sich und rannte so schnell sie konnte auf das Auto zu. Es war noch kein einziger Arzt vor Ort. Lediglich die gelernten Krankenschwestern versammelten sich um das Auto. Ärzte waren ohnehin schon Mangelware. Sie warf einen Blick auf den Verwundeten. Entsetzt hielt sie für wenige Sekunden die Luft an. Es war einer ihrer Ärzte. Sie wusste dass er einen Tag zuvor nach Lebus musste, um dort eilige Medikamente abzuliefern. „Peter!“, rief sie schockiert. Er hatte sie gehört und versuchte mit seinen blutigen Augen zu blinzeln. Sein Gesicht sah schlimm aus, dabei war er ein so gut aussehender Mann gewesen. Er war älter als sie, viel älter aber es war ihr egal. Sie mochte ihn. Seine blonden Haare waren roteingefärbt von seinem Blut. Sein Gesicht war in Fetzen geschnitten. Alles deutete auf eine Splittergranate. Die meisten Patienten hatten diese Art von Verletzungen. Obwohl sie versuchte sich so schnell wie möglich zu ihm durch zu kämpfen, gelang es ihr nicht. Immer wieder wurde sie von den anderen Schwestern zurück gedrängt. Der erste Arzt kam herbei gerannt. Sein Kittel und seine Arme waren noch voller Blut. Er hatte wohl gerade erste eine OP beendet.
Die Tage vergingen, und wurden stressiger. Peter ging es viel besser. Noch immer waren die Verletzungen zu sehen, aber er war wieder auf den Beinen und lief in den Gängen des Haupthauses umher. Er würde jedoch nie wieder als Arzt praktizieren können. Er hatte etwas an Sehschärfe einbüßen müssen. Es war schwer für ihn, doch er hatte Adelgard an seiner Seite. Seit er ins Lazarett gebracht wurde, versuchte Adelgard oft Zeit für ihn zu finden. Sie kamen sich näher und eine tolle Freundschaft entwickelte sich. Beide waren sich sicher, dass der Krieg nicht mehr lange wehren könnte. Seelow war noch immer verschneit, und obwohl es Tage gab in denen es ruhig blieb, konnte man diesen Schnee und die schöne Landschaft nicht genießen. Denn die feindlichen Truppen waren noch näher gekommen und kämpften sich in Richtung der Seelower Höhen vor. Damit die Russen überrascht werden konnten, entstand am 02. April die scharfe Debatte darum, ob man den Kirchturm nicht abtragen könnte. Adelgard verstand die Angst der Truppen. Immer mehr Flüchtlinge kamen durch ihre kleine Kreisstadt und die Späher der feindlichen Truppen hätten die kleine Stadt schon längst entdeckern müssen. An diesem Tag hatte sie sich trotzdem mit Peter verabredet. Sie hatte von den Oberarzt und Schichtleiter des Lazaretts ein paar Stunden frei bekommen. Sie war aufgeregt und seit Wochen in ihre kleine Wohnung im Dachgeschoss ihrer Eltern zurück gekehrt. Eigentlich hatte sie das ganze Haus für sich. Ihre Eltern waren nach Berlin geflohen, in der Hoffnung dort sicher zu sein. Sie hatten von den vielen Bunkern gehört, die dort eingerichtet worden waren. Die Post kam nur sehr unregelmäßig, was Adelgard grundsätzlich Angst machte. Sie wusste einfach nicht, ob Mutter und Vater noch lebten, wenn sie ein Brief erreichte. Doch nun wollte sie sich um sich kümmern. Ihre erste Verabredung seit … ja, seit 7 Jahren. Sie war nervös und der Blick in den Spiegel sagte ihr, „Mädchen, du bist noch so jung aber dein Gesicht sieht aus, als hättest du die Bürde der Welt auf deinen Schultern.“ Sie sah müde aus, ausgezehrt. Sie lächelte sich an und fragte sich kurz darauf, was Peter an ihr mochte. Auf Grund der Wasserknappheit, blieb ihr nur die Möglichkeit für eine kleine Katzenwäsche. Sie fühlte sich immer noch schmutzig und dachte bei sich, wie wenig Wasser sie bisher eigentlich verbraucht hatte. Eigentlich könnte ich mir doch ein Bad gönnen, oder? Nach zehn Minuten im lauwarmen Wasser stieg sie aus der Wanne und stellte sich vor ihren Kleiderschrank. Es waren wenige Kleider. Sie hatte nichts was man für eine Verabredung anziehen könnte. Das einzige was sie als ansehnlich bezeichnen konnte, war eine vergraute Rüschenbluse und einen alten, blauen, mit Blumen verzierten Rock, der bis zu ihren Knöcheln reichte. Doch als sie sich angekleidet hatte, musste sie leidlich feststellen, dass sie gar keine geeigneten Schuhe besaß. Die Schuhe die früher dazu gepasst hatten, waren kurz vor Kriegsbeginn kaputt gegangen. Sie seufzte und zog ihre alten Krankenhausschuhe wieder an. Natürlich erst nachdem sie sie mit kaltem Wasser gereinigt hatte. Sie waren nicht hübsch, aber zumindest war das gröbste Blut abgewaschen. Gerade als sie sich im gesprungenen Spiegel ansah, ertönte die Warnsirene. Mist, sie musste hinunter in den kleinen Schutzkeller. Sie rannte was das Zeug hielt die Treppe hinunter und über die kleine Speisekammer in den Keller. Ihre Eltern hatten ihn noch aufgefüllt bevor sie abgereist waren. Adelgard verschloss schnell noch die Tür und betete dass es bald zu Ende sei. Und ihre Gebete wurden erhört. Keine zehn Minuten später ertönt das Signal der Entwarnung. Als sie wieder aus dem Keller kam, stellte Adelgard verärgert fest, dass ihr Rock einen großen, dunklen Fleck abgekommen hatte. Sie seufzte und rannte schnell in die Küche. Vielleicht würde sie es schaffen, ihn heraus zu reiben. Doch je mehr sie daran rieb, desto größer wurde er. Langsam setzten Wut, Verzweiflung und alle anderen Gefühle ein, die sie bisher gut unterdrücken konnte. Sie hatte es satt! Alles: den Krieg, die aufsteigende Armut, die Verletzten, die Tatsache dass sie dreckig zur Verabredung mit Peter kam und das Peters Gesicht nie wieder in so einer Schönheit erstrahlen konnte. Er würde für immer Narben im Gesicht haben. Die Tränen rannten ihr über die Wangen. Sie konnte kaum noch sehen welchen Teil des Rockes sie gerade bearbeitete. Sie ließ ihren Rock kraftlos aus den Händen und ihre gerade Gestalt sank in sich zusammen. Sie weinte, sie weinte hemmungslos und war dankbar, dass dies niemand mitbekam. Und als es ihr bewusst wurde, wie allein sie war, weinte sie noch mehr. Sie hatte niemanden mehr hier. Ihre Eltern waren geflohen, ihre Freunde waren ebenso geflohen oder waren getötet worden, weil sie an einen Sieg glaubten. Schon lange hatte Adelgard kein Radio mehr gehört und sie hatte auch keinerlei Interesse daran. Nur langsam bekam sie sich wieder unter Kontrolle und schaute auf die Uhr. Es war der 11. April 1945 und sie hatte in einer halben Stunde ein Treffen mit ihrem Schwarm Peter. Peter mit dem sandblonden Haar und die traumhaft braunen Augen. Sein Körper war wunderschön, auch wenn er zerschunden war. Sie stand auf und ging zur Tür. Auf dem Weg dorthin schnappte sie sich ihren Parka und warf sich ihn über. Auf der kleinen Treppe blieb sie stehen und begrüßte die streunende Katze an ihren Füßen mit einem kleinen Tätscheln. Sofort begann sie zu schnurren und sich vor ihr hin und her zu rollen. Gerade als Adelgard die Tür ins Schloss zog, explodierte etwas so heftig, das der Boden erzitterte. Als erster Impuls, warf sich Adelgard auf die Knie, zog den Kopf auf die Brust und verschränkte ihre Hände über den Rest ungeschützten Hauptes. Als die Erde sich wieder beruhigte, schaute sie auf. Rannte so schnell sie konnte zum Eingangstor und schaute sich um. Die Detonation war so nah gewesen und sie befürchtete schlimmes. Innerlich stellte sie sich darauf ein, dass sie gleich eine schreckliche Szenerie erblicken würde. In Richtung Stadtzentrum türmte sich eine dunkle Säule in den Himmel. 'Oh mein Gott, die Truppen'. Adelgard wurde schwindlig und ohne nachzudenken rannte sie los. Sie lief schnell und doch kam es ihr vor, als würde sie nicht voran kommen. Als sie um die Ecke einer Häuserwand kam, sah sie die Männer in den Wehrmachtanzügen. Sie standen vor der Kirche und schauten auf die Trümmer, die zu ihren Füßen lagen. Der Kirchturm war dem Erdboden gleich und als Adelgard keinerlei Panik entdecken konnte wurde ihr immer deutlicher, dass diese Detonation gewollt war. Ein Dank entwich ihr in Richtung Himmel und doch kam es ihr Falsch vor. Das Gotteshaus zerstört, hoffentlich würde Gott ihre Situation verstehen und tolerieren. Auf der gegenüberliegenden Seite sah sie Peter, der sie im selben Augenblick entdeckte und ihr dies auch signalisierte. Sofort begann es überall, im ganzen Körper zu kribbeln. Ihre Hände wurden eiskalt und feucht. Ihre Beine fühlten sich wie Gummi an und ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Peter kam ihr entgegen und begrüßte sie mit seinem umwerfenden Lächeln. Seine Zähne waren gerade und hatten leichte Verfärbungen, aber unter anderen Umständen wären sie alle weiß gewesen, denn er achtete sehr auf sein Äußeres. So wie auch jetzt an seiner Kleidung zu sehen war. Adelgard war es schon peinlich, dass ihre einzige Ausgehkleidung aussah als wäre es von der Heilsarmee. Doch aus irgendeinem Grund ließ es ihm kalt, als sie sich für ihr Aussehen entschuldigte. Er lächelte immer noch und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Kaum hatten sie seine Lippen ganz leicht berührt, spürte sie wie ihr das Blut in den Kopf schoss. Es war so wunderschön, seine Lippen waren so zart wie Rosenblätter. Peter schaute sie an und seine Augen leuchteten in einem Schokoladenbraun auf. „Wo wollen wir hingehen?“, fragte er Adelgard. „Wir könnten zum Stadtweiher gehen, was denkst du?“ „Oh ja. Da ist es ruhig und wir können uns dort auf die Wiese setzten.“ Adelgard lächelte zustimmend und sie gingen los. Nach wenigen Metern hatte sie das Gefühl, dass ihr Herz stehen blieb. Denn Peter nahm ihre Hand und verschränke seine Finger mit ihren. Das war die erste zarte Berührung die sie bei einer Verabredung erlebt hatte. In der Kriegszeit war es schwer, sich gehen zu lassen und nette Männer zu finden. Sie war immer noch unberührt und sie wünschte sich sehr, diese Erfahrung noch machen zu dürfen. Immer hin war Krieg und die Zeit schien knapp zu sein. Denn die feindlichen Truppen rückten näher und näher. Niemand wusste wann sie die Seelower Höhen erreichen würden und so galt es, als junge Frau keine Zeit zu verlieren. Nach einem kurzen Fußweg kamen sie an dem kleinen Weiher an. Er ließ sie die ganze Zeit nicht einmal los. Ihr nächstes Ziel war eine Bank, denn es war einfach zu kalt um auf dem Boden zu sitzen. Adelgard war so nervös. Und als Peter auch noch seinen Arm, wie selbstverständlich, um sie legte, verkrampfte sie sich. „Was ist los? Ist dir sehr kalt? Willst du meinen Mantel haben?“ „Nein Peter, ich bin nur noch nie so mit einem Mann zusammen gewesen.“ „Oh …“, Peter nahm seinen Arm von ihren Schultern, doch Adelgard griff so schnell sie konnte danach und legte ihn wieder um sich. „Es ist schön, ich bin nur etwas nervös.“ „Aber hattest du noch nie einen Freund?“ Betrübt sah sie zu Boden. Ihr Gesicht brannte. Nun wurde ihr das Gespräch etwas peinlich und niemals hätte sie damit gerechnet, was Peter nun tat. Er schob seine freie Hand unter ihr Kinn, hob es zärtlich hoch und kam mit seinen Lippen näher. Sie errötete noch mehr und zog sich nach dem Kuss sanft zurück. Plötzlich wurde es neblig. So neblig, dass man kaum noch etwas sah. Sie konnten nicht einmal den Weiher sehen, obwohl er nur knapp zehn Meter entfernt war. Nach wenigen Minuten des Staunens hörten beide Geräusche und als sie zu Peter sah, erschrak sie so sehr, dass ihr ein Schrei entfloh. Noch während ihre Stimme die Angst ausdrückte, sah sie im dichten Nebel einen Schatten. Kein menschlicher Schatten. Es sah mehr nach einem riesigen Vogel aus und genau das war es. Ein riesiger rotfarbender Vogel. Ein Phönix. Adelgard traute ihren Augen nicht. Dieser große Feuervogel kam auf sie zu geflogen. Er wollte sich vor ihr setzten. Verzweifelt aus Angst riss sie an Peter, der bewegungslos neben ihr saß. Er sah aus wie Tod. Keinerlei menschliche Regung war an ihm auszumachen. Es war so als hätte der Phönix ihn zu Stein erstarren lassen. "Peter!", schrie sie verzweifelt und zerrte weiter an ihn. Der Vogel setzte zur Landung an und landete vor ihren Füßen. Aus Angst er könne sie verbrennen, zog sie ihre Beine auf die Bank und setzte ihr Gesäß auf die Kante der Lehne. Peter war immer noch steif wie eine Statue. Der Phönix sah sie durchdringend an und plötzlich ohne eine Vorwarnung entstand eine Stichflamme. Nun gab es für Adelgard kein Halten mehr. Sie versuchte Peter von der Bank zu zerren um ihn vor den Flammen zu retten, aber sie war zu schwach. Das Flammeninferno des Vogels loderte noch einmal bedrohlich auf und sie rannte so schnell sie konnte. Ohne Peter! Sie hatte Tränen in den Augen, wollte Hilfe holen und als sie an eines der näheren Häuser kam, knallte es hinter ihr so laut, das sie vor Schreck die Hände auf ihre Ohren legte. Kurz darauf ging die Alarmsirene los, die einen Luftangriff ankündigte. Adelgard wandte sich zum Weiher und konnte nichts anderes mehr tun als schreien. Dort wo sie eben noch ihre Verabredung vor den Flammen des Phönix‘ retten wollte, prangte ein riesiger Krater. Sie schrie, wollte zurück. Doch die Bewohnerin des Hauses, wo sie noch eben Hilfe holen wollte, packte sie und zog sie in den Schutzkeller. Adelgard konnte nicht mehr klar denken. Die ganze Zeit des Luftangriffs schwieg sie und dachte an Peter. An Peter und den Vogel, der sicher keiner war. Sie ließ die alten Leute nicht an sich heran. Sie wollte allein sein, auch in diesem kleinen Schutzkeller. Die restliche Kriegszeit blieb sie in dem Keller, die Familie nahm sie herzensgut auf und drängte sie niemals. Zu nichts.
Historischer Ort: Seelower Höhen
Zuletzt von Isabeau Colvin am Di 05 Okt 2010, 12:14 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet |
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 | Thema: Rosalie - Kleine Liebeselfe Sa 02 Okt 2010, 00:19 | |
| Rosalie - Kleine Liebeselfe
Leandra die kleine Elfe saß mit ihrer besten Freundin Aurelia auf einem Stein hinter dem königlichen Palast. Gemeinsam beobachteten sie den See auf dem einige Boote unterwegs waren. Es war wenig Wind und das Wasser kräuselte sich leicht an den Booten. Menschen sonnten sich an den Decks und ließen ihre Angelruten ins Wasser hängen, in der Hoffnung auf einen guten Fang. Die kleine Elfenwelt von Leandra und Aurelia liegt in einer Zwischenebene. Nur selten zeigt sich das Elfenvolk irgendwelchen Menschen. Nur denjenigen, bei denen sie sicher sein können das ihr Geheimnis gewahrt ist. Obwohl es gerade in der Gegend um den Palast häufig unter den Menschen zu Spekulationen kommt. Es ist nicht jede Elfe immer vorsichtig genug. Diese Spekulationen führten schon zu vielen Märchen und Geschichten rund um die Elfenwelt. Bei den meisten kugelte es Leandra meist vor Lachen wenn sie wieder neue Märchen hörte, wobei in den letzten Jahrhunderten auch viele Sagen entstanden, welche doch immer ein Fünkchen Wahrheit ins sich trugen. Umso mehr Spaß machte es den beiden jedoch die Menschenwelt zu beobachten. So wie auch heute.Plötzlich lachte Aurelia auf. „Der da vorne, auf dem roten Boot ist schon den dritten Tag in Folge auf dem See, ohne etwas zu fangen.“ Leandra grinste breit. "Meinst du so viel Ausdauer sollte mal belohnt werden?" Aurelia schaut zu Leandra und nickte grinsend. Dann konzentrierte sich nur auf den Mann im roten Boot. Dabei schloss sie ein wenig die Augen. Einen kurzen Moment später fing die Angelschnur an zu zippen und ziehen. Der Mann war so überrascht das er erst einmal nichts tat. Aber dann mit großer Begeisterung und lauter Anfeuerung zog der Mann in dem roten Boot einen Fisch aus dem Wasser. Leandra fing an zu kichern. "Oh das ist aber ein fettes Ding, was da an der Angel zappelt. Da warst du jetzt aber sehr großzügig mit dem Mann!" Einige der Elfen hatten spezielle Gaben oder eigentlich eher Mittel ihre Aufgaben zu bewältigen. Aurelia durfte Glück verteilen, sie machte das sehr gut und weise. Sie war sowieso eine sehr besonnene und überlegte kleine Elfe, was wohl auch der Grund war, wieso Sie diese Aufgabe erhalten hatte. Manchmal, so wie auch heute, schubste sie den Glück ein wenig in die richtige Richtung. "Du hast es so gut mit deiner Aufgabe!", seufze Leandra. "Wieso denn das?" "Na du verteilst Glück und machst damit Leute fröhlich, gutgelaunt und manchmal tröstet es sie!" traurig sah sie ihre Freundin an. Diese schaute fragend zurück. Sie verstand nicht ganz, worauf Leandra hinaus wollte. "Und das sagt ausgerechnet du, welche die schönste Aufgabe besitzt, die einer von uns überhaupt bekommen konnte? " Leandra verzog das Gesicht zu einer Grimasse. "Wollen Wir tauschen?" Aurelia lachte auf . "Neeee ne, du bist da viel besser drin Leute zu verkuppeln." "Ich verkupple niemanden. Ich muss bloß Amor etwas unter die Arme greifen. Die Engel mit Pfeil und Bogen sind einfach auch nicht mehr was sie mal waren." Nun musste sie doch selbst über ihre Worte grinsen. Sie war dafür zuständig, Lebewesen, und vor allem Menschen, die füreinander bestimmt waren, und es nicht auf die Reihe bekamen, sich zu finden, etwas zu unterstützen. Sie schüttelte den Kopf, als sie an das letzte Menschen Paar dachte. Mit den beiden war sie bis zu Stonehenge gereist, die zwei Stunden nördlich von dem kleinen Dorf lagen, in welchem die beiden lebten. Nicht weit vom Elfenpalast entfernt. Sie hatte gehofft, dass die starke Magie, welche diesen Ort umgab, würde sie bei ihrem Auftrag unterstützen. Der Geologe Peter war ein schlanker Kerl gewesen. Mit verwuscheltem dunklem Haar und leider manchmal genauso verwuscheltem Kopf. Völlig liebenswert, aber zum Leid von Anna nicht unbedingt jemand, der begriff, was sie eigentlich wirklich von ihm wollte. Anna hatte es lange versucht und kurz bevor sie es aufgeben wollte, kam Leandra ins Spiel. Sie hatte es erst wie gewohnt mit kleinen Zeichen und Hinweisen versucht, aber Peter war so ein Chaot, der merkte so mal gar nichts. Als eines Morgens Anna traurig am See saß, entschloss sich Leandra schärfere Geschütz aufzufahren. Sie tat etwas, was sie bis dahin noch nie getan hatte: Sie zeigte sich Anna. Es brauchte Leandra viel Überwindung sich sichtbar zu machen. Sie mochte Menschen. Aber dennoch, sie hatte Angst vor Annas Reaktion. Sie war ja noch nie so direkt mit jemandem konfrontiert worden. Leandras Sorgen waren aber komplett umsonst. Anna hatte sich zwar erst etwas erschrocken, als Leandra vorsichtig hinter der aufstehenden Eichenwurzel hervorkam und sich dasnn langsam neben sie setzte, aber ihre Neugierde war dann doch stärker als ihre Angst. „Was bist du?“ fragte Anna leise und ungläubig. Eigentlich kannte sie die Antwort auf diese Frage. Verdutzt rieb sie sich die Augen. Leandra war wie alle Elfen an einem Menschen gemessen nicht sehr groß. Sie überragten, wenn denn überhaupt gerade mal den Fußknöchel. Also so groß oder klein wie eine Handfläche. „Ich bin Leandra und ihr nennt unsereins Elfen oder Feen.“, sanft und zugleich nervös lächelte sie Anna an. Die beiden verstanden sich auf Anhieb und Leandra war überzeugt das richtige getan zu haben, indem sie sich Anna gezeigt hatte. Nach der ersten Unsicherheit strahlte Anna wieder viel mehr Fröhlichkeit aus. Sie erzählte ihr noch mal von Anfang an wie sie Peter kennen gelernt hatte und sie sich aber einfach nicht getraute klarer zu werden. Alle Hinweise und Zeichen sah Peter nicht. Leandra kannte die Vorgeschichte der beiden zwar schon, aber sie merkte, wie es Anna gut tat, endlich jemanden davon zu erzählen. Sie erklärte Anna, wieso sie hier war und auch die kleine Elfe taute jetzt so richtig auf. Zu zweit war ein neuer Schlachtplan relativ schnell ausgeheckt. Jetzt mussten die beiden, diesen nur noch umsetzen. Wobei die kleine Elfe auch sehr auf etwas, na ja sagen wir mal, übersinnliche Hilfe hoffte. Aber was war für eine Elfe schon übersinnlich. Anna die nebenbei für eine kleine Regionalzeitung arbeitete, sollte Peter vorgeben eine Reportage über die Stonehenge und ihre Geschichte, sowie geologischen Gegebenheiten schreiben zu wollen. Sie sollte Peter um Mithilfe bitten. Und was war dann naheliegender als das ganze vor Ort auf sich wirken zu lassen und die Magie von Stonehenge mithelfen zu lassen. Schlussendlich war es doch einfacher als gedacht. Anna "entführte" Peter so zusagen zu den Stonehenge und der Sonnenuntergang und welche Geister auch immer öffneten Peter endlich die Augen. Durch diesen wunderschönen Sonnenuntergang waren Anna und Peter wie verzaubert. Alles war so romantisch und Anna war endlich glücklich. Nächsten Monat sollte schon geheiratet werden. Leandra hatte Anna versprochen dabei zu sein. Sie hatte sich sehr darüber gefreut, dass sich ihre neue Freundin dies von ihr gewünscht hatte. Auch wenn sie versteckt hinter der Orgel sitzen musste, um von anderen Menschen nicht gesehen zu werden. Es war eine wunderschöne Hochzeit.
Wenn Leandra so über diese Geschichte nach dachte, fand sie ihre Aufgabe eigentlich auch ganz schön und wusste, dass sie sich insgeheim einfach nur wünschte, sie würde "ES" auch endlich erleben. Anderen zu ihrem Liebesglück zu verhelfen war ja schön, aber sie wäre gerne auch einfach glücklich gewesen. Einfach abends nicht immer alleine in ihr kleines Häuschen unter dem Kastanienbaum zurück zu kehren oder jemanden zu Hause zu haben, der nur auf sie wartete.
"Erde an Leandra.", wild fuchtelte Aurelia mit der Hand vor ihrem Gesicht herrum. "Hörst du mir überhaupt noch zu?" "Was? Sorry war gerade in Gedanken", leicht schüttelte Leandra den Kopf um sich wieder ganz in die Gegenwart zu bringen. "Ob du heute Abend bei uns Essen willst? Ein entfernter Cousin von Malvin kommt zu Besuch. Felix heißt er. Er wohnt ganz im Norden und die beiden haben sich schon ewig nicht mehr gesehen und wenn du auch kommen würdest wäre ich wenigstens nicht so alleine, wenn die zwei über alte Zeiten reden. Wo ich eh nichts beizutragen habe." Bittend sah Aurelia ihre Freundin an. Diese lachte auf . "Na gut bei dem Blick kann man dir ja nichts abschlagen. Wann soll ich da sein?" "Super! Wusste doch du lässt mich nicht im Stich! So gegen acht?" Aurelia erdrückte ihre Freundin fast vor Dankbarkeit.
Kurz vor acht stand Leandra vor Aurelias Tür und klingelte. Wie immer wenn sie bei ihrer Freundin zum Essen eingeladen war, hatte sie noch einen Zitronenkuchen gebacken. Ihre Freundin mochte den so gerne. Sie hörte im Haus Aurelia irgend wem was zurufen und kurz darauf ging die Tür auf. Sie schaute in zwei wundervolle Himmelblaue Augen. "Achtung, lass den Kuchen nicht fallen!" Eine samtige Stimme riss sie von dem Anblick weg. Erst jetzt merkte sie das der Kuchen bedenklich schwankte, den sie noch auf ihrer Hand balancierte. Ihr gegenüber nahm ihn ihr ab. "Du musst Leandra sein! Hi ich bin Felix!", erzählte ihr gegenüber. "Ich bringe den schon mal in die Küche!" Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, drehte sich Felix um und lief mit dem Kuchen davon. Verdutzt und verträumt sah ihm Leandra nach. Diese Augen, diese Stimme, sollte es wirklich sein, das auch sie ihr Gegenstück endlich finden sollte? Sie würde das an diesem Abend Amor überlassen und hoffen das er dieses eine mal nicht daneben schoss....
Zuletzt von Isabeau Colvin am Di 05 Okt 2010, 12:12 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet |
|  | | Isabeau

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 | Thema: Schenny - Brocéliande Sa 02 Okt 2010, 00:20 | |
| Schenny - Brocéliande„Charlotte! Peter! Kommt endlich, verdammt! Wie lang wollt ihr noch in den Wald hinein starren?“, dröhnte die wütende und entnervte Stimme meiner Mutter zu uns durch. „Komm schon, Charlotte“, seufzte mein großer Bruder genervt und zupfte an meinem Pullover, um mich dazu zu bewegen, mit ihm mitzukommen. „Aber da war etwas! Es … es war … ich weiß nicht, was es war, aber es hat sich bewegt, ich habe es doch gesehen“, beteuerte ich, fest davon überzeugt etwas gesehen zu haben und zeigte in den dichten Wald hinein. Hinter mir stöhnte Peter nur genervt auf und schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. „Wir sind nicht mehr in Paris, hier gibt es Tiere, das war bestimmt nur ein Kaninchen oder so“, erklärte er mir, worauf ich ihn strahlend und mit großen Augen ansah. „Ein Kaninchen?“, fragte ich erstaunt und lachte dann glücklich, während ich auf und ab hüpfte. Ich hatte noch nie ein echtes Kaninchen gesehen! „Habe ich Kaninchen gesagt? Ich meinte … ähm … Ratte … könnte zumindest sein“, verbesserte er sich jedoch schnell, was mich ängstlich zusammen zucken und näher an ihn heran treten ließ. „Hat Mama nicht gesagt, wir sollen zu ihr kommen?“, fragte ich und spielte nervös mit meinen Fingern herum. Mit einem zufriedenen Lächeln drehte Peter sich daraufhin um und führte mich das kurze Stück aus dem Wald hinaus und hinüber zu unserem neuen Haus. Nachdem Papa in den Himmel gegangen war, hat Mama mir und Peter erzählt, dass wir umziehen würden. Und zwar nach Paimpont in der Bretagne. Erst hatte ich Angst davor, weil doch all meine Freunde in Paris wohnten und ich nicht so weit weg gehen wollte, aber Peter hatte mir erklärt, dass Papa hier besser auf uns aufpassen könne, weil hier viel weniger Menschen wohnten, weshalb ich jetzt auch ganz glücklich darüber war, dass wir umgezogen waren. Ich wollte, dass Papa uns beschützte. Außerdem hatte mir Peter auch noch ganz tolle Dinge über diesen Wald erzählt, der genau an unser neues Haus grenzte. Es war ein Zauberwald mit dem Namen Brocéliande und es waren viele fantastische Gestalten in ihm zu finden. Nein, nicht nur Kaninchen, Peter hat gemeint, es gebe hier auch Zauberer und Elfen und Feen und ganz viele andere tolle Dinge! Er meinte sogar, dass Merlin hier gewesen war. Nicht irgendein Merlin, der Merlin! Der Merlin, der zaubern konnte! Eigentlich hatte ich mir, bevor wir herkamen, vorgenommen, ganz oft in diesen Wald zu gehen und alles zu erkunden, aber Mama hatte es mir verboten, wie sie mir eigentlich alles in letzter Zeit verbot … Und Peter hatte wirklich schnell neue Freunde gefunden, sodass er mittlerweile kaum noch Zeit für mich hatte. Nicht einmal Mama kümmerte sich noch richtig um mich, sie arbeitete die ganze Zeit nur noch von zu Hause aus und saß stumm in ihrem Arbeitszimmer. Alles war so anders geworden … schlechter … viel schlechter … und die anderen Kinder in meiner Klasse hielten mich für verrückt! Sie meinten, dass es keine Zauberer gebe und schon gar nicht in diesem Wald, aber Peter hatte mich doch nicht angelogen! Das würde er nie tun. Er war bisher immer ehrlich zu mir und das würde er doch auch weiterhin bleiben. Aber selbst wenn er log … ich war allein und hatte niemandem zum Spielen und niemanden, mit dem ich lachen konnte. In der Schule wurde viel gelacht, fast jeder konnte lachen, ich wiederum konnte nur allein auf meiner Bank sitzen, an meinem Pausenbrot knabbern und den anderen dabei zusehen, wie sie ihren Spaß hatten. Springseil springen, Ball spielen … alles, was ich auch gern tun würde, mich ließ nur niemand mitmachen. Zu Hause machte ich dann meine Hausaufgaben und spielte danach mit meinen Spielzeugen, die während des Umzuges radikal gekürzt wurden, sodass mir nur noch ein paar meiner Lieblingsspielzeuge geblieben waren. Wie mir von allem anderen auch, was ich zuvor besessen hatte, nur noch so unfassbar wenig geblieben war… Aber heute könnte alles anders werden! Ich hatte mir nämlich vorgenommen, endlich zu beweisen, dass Peter mich nicht angelogen haben konnte, was die Erzählungen über den Wald betrafen. Er hatte nicht gelogen und das war auch alles nicht nur eine Geschichte, die man kleinen Kindern erzählte! Ich war nämlich schon groß! Und weil ich schon groß war, konnte ich auch allein in diesen Wald gehen! Und sowieso, wenn Peter recht hatte, dann waren nur freundliche Geschöpfe dort, die mir nie etwas antun könnten. Und was das Verbot anging … natürlich nagte das schlechte Gewissen an mir, ziemlich stark sogar … sie war meine Mami und ich wollte nichts tun, was sie ärgern könnte, aber ich war einfach viel zu neugierig. Das Rascheln der Bäume konnte ich hören, wenn ich in meinem Zimmer saß und es war als würde der Wald nach mir rufen. Als wollte er, dass ich zu ihm ging und all die Geheimnisse entdeckte, die so viele nicht glauben wollten. Ich war acht Jahre alt und wollte unendlich viele Sachen entdecken. Am liebsten würde ich jeden Tag in den Wald gehen und jede einzelne Stelle erkunden, anstatt hier in meinem Zimmer eingesperrt zu sein. Einen Tag konnte man sich dem schon fügen, oder? Und Mama musste davon ja nichts erfahren. Voller Tatendrang packte ich also meinen kleinen, pinken Rucksack mit einer Flasche Orangensaft und einem Butterbrot. „Ich gehe raus, spielen“, informierte ich meine Mutter, die nur abwesend nickte. Geknickt stiefelte ich los, in Richtung Wald. Von Mama hatte ich mir zumindest erhofft, dass sie dieses Mal irgendetwas sagen würde … Wo war meine liebe Mama hin? Die so oft mit mir gespielt hatte? Na ja, zumindest würde sie so nie erfahren, wo ich hingehen wollte … auch wenn ich es mir fast wünschte. Wie dem auch sei, das alles war vergessen, als ich zum Waldrand tapste und wieder etwas sah, was sich dort bewegte. Zuerst erinnerte ich mich an die Worte von Peter, dass Ratten dort seien, aber das war keine Ratte! Ratten waren doch nicht rosa! Mein Herz schlug mit einem Mal so viel schneller als zuvor und ich rannte in den Wald, dorthin wo ich das kleine rosa Etwas gesehen hatte. Doch hinter dem kleinen Felsen war überhaupt nichts, außer ekligem, grünem und schleimigem Moos. Enttäuscht sah ich mich um, es würde doch irgendwo sein müssen … oder hatte ich mir das alles etwa nur eingebildet? Das konnte doch nicht sein! Plötzlich hörte ich aber ein glockenhelles Gekicher hinter mir und ich wirbelte sofort herum, wo ich ein winziges rosa Menschlein zu sehen bekam, welches hinter einem Baum hervor lugte. Mit weit aufgerissenen Augen und einem offen stehenden Mund, sah ich sie fassungslos an. „Was … was bist du?“, fragte ich und meine Mundwinkel verzogen sich zu einem breiten Grinsen. Ich wusste doch, dass Peter nicht gelogen haben konnte! „Dir auch einen schönen guten Tag, Charlotte“, kicherte sie, kam hinter dem Baum hervor und stieß sich vom Boden ab, um sich mit ihren kleinen violetten Flügeln in der Luft zu halten. Sie konnte fliegen! Wie ein Vogel! Wie gern würde ich das auch können … einfach davon fliegen. „Ich bin Emma und wie du siehst, eine Fee“, lächelte sie freudig und deutete an sich herunter. „Emma? Du heißt ja wie meine beste Freundin aus Paris! Und woher kennst du denn meinen Namen? Und eine Fee? Eine echte Fee? Das ist ja unfassbar“, lachte ich aufgeregt und glücklich und drehte mich im Kreis. „Ich wusste, dass alles wahr ist“, rief ich erfreut. „Hey, nicht alles auf einmal“, kicherte Emma leise. „Ja, ich bin eine echte Fee, sonst hätte ich ja kaum Flügel, oder?“, fragte sie lächelnd. „Und deinen Namen kenne ich, weil du doch meine beste Freundin bist! Ich habe sonst niemanden mehr und als du hergezogen bist, wusste ich, dass wir dazu bestimmt sind, beste Freundinnen zu sein“, grinste sie und auch ich musste grinsen. Endlich hatte ich hier eine Freundin gefunden, die mit mir spielen würde und dann war sie auch noch eine richtige Fee. Eine Fee, die fliegen konnte! „Das klingt toll“, sagte ich aufgeregt. „Du musst mir unbedingt ganz viel über das hier alles erzählen! Stimmt es, was Peter gesagt hat? War Merlin, der Zauberer, hier?“, fragte ich neugierig und folgte Emma weiter in den Wald hinein. „Aber natürlich war er hier. Ich habe ihn selbst noch kennengelernt“, erzählte sie freudig. „Er hat sich hier in eine von uns verliebt. Sie hieß Viviane … König Artus war auch hier, aber das ist doch jetzt egal, wir haben den ganzen Wald für uns, was willst du machen?“, fragte sie mich aufgeregt, erhob sich in die Lüfte und drehte sich ein paar Mal wie eine Ballerina im Kreis. „Ich weiß nicht“, antwortete ich, erschlagen von den vielen Möglichkeiten, die so ein Wald bieten konnte. „Lass uns auf ein paar Bäume klettern“, schlug ich vor und rannte zu einem Baum, der sich gut zum Klettern eignete, um sogleich die vielen Äste empor zu steigen. Emma kam gleich hinterher und schwebte neben mir, als ich auf einem der stärkeren Äste meinen Platz fand. „Ich finde Wälder toll“, lächelte ich und ließ meine Füße im Wind baumeln. Lange hatte ich mich nicht mehr so frei gefühlt … so frei und sorglos. Und niemand verbot mir hier etwas. „Und du hast noch gar nicht alles gesehen! Glaub mir, hier gibt es noch viele tolle Seen und die ganzen Tiere“, erklärte mir Emma mit einem Glitzern in den Augen. „Rehe, Kaninchen, Füchse … aber man muss leise sein, um sie zu sehen, meistens rennen sie weg“, kicherte sie und ließ sich auch auf einem dünnen Ast nieder. „Kannst du mir das alles zeigen? Bei meinem alten zu Hause gab es das alles nicht … und meine Mama verbietet mir eigentlich hier zu sein, aber ich möchte das alles trotzdem sehen!“ Erwartungsvoll sah ich Emma an, ich konnte nur hoffen, dass sie mir alles zeigen würde. Die ganzen tollen, magischen Orte wollte ich unbedingt sehen und ich wusste nicht, wann ich noch einmal die Chance bekäme hier her zu kommen. Hoffentlich bemerkte Mama diesen kleinen Ausflug nicht … obwohl … wenn ich erzählte, dass ich Emma kennengelernt hatte … sie wäre bestimmt begeistert! Genau wie Peter auch! „Ich würde dir gern alles zeigen. Aber heute schaffen wir bestimmt nicht mehr alles. Zwar ist der Wald über die Jahre viel kleiner geworden, aber trotzdem ist er noch zu groß, um alles zu erkunden. Ein anderes Mal können wir aber weiter machen, wenn du wieder her kommen darfst“, entgegnete sie enthusiastisch und ich nickte eifrig. Auch wenn ich am liebsten heute schon alles hätte sehen wollen, verstand ich auch, warum es nicht ging. „Kann ich dann heute einen See sehen? Das würde ich wirklich liebend gern“, fragte ich hoffnungsvoll, worauf Emma nickte. „Es gibt einen in der Nähe, ich zeig ihn dir“, lächelte sie und ich kletterte wieder von dem Baum hinunter, um mit Emma zu dem See zu gehen. Ich freute mich schon riesig und mein Herz schien zu flattern, wie die Flügel eines Schmetterlings. Nach wenigen Minuten erreichten wir schon einen wunderschönen See, an dessen Ufern Wildblumen wuchsen, die in allen möglichen Farben blühten. Es war wie das Paradies. Hoffentlich sah Papa mich jetzt. Peter hatte ja gesagt, er könne uns hier besser beschützen, weil weniger Menschen da waren. Hier waren noch viel weniger Menschen, das hieß, im Moment müsste er mich noch viel besser sehen können. Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen schaute ich gen Himmel. Durch die Baumkronen fielen ein paar Sonnenstrahlen und ich stellte mir vor, dass Papa mich dadurch sehen konnte. „Ich wünschte, er wäre jetzt hier“, lächelte ich sehnsüchtig, aber glücklich und setzte mich auf den Boden. Emma ließ sich neben mir nieder. „Dein Papa ist jetzt bestimmt hier. Wir können ihn nur nicht sehen“, sagte sie überzeugt von dem, was sie sagte, was mein Lächeln nur noch breiter werden ließ. „Ich glaube auch“, entgegnete ich. „Ihm gefällt es hier ganz bestimmt“, vermutete ich. Papa mochte alles, was bunt und lustig war und genau dieser Ort würde zu ihm passen. „Charlotte! … Charlotte! Wo bist du?!“, hörte ich plötzlich die Stimme meines Bruders aus dem Wald heraus. Erschrocken fuhr ich zusammen und sah zu Emma. „Das ist Peter“, erklärte ich ihr und stand schnell auf, um wieder in den Wald zu laufen, von wo wir hergekommen waren. Emma setzte sich bei mir auf die Schulter und ich musste grinsen. Es war schön eine Freundin zu haben. „Charlotte!“, rief Peter ein weiteres Mal. Hoffentlich machte er sich keine Sorgen. „Peter?“, rief ich ihm entgegen und lief in die Richtung, aus der ich seine Stimme vernommen hatte. „Ich bin hier!“ Nach kurzer Zeit, kam Peter in Sichtweite und er seufzte erleichtert auf. „Wieso, um Gottes Willen, bist du in diesen verdammten Wald gegangen? Alleine!“, fragte er mich wütend, worauf ich eingeschüchtert meine Schultern hoch zog. „Ich war doch gar nicht allein“, widersprach ich kleinlaut. „Emma war doch bei mir“, deutete ich auf meine rechte Schulter, von der aus sie mich anlächelte. „Wer ist denn jetzt wieder Emma?“, fragte er, sichtlich genervt. Verwirrt sah ich zunächst ihn an und dann wieder Emma, die nach wie vor auf meiner Schulter saß und mich genauso verwirrt ansah. „Aber sie sitzt doch genau hier! Da, sie ist eine Fee und sie heißt Emma, ich habe sie vorhin hier getroffen und wir sind jetzt beste Freundinnen“, erklärte ich ihm stolz und hielt Emma meine Hand hin, damit sie darauf steigen konnte, was sie dann auch tat. „Siehst du sie denn nicht?“, fragte ich wieder und hielt sie ihm auf der flachen Hand entgegen. Emma lächelte die ganze Zeit über und wollte sich Peter sogar vorstellen, dieser jedoch sah mich an, als würde er mich nun auch für verrückt halten. „Charlotte, höre endlich auf mit den Spielchen, da ist niemand“, entgegnete er und verdrehte die Augen. „Und schon gar keine Fee! Das war doch nur ein Märchen, was ich dir erzählt habe, damit du dich hier halbwegs wohl fühlst.“ „Aber … aber …“, wollte ich ihm widersprechen, doch fehlten mir die Worte. Sie stand doch genau da, wie konnte er sie nicht sehen? „Vielleicht können mich ja nur ein paar Leute sehen“, vermutete Emma nachdenklich. „Vielleicht kannst auch nur du mich sehen … es lagen Zauber auf diesem Wald, die verhinderten, dass normale Menschen uns finden … vielleicht wirken sie ja immer noch und nur ganz besondere Menschen, wie du, können mich sehen“, fuhr sie fort und nun war wieder ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht zu finden. „Das muss es sein“, antwortete ich, stolz darauf, dass ich offensichtlich etwas Besonderes war. „Was muss es sein?“, fragte mich nun Peter, der mich an meinem Arm mit sich zog. „Na das, was Emma gesagt hat“, erklärte ich. „Aber du kannst sie nicht sehen oder hören, weil du nicht so besonders bist, weißt du?“, fragte ich freudig und hielt mit Peter mühsam Schritt, damit er mich nicht die ganze Zeit so ziehen musste. „Oder weil es diese Emma nicht gibt“, murmelte er vor sich hin und brachte mich zum Waldrand. Kurz bevor wir den Wald verließen, verabschiedeten sich Emma und ich voneinander, da sie mir erklärte, dass sie lieber im Wald bliebe, weil sie sich dort zu Hause fühle und dass sie sich freuen würde, wenn ich sie bald wieder besuchte. Als ich ihr jedoch antwortete, stöhnte Peter nur wieder genervt auf und brachte mich endgültig aus dem Wald. „Hör mir zu, Charlotte! Es gibt diese Emma nicht! Es gibt auch keine Feen in diesem Wald, das habe ich mir ausgedacht … jetzt höre auf dort hinein zu gehen und mit nicht existierenden Möchtegern-Feen zu sprechen“, fuhr mich Peter an, was mir die Tränen in die Augen trieb. „Emma gibt es sehr wohl und sie ist meine beste Freundin hier, also lass sie gefälligst in Ruhe“, entgegnete ich trotzig und lief zum Haus. Emma gab es! Ich hatte sie gesehen und ich konnte doch nichts dafür, wenn Peter nicht so etwas Besonderes war, wie ich! ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Link zum Ort: http://de.wikipedia.org/wiki/Broc%C3%A9liande |
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