Nach zwei schönen Tagen in Hamburg, sind mir nun auf dem Weg weiter nach Norden. Nord-Osten, um genau zu sein. Immer noch. Denn der Zug hat uns nach über zweistündiger Reise in Oldenburg wieder ausgespuckt. Nun fahren wir Bus. Ja, die Reise ist weit vom kleinen Saarland, über Hamburg bis nach Heiligenhafen, aber ich bin mir sicher, sie lohnt sich.
Schatzi grummelt etwas neben mir und justiert sein iPhone neu. Ich bin zu aufgeregt, um weiter in meinem Buch zu lesen. Unruhig sehe ich hinaus. Die Landschaft ist hier so ganz anders, als Zuhause. Alles ist so flach und ein wenig vermisse ich die heimatlichen Berge – nun ja, wohl eher Hügel – jetzt schon. Aber hier ist das Meer. Vielleicht ist es Einbildung, aber die Luft riecht hier im Norden ganz anders. Weniger nach Wald und Erde, mehr nach Salz und Wasser.
Aufgeregt haue ich Schatzi in die Seite, als wir das Ortsschild passieren.
„Wir sind da. Wir sind da.“
Er verdreht die Augen, aber das ist mir egal. Ich rutsche nervös und voller Vorfreude auf meinem Sitz herum. Wenn man sich so lange kennt und doch nicht kennt, dann kann einen alles erwarten.
Als die Stimme im Bus unsere Station ankündigt, bin ich auch schon auf den Beinen und schiebe meinen Koffer und mich zur Tür, während mein Freund ganz in Ruhe, die Kopfhörer auf aus den Ohren nimmt, sie samt Handy wegpackt und mir dann langsam folgt. Als der Bus anhält muss ich meine Aufregung erst einmal hinten anstellen, um nicht umzufallen. Vorsichtig wuchte ich mein Gepäck aus dem Fahrzeug und versuche dabei nicht umzufallen. Es scheint nicht viel los zu sein. Außer uns steigt nur noch ein älteres Ehepaar aus. Dann braust der Bus davon.
„Hättest du nicht so viel mitgenommen“, zieht mich Schatzi auf und streckt sich nach der langen Reise ausgiebig.
„Ja ich weiß ja, aber ich konnte mich nicht entscheiden“, sage ich und tue es im gleich.
„Das ist ja nun auch nichts Neues. Und wie finden wir nun deine Freundin?“
„Sie wollte hierher kommen, hat sie gesagt, als ich sie vorhin im Bus angerufen hab.“
„Weißt du wie sie aussieht?“
„Sie hatte mir ein Foto geschickt.“
„Und ihr hab euch auch genau hier verabredet?“
Etwas unsicher sehe ich mich um.
„Ich glaube schon.“
„Glaubst du oder weißt du?“
„Ach nerv mich nicht. Wir werden uns schon finden.“
Mein Blick sucht nochmal die Umgebung ab und trifft sich mit dem, einer Frau, die auf der anderen Straßenseite auf einem großen Parkplatz steht und ebenso unsicher ausschaut wie ich.
„Da ist sie.“
„Bist du sicher?“
„Ja.“ Ich lächle der Frau zu und sie erwidert mein Lächeln.
Schnell nehmen wir unser Gepäck und eilen auf die andere Seite.
Die Frau kommt uns entgegen.
„Lisa?“, frage ich vorsichtig.
Sie strahlt. „Ja. Hallo Annie.“
Für einen Moment überlege ich, ob ich ihr die Hand reichen soll, dann aber übermannt mich meine sentimentale Ader und ich umarme sie. Ist nicht meine Art und weiß manche Menschen mögen das nicht, aber ich verlasse mich auf mein Gefühl, dass mir sagt, es sei in Ordnung. Manchmal kennt man sich, auch wenn man sich nicht kennt.
Sie erwidert den leichten Druck meiner Umarmung.
„Schön, dass ihr da seid.“
Meinem Freund reicht sie die Hand.
„Hallo. Peter“, stellt er sich vor.
„Na, dann kommt mal mit“, fordert uns Lisa auf. „Ich fahre euch am besten zuerst zu eurer Unterkunft, damit ihr die Koffer los seid. Was wollt ihr dann machen?“
„Ans Meer!“, sagen Schatzi und ich wie aus einem Mund.
„Ok“, lacht Lisa. „Das ist eindeutig. Wir können einen schönen Spaziergang machen und dann was Essen gehen.“
„Klingt gut“, sage ich, während wir gemeinsam unsere Koffer einladen.
„Setz du dich nur vorne hin“, schubst mein Freund mich unauffällig zur Beifahrertür, während Lisa auf dem Fahrersitz Platz nimmt.
Wir steigen ein und Lisa startet den Wagen. Als sie sich umsieht, um die Parklücke zu verlassen, treffen sich unsere Blicke. Wir lächeln uns erneut an und nun weiß ich sicher, dass sich die weite Reise gelohnt hat.
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Marion Cotillard