
Für Alle, die das geschriebene Wort lieben |
|
| | Nessie & Jake - Zwischen den Welten | |
| | Autor | Nachricht |
|---|
Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Nessie & Jake - Zwischen den Welten So 31 Jul 2011, 23:06 | |
| Originalwerk: Twilight, New Moon, Eclipse, Breaking Dawn von Stephenie Meyer Einige Charaktere habe ich beigesteuert: -Christopher, Ranjan, Leigthon, Regina, Wyatt und Dexter (Halbvampire von Joham erschaffen) -Luke, Lucas, Maria und Jóse Mendozza, Madame Cassandra (Mitglieder des Wanderzirkus) -Gideon, Celeste, Melinda, Lance (Schüler und Lehrer der Forks High School) -Ryan, Peter und Joshua (Kinder von Rachel und Paul, bzw. Sam und Emily) -Waneta, Kiowan, Wynona (Makah-Indianer)
Nessie und Jake - Zwischen den Welten
Diese Geschichte spielt im Jahre 2025, siebzehn Jahre nachdem Edward und Bella, mit den Cullens und Jake, Forks den Rücken gekehrt hatten. Renesmee kommt zurück in ihre Geburtsstadt – an ihrer Seite natürlich Jake. Vieles hat sich verändert, aber nicht alles. Alte und neue Feinde, jede Menge Aufregungen und so manche Überraschung warten auf die beiden. Denn nichts im Leben geschieht ohne Grund.
Zuletzt von Melek am So 14 Aug 2011, 16:45 bearbeitet, insgesamt 4 mal bearbeitet |
|  | | Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Re: Nessie & Jake - Zwischen den Welten So 31 Jul 2011, 23:11 | |
| Wer bin ich?
Nessie
Wer bin ich? Das ist eine richtig gute Frage. Mein Name ist Renesmee Carlie Cullen, geboren wurde ich am 10. September 2006 in Forks, Washington. Demnach werde ich bald meinen neunzehnten Geburtstag feiern dürfen, doch rein äußerlich gehe ich eher als sechzehn oder siebzehn durch. Ich unterscheide mich kaum von meinen Mitschülern in der hiesigen High-School. Ich bin eine von ihnen und doch auch wieder nicht. Wie definiert man sich also selbst? Nach dem Äußeren, wie diese Modepüppchen, die ihr ganzes Leben lang fürchten nicht mehr attraktiv zu sein, und mit dem ersten grauen Haar gleich schreiend zum Friseur rennen? Nach der Familie, die bei mir zugegebenermaßen die Rahmen aller Konventionen sprengt? Nach der Herkunft, oder Heimat? Ich bin in meinem Leben schon dreimal umgezogen, und damit meine ich nicht von einer Kleinstadt in die nächste. Ich bin von Amerika nach Europa und dann wieder zurück nach Kanada gezogen - jetzt kehre ich wieder in meine Geburtsstadt, dort wo ich meine Wurzeln habe. Ich kann mir diese Frage also nicht ausreichend beantworten. Ich weiß nur dass ich eines nicht bin – normal!
Jake
Tja, auf diese Frage stelle ich erst mal eine Gegenfrage. Wer glaubt ihr denn zu sein? Der nächste Albert Einstein, oder Britney Spears, oder Michael Schumacher, etwa? Seht ihr? Verdammt schwere Frage! Ich könnte mal versuchen mich zu beschreiben. Mein Name ist Jacob Black. Ich bin von Sternzeichen Skorpion; also Achtung ich bin ungeduldig, rechthaberisch und nachtragend, aber man kann mit mir Pferde stehlen und ich hab einen gewaltigen Dickschädel, der mir schon das eine oder andere Mal den Arsch gerettet hat. Geboren wurde ich im verregneten Forks, im Bundesstaat Washington, im November 1989. Den Tag könnt ihr euch aussuchen; ich feiere meinen Geburtstag nämlich nicht mehr - nicht seit ich eine Freundin habe, die nicht mehr älter wird. Ja, ist schon eine komische Sache. Um euch nun komplett zu verwirren: Ich laufe die meiste Zeit auf allen Vieren durch die Gegend. Aber das wisst ihr sicherlich alles schon, hab ich Recht?
Nessie
Während der gesamten Fahrt vom Flughafen nach Forks beobachtete ich sie - wie sie sich anlächelten und immer wieder die Hände ineinander verschränkten - meine Eltern. Ich hingegen saß auf der Rückbank und versuchte mich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren, denn ein solches Geturtel war nur zu ertragen, wenn man selbst jemanden zum anschmachten hatte. Mein Freund Jake war bestimmt schon angekommen. Er wollte um nichts in der Welt auf seine Harley verzichten und lieferte sich ein kleines Wettrennen mit Edward. Sie taten sein Verhalten als typisch für ihn und Emmett ab, die sich beide in ihrem ungestümen Wesen sehr ähnelten. Ich habe mich auf Diskussionen gar nicht erst eingelassen, obwohl mir mit Sicherheit nichts zugestoßen wäre. Aber so sind Eltern nun mal. Zudem wollte ich jede Sekunde mit ihnen genießen, denn ich würde ohne die beiden hierbleiben. Es war stockdunkel als wir die Straße zu Opa Charlies Haus entlangfuhren. Vor dem Haus stand schon erwartungsgemäß die Harley meines Freundes und der Geländewagen von Billy. Mit zwei Koffern und einem Rucksack in den Händen stiegen wir die Treppen zur Tür empor, dort warteten - mit Tränchen in den Augen - Charlie und Sue. „Kommt rein, bevor euch noch jemand sieht“, begrüßte uns Opa. „Keine Angst, es ist keiner in der Nähe. Glaub mir“, entgegnete Edward und reichte ihm die Hand. „Schön, dich wiederzusehen, Charlie.“ Mit diesen Worten fielen die beiden sich in die Arme. Oma Sue umarmte erst mich, dann Bella. Aus dem Wohnzimmer rollte Billy in seinem Rollstuhl zu uns, hinter ihm kam er – Jake. Ich sah in seine dunklen Augen, die eine solche Wärme ausstrahlten und mich verlässlich in ihren Bann zogen. Wie selbstverständlich lief ich zu ihm und küsste ihn. Wir hatten uns nur ein paar Stunden nicht gesehen, doch ich konnte mich nicht zurückhalten. Ein gemeinschaftliches Räuspern riss uns aus unserer süßen Begrüßung. Ich warf einen Blick über Jakes Schulter und sah Seth, der unschlüssig neben dem Sofa stand. Er nickte mir freundlich zu und ich strahlte ihn an. „Seth, ich freu mich!“, rief ich begeistert. Ich löste mich von Jake und ging auf ihn zu. Etwas zögerlich umarmten wir uns. Seth hatte sich kaum verändert, seit ich ihn das letzte Mal gesehen hatte. Das Gesicht hatte die jugendlichen Züge zwar verloren, doch er war noch immer ein drahtiger, groß gewachsener Quileute Indianer, mit schulterlangen pechschwarzen Haaren und Kraft wie ein Bulldozer. Ich war diesen Griff ja schon gewohnt, doch Sue schien sich dessen nicht so sicher zu sein, denn sie rief leicht panisch: „Seth, du zerdrückst sie ja.“ Sein schallendes Lachen ließ mich an seiner Seite ebenfalls vibrieren, so konnte ich gar nicht anders als mit zulachen. Wir machten es uns auf dem Sofa bequem und tauschten Neuigkeiten aus. Bella saß neben Charlie und strahlte wie die aufgehende Morgensonne; sie hatte ihn wirklich vermisst. Charlie, der mittlerweile graue Schläfen bekommen hatte und etwas rundlicher geworden war, sah aus als fühlte er sich mit einem Mal zehn Jahre jünger. Ich dachte an unseren Abschied damals zurück. Ich sah sein schmerzerfülltes Gesicht, als er sich mir gegenüber trotzdem tapfer ein Lächeln abgerungen hatte. Schon damals konnte er mir nichts vormachen. Obwohl ich erst knapp zwei Jahre alt war, erinnerte ich mich an jede Kleinigkeit und ich sah uns wieder vereint hier sitzen, so wie eben jetzt gerade.
Die Nacht war schon weit fortgeschritten, als Jake und Billy sich verabschiedeten. Edward sah Jake mit ernstem Blick tief in die Augen. Jake, der bereits wusste was nun kommen würde, verdrehte die Augen. „Mach dir keine Sorgen, ich pass schon auf sie auf. Indianerehrenwort!“ Er hob seine rechte Hand, um seine Worte zu verdeutlichen. Edward lächelte schief und drückte Billys Hand zum Abschied. Etwas später brachten wir meine Sachen in mein Zimmer. Das Bett stand noch an der gleichen Stelle, doch die Pferdebettwäsche war verschwunden. Auf dem Schreibtisch, unter der Dachgaube, stand ein Laptop mit Drucker. Daneben stand in einer Vase ein Strauß wunderschöner Wiesenblumen. Bella half mir meine Kleidung in den Holzschrank zu verstauen und nach einer Weile setzte sie sich seufzend auf das Bett. „Was ist?“, wollte ich wissen, als ich meine Unterwäsche in die unterste Kommodenschublade legte. Sie nickte leicht verlegen und sagte dann: „Es kommt mir vor wie damals, als ich hierhergekommen bin.“ Sie schaute sich im Zimmer um und lachte immer wieder auf, als ihr wieder ein Gedanke an damals durch den Kopf ging. Ganz offensichtlich hatte auch Charlie den ganzen Abend an die Zeit damals zurück gedacht, denn Edward musste sich des Öfteren ein wissendes Lächeln verkneifen.
Bella erhob sich und lief zum Schreibtisch, um den Laptop einzuschalten. Als dieser arbeitsbereit war, öffnete sie den Live Messenger und meldete mich an. Sie wählte eine mir gut bekannte Adresse und ein paar Sekunden später sah ich Carlisles Gesicht auf dem Bildschirm, Esme direkt neben ihm. Beide strahlten über beide Ohren. Edward und Charlie kamen zu uns und Edward erklärte: „Ich hoffe du meldest dich hin und wieder mal bei uns.“ Er fuhr mir langsam über den Rücken; mir lief sofort eine Gänsehaut über den selbigen. Nicht weil ich fror. Nein, es war der Ansturm der Gefühle, der mich übermannte. Der Abschied, der in seinen Worten aufblitzte, machte mir ehrlich zu schaffen. Mein ganzes bisheriges Leben verbrachte ich zusammen mit meiner Familie. Die ersten Jahre musste ich gezwungenermaßen von der Öffentlichkeit unbemerkt aufwachsen. Was bedeutete, ich kannte nur unseren Zirkel und einige der Nomaden, mit denen wir uns, seit jenem schicksalsträchtigen Wintertag vor so langer Zeit, angefreundet hatten. Oma Renée, Opa Charlie, Oma Sue und die Wölfe sah ich nur sehr selten. Die Idee, eine Weile bei meinen Großeltern zu leben, entstand sozusagen gemeinschaftlich. Bella machte sich Sorgen, dass ich keine Freunde haben würde und kein normales soziales Verhalten entwickeln würde. Ich bin, im Gegensatz zu den Anderen, in dieses Leben hineingeboren. Ich hatte kein „normales Leben“ vor meinem Vampir Dasein. Ich schloss die Augen, um mich wieder zu sammeln. „Charlie, alles in Ordnung bei Euch?“, fragte erst Carlisle, dann fügte Esme noch an: „Hast du kürzlich mit Renée gesprochen? Wie geht es ihr?“.
Carlisle hatte Renée all die Jahre über in regelmäßigen Abständen untersucht. Wegen einer Leukämieerkrankung hatte sie eine Knochenmarkspende von mir erhalten, die ihr das Leben gerettet hatte. Beinahe eine Stunde noch unterhielten wir uns via Laptop mit Jasper, Alice, Rose, Emmett, Carlisle und Esme. Mir wurden die Augen schon schwer und ich unterdrückte hin und wieder ein Gähnen. Charlie und Sue wurden ebenfalls müde, so verabschiedeten wir uns und ich machte mich bettfertig. Es war beinahe drei Uhr nachts, als ich einen letzten Blick auf meinen Wecker warf, dann glitt ich in wirre Träume ab.
Jake
Natürlich war ich heilfroh meinen Vater bei guter Gesundheit wiederzusehen. Die Nachricht, Renesmee und ich würden herkommen, hatte ihn regelrecht in Hochstimmung versetzt. Rebecca und Rachel hatten mich natürlich auf dem Laufendem gehalten, und ich bin immer mal wieder kurz bei ihm rein geschneit. Der Abschied war hart für ihn, doch er hatte sich mit Charlie arrangiert: „Bring du mich auf andere Gedanken, dann tu ich das auch.“ Denn wie heißt es so schön - geteiltes Leid ist halbes Leid.
Das Wiedersehen dann war richtig schön kitschig – Sue hatte gekocht und Kuchen gebacken. Seth brachte mich, was das Rudel betraf, auf den aktuellsten Stand und berichtete mir, dass Bradley gerade erst Vater geworden war. Er hat jetzt eine kleine Tochter, namens Noemie. Auf Nachfrage gestand er mir, dass er sein Deckelchen noch nicht gefunden hatte. Dafür habe er auch gar keine Zeit, stellte er ernüchternd fest. Im Reservat hatte er gerade mit den Jungs die Schule renoviert und war auch sonst mehr oder weniger ständig damit beschäftig, den Fortbestand des Reservats zu sichern. Einige der jungen Männer und Frauen machten sich auf den Weg in die Großstädte, und manche Familien sind ganz verschwunden – Alte verstorben und die Kinder weggezogen. Erfreulicherweise ist der nächsten Generation, der nach Seth´s und meiner, das Los des Fiebers erspart geblieben. Ich hoffte, dass das so bleiben würde, auch wenn kurzzeitig wieder Vampire in der Gegend waren. Die Überlegung, Nessie könnte die Veränderung ebenfalls hervorrufen, wollte ich Seth mit Nachdruck verneinen, obwohl ich mir dabei nicht hundertprozentig sicher sein konnte.
Als ich dann zu fortgeschrittener Stunde in meinem alten Jugendbett die Nacht verbrachte, dachte ich an meine Zeit mit Renesmee und den Cullens zurück. Renesmee und ich waren jetzt nun schon so lange zusammen. Meinen Übergang vom großen Bruder zum „Freund“ bemerkten wir beide eigentlich nicht so richtig. Emmett hatte mich darauf aufmerksam gemacht. Ich schmunzelte. Rückwirkend betrachtet, war ich ihm eine Menge schuldig. Wir teilten nicht nur dieselben sportlichen Interessen, sondern stellten nach kurzer Zeit fest, dass wir auch vom Typ her derselbe Schlag waren. Er ist mir ein echter Freund geworden, wobei ich mir das anfangs nie hätte vorstellen können. Tja, der Mensch ist ein Gewohnheitstier – der Wolf wohl auch. Ich konzentrierte mich auf Renesmee. Mit geschlossenen Augen lag ich da und rief mir unseren ersten Kuss wieder in Erinnerung. Ahr, brummte ich. Natürlich freute sich Billy, mich wieder bei sich zu haben, doch offen gestanden wäre ich jetzt liebend gerne woanders gewesen – bei ihr.
Nessie
Ein Surren drang an mein Ohr, ich schlug die Augen auf und es war schon hell. Oh, wie lange habe ich denn geschlafen? Noch bevor ich den Gedanken zu Ende denken konnte, klopfte es an der Tür. „Renesmee, bist du schon wach?“, flüsterte eine tiefe Stimme. „Ja, Opa. Ich komme gleich.“ Mein Blick fiel auf den Wecker. Es war halb sieben. Ich stand auf und ging ins Badezimmer, wusch mich und band meine lange Lockenpracht mit einem Gummi zusammen. Ich zog den Rock und den Cardigan, den mir Tante Alice für heute besorgt hatte, an und ging hinunter in die Küche. Bella, Edward, Oma und Opa warteten schon auf mich. „Guten Morgen, du Langschläfer“, begrüßte mich Dad. „Setz dich, Liebes. Was möchtest du trinken? Tee oder Kaffee?“, fragte mich Oma Sue, die am Herd stand und Rühreier briet. „Tee, bitte.“ Ich setzte mich neben Mom. „Du musst unbedingt Alice ein Bild von dir schicken. Du siehst bezaubernd aus.“ Sie strich mir sanft über die Hand. Es fiel mir immer schwerer sie als meine Mutter zu betrachten. Für mich war sie meine beste Freundin. Und Dad, Edward, ich liebte ihn einfach. Für ihn war ich immer seine kleine Prinzessin. Irgendwann, wohl viel früher als es den beiden lieb war, hatte ich sie bei ihren Vornamen angesprochen, wie die anderen auch. Ich bin mir nicht sicher, ob ihr Euch das vorstellen könnt, wie das ist, wenn man eines Tages feststellen muss, dass man rein äußerlich betrachtet älter sein müsste, als die eigenen Eltern. Es war für mich schon sehr verwirrend und ich bin da hineingewachsen. Wie gesagt: Alles andere als normal.
Nach dem Frühstück standen wir alle an der Tür. Ich verabschiedete mich von Bella und Edward, die wieder nach London abreisen würden. „Drückt Esme und Carlisle von mir, ja?“, bat ich die beiden. „Machen wir. So, nun beeil dich. Sonst kommst du an deinem ersten Tag noch zu spät.“, hetzte Edward und küsste mir auf die Stirn, er konnte es einfach nicht lassen. Auch Opa drückte mich und lächelte mir aufmunternd zu. Und schon war ich auf dem Weg.
Es regnete, wie immer. Ich parkte auf dem Parkplatz und eilte zum Klassenzimmer. Nach einem kurzen Klopfen öffnete ich die Tür. Die Klasse war schon komplett versammelt und die Lehrerin schaute mich überrascht an. „Oh, du musst Renesmee Cullen sein, richtig?“ „Ja, entschuldigen Sie die Verspätung.“ Ich trat ein und reichte ihr meine Papiere. „Ich bin Mrs. Burke. Hier ist dein E-Book. Du kannst dir die letzten Einträge aus dem Schularchiv herunterladen. Aber nicht während des Unterrichts“, ermahnte sie mich mit eindringlichem Blick. Ich nickte mechanisch und versuchte zu lächeln. Ich steuerte die zweite Reihe auf der Fensterseite an, dort war der letzte freie Platz. „Hi, ich bin Melinda Cheney“, streckte mir das freundlich lächelnde Mädchen neben mir die Hand entgegen. „Ich darf euch kurz etwas zu eurer neuen Mitschülerin erzählen. Sie ist die Enkelin vom alten Chief Swan. Ihre Eltern sind letzten Winter bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Jetzt lebt sie in Forks bei ihren Großeltern. Ich hoffe du fühlst dich bald heimisch“, stellte Mrs. Burke mich der Klasse vor. Ich lächelte verlegen und wollte mich am liebsten unter dem Tisch verkriechen. Überrascht schaute mich Melinda an. „Dann sind deine Eltern Bella und Edward Cullen? Ähm, ich meine waren. Oh, wie gedankenlos von mir, entschuldige.“ Sie wirkte peinlich berührt. Ich spürte ihren Puls rasen und die Röte stieg ihr ins Gesicht. „Nein, nein. Schon gut. Ist nicht so schlimm. Das heißt du kanntest sie?“, beruhigte ich sie. „Nein, aber meine Eltern. Sie waren im gleichen Jahrgang. Und mein Opa hat die beiden damals sogar getraut“, erzählt sie aufgeregt. „Ehrlich?“, fragte ich überrascht nach. „Miss Cheney, Miss Cullen? Könnte ich ihre ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen?“, tadelte Mrs. Burke uns. Wir blickten erschrocken nach vorne und grinsten uns wieder an. Hier würde es mir sicher gefallen. Es schien so als hätte ich auch schon eine Freundin gefunden.
Jake
Montagmorgen, zehn nach acht. Ich saß in der Küche und schlurfte Billy´s Bohnenkaffee. Zum Wachwerden war der allerdings nicht gedacht; seit über zwei Stunden war ich schon auf den Beinen, ich konnte einfach nicht ruhig schlafen. Nach meinem Streifzug durch die Gegend kehrte ich mit knurrendem Magen nachhause. Ich hatte mit Seth Kontakt aufgenommen, während ich in Wolfsgestalt umherstreunte (was für ein bescheuertes Wort). Jedenfalls hatte ich mich für halb neun mit ihm an der Schule verabredet; ich wollte mir ein genaueres Bild der Situation im Reservat machen. Ich aß das letzte Stück meines Truthahn Sandwiches und leerte den Kaffee in einem Schluck. Billy schaute mir dabei die ganze Zeit stumm zu und grinste. „Dad, was ist? Du machst mich nervös“, stellte ich ihn zur Rede. „Nichts, lass einem alten Mann die Freude, seinen Sohn voller Stolz beim Frühstück zu zuschauen.“ „Machst du das bei Paul etwa auch immer?“ Paul war zwischenzeitlich mein Schwager, kaum vorstellbar, ich weiß. Er und meine Schwester Rachel hatten mittlerweile zwei Kinder, Ryan und Peter. Meine andere Schwester Rebecca hatte mit ihrem samoanischen Surfer mittlerweile eine Tochter, Betzy war ihr Name. Ich war nun schon dreifacher Onkel und Billy dreifacher Opa. Seine neue Rolle in der Familie machte ihm sichtlich Freude, denn im ganzen Haus hingen die Bilder der Drei. „Jake, mach dich nicht lächerlich. Ich hab dich vermisst, das ist alles.“ Ich knickte ein. Manchmal möchte ich mir am liebsten selbst eine reinhauen. Ich stand auf und umarmte ihn. Er klopfte mir nur auf die Schulter. Sagen brauchte er nichts - ich bin eindeutig der Sohn meines Vaters. Kleinlaut grinste ich ihn an und lief nach draußen, vorbei an der Bildergalerie - das größte Bild war meines.
Ich verwandelte mich im Sprung, froh darüber, mich hier vor niemanden verstecken zu müssen, und lief los. Ich heulte einmal auf und machte mich auf den Weg zur Schule. Seth wartete bereits auf mich. Neben ihm standen Sam, Quil und Embry. Hinter dem Schulgebäude verwandelte ich mich zurück und zog die Short an. Freudig lief ich auf Quil und Embry zu, schlug bei beiden ein und klopfte ihnen kameradschaftlich auf die Schultern. „Mann, Jake. Schön, dass du wieder da bist“, begann Quil. „Echt Alter, wir haben dich vermisst“, pflichtete Embry ihm bei. Sam trat zu mir. Er war sichtlich gealtert; das Lachen, welches er aufsetzte, brachte einige Falten zum Vorschein. Und, oh mein Gott, sehe ich da ein paar graue Haare? „Siehst gut aus, Sam.“ Ich konnte einfach nicht anders. Von oben bis unten betrachtete ich ihn, während ich angestrengt versuchte mein verräterisches Grinsen zu verstecken. Mit abschätzig gestürzten Lippen quittierte er meine kleine Anspielung auf sein Alter, reichte mir aber trotzdem die Hand. „Es war erstaunlich ruhig hier, seid ihr weggegangen seid. Aber ich fürchte das ist jetzt endgültig vorbei. Hmm?“, konterte er. Wir lachten schallend und fielen uns in die Arme. Ja, es war verdammt schön wieder zuhause zu sein. Begeistert führten mich die Jungs durch das Schulgebäude. Naja, Gebäude war wohl etwas übertrieben, aber es zählte immerhin fünf Klassenräume, zwei Toiletten, eine kleine Turnhalle und eine Bibliothek, und war somit das größte Haus im Reservat. Die Dielen wurden erneuert, die Wände erstrahlten in neuer Farbe, und in der Turnhalle wurden gerade die neuen Basketballkörbe montiert. Anerkennend pfeifend nahm ich die Veränderungen in Augenschein.
Im Hinterhof, der sich seit meiner Schulzeit hingegen gar nicht verändert hatte, stellte ich dann eine Frage, die ich lieber hätte nicht stellen sollen. „Habt ihr toll hingekriegt, aber warum sieht der Rest im Reservat so schäbig aus?“ Seth verschränkte die Arme vor der Brust und zog mürrisch die Augenbrauen zusammen. Mein skeptischer Blick fiel auf Sam, der ebenfalls kalkuliert dreinschaute - um es mal vorsichtig auszudrücken. Ich versuchte es bei Quil und Embry. Ihren Gesichtern sah ich an, dass sie mit einer Antwort rangen; sie wechselten einen kurzen Blick und sahen Seth fragend an. Der schien plötzlich gar nicht mehr so kontrolliert und platze damit heraus. „Was denkst du dir eigentlich, hä? Wir reißen uns hier den Arsch auf, opfern Zeit und Nerven und alles was dir dazu einfällt ist: Der Rest sieht schäbig aus?“ Seine Arme zitterten. Oh, oh. Er stand kurz davor die Beherrschung zu verlieren. Doch Sam griff ein, indem er ihn am Arm packte und beruhigend auf ihn einredete. Embry gab mir jedoch zu verstehen, mich dünn zu machen. Ich zuckte unschuldig mit den Schultern, hielt mich aber nicht an seinen Rat. Was zum Teufel sollte das? Diese Erklärung wollte ich jetzt unbedingt hören. „Seth, beruhige Dich! Das hat doch keinen Sinn! Er hat es nicht so gemeint. O.K.?“, hörte ich Sams Versuch, ihn runterzubringen. Seth schnaubte nur, riss sich von ihm los, und rannte davon. Nicht ohne mir noch einen wutentbrannten Blick zu zuwerfen. Als er einige Schritte zwischen sich und uns gebracht hatte, verwandelte er sich und verschwand im Dickicht des Waldes. Ich konnte ihm nur ungläubig hinterher starren.
Nessie
Als ich nach der Schule auf direktem Weg zu Billy und Jake fuhr, fiel mir die eine oder andere Veränderung in Forks auf. Erstens: Das Geschäft von Mr. Newton, der Olympic Outfitters, war zwischenzeitlich geschlossen worden; an den Schaufenstern klebten noch immer die Final Sale Zettel vom Räumungsverkauf. Zweitens: Die Straßen und Häuser im Reservat waren ziemlich heruntergekommen. Grübelnd brachte ich den alten Toyota von Oma Sue vor dem kleinen roten Holzhaus zum stehen und stieg aus. Jake hatte mich bereits erwartet. Schnellen Schrittes lief ich zu ihm und sprang in seine offenen Arme. Obwohl es den ganzen Tag genieselt hatte, trug er kein Hemd, sondern nur seine Jeansshort. Langsam strich ich ihm über die harten Oberarmmuskeln und drückte ihm einen Kuss auf die Brust - er überragte mich ja nur um lächerliche zwanzig Zentimeter. Er gab mir daraufhin einen Kuss auf den Schopf und raunte: „Endlich ein wenig Zeit für uns.“ Ich lachte zustimmend und fragte: „Und was machen wir jetzt?“ „Lass uns an den Strand gehen. Was hältst du davon?“ Er hatte kurz gezögert, ich schaute ihn fragend an. „Billy ist da“, erklärte er mit einer Kopfbewegung Richtung Haus. Er nahm meine Hand und wir rannten zusammen los zum First Beach.
Der Strand war menschenleer. Die einzigen Beobachter waren einige wenige kreischenden Möwen und Seeadler, die ihre Kreise am Ufer zogen, und hin und wieder im Sturzflug auf Fischfang gingen. Die Sonne hielt sich vehement hinter dicken Wolken versteckt, so schlenderten wir gemächlich zu einem der kleinen Wattbecken und setzten uns an den Rand, während unsere Beine im Wasser baumelten. Die ganze Zeit über war er still, und wenn er etwas auf meine Fragen antwortete, war er einsilbig. Ich fasste seine Hand. „Jake, was ist los mit dir? Freust du dich denn gar nicht wieder hier zu sein? Seit Wochen redest du von nichts anderem mehr, und jetzt…?“ Er drehte den Kopf und sah mich an. Er schien seine Worte abzuwägen, also wartete ich. „Ich weiß es nicht“, antwortete er schließlich und zuckte mit den Schultern. „Seth. Er war heute irgendwie komisch.“ Er schaute wieder auf die Wellen, dann fügte er an: „Er hätte mich beinahe angefallen.“ Was? Warum sollte er das tun? Mir blieb der Mund offen stehen, das konnte ich mir kaum vorstellen. „Ach, lass uns von was anderem reden. Wie war dein erster Tag?“, wechselte er schnell das Thema. Mit einem steifen Lachen blickte er mir erwartungsvoll in die Augen. Ich sah seinem Blick jedoch an, dass er mit seinen Gedanken nicht im Reinen war. Er wollte also nicht weiter darüber reden, in Ordnung, aber ich nahm mir vor mein Glück noch mal bei Seth zu versuchen. „Ich war gleich am ersten Tag zu spät“, fing ich an von meinem ersten Eindruck, den ich bei meiner Lehrerin hinterlassen hatte, zu berichten. „Diese Mrs. Burke ist ziemlich streng. Ich habe auch schon jemanden kennengelernt. Melinda, meine Banknachbarin. Sie ist die Enkelin von Pfarrer Weber“, fasste ich den weiteren Tagesverlauf grob zusammen, ließ ihn währenddessen aber nicht aus den Augen. Er spielte gedankenverloren mit einem Stück Alge; fädelte es immer wieder durch seine Finger. „Das ist doch toll“, war sein kläglicher Versuch, begeistert zu klingen. Schluss jetzt damit. „Krieg ich denn gar keinen Kuss heute?“, maulte ich mit gespieltem Missmut. Es funktionierte; seine Augen leuchteten und er legte seinen Arm um mich. Seine weichen warmen Lippen auf meinen war das schönste auf der ganzen Welt. Ich griff in seine rappelkurzen Haare und gab mich völlig dem Moment hin. Nach kurzer Zeit aber bemerkte ich, dass er nicht mehr ganz bei der Sache war. Seine Gedanken kreisten wohl wieder um Seth. Ich musste ganz schnell herausfinden, was da los war, denn ich hatte einen Entschluss gefasst, und der geriet ins Wanken, wenn Jake nicht schleunigst etwas lockerer werden würde.
Jake
Den Abend verbrachten wir bei Charlie und Sue, sie hatten mich zum Essen eingeladen. Sue tischte ihren berühmten Bratfisch auf, mit Süßkartoffeln und Gurkensalat. Zum Nachtisch hatte Charlie Schokoladenpudding gemacht - eigenhändig, wohl bemerkt! Ich löffelte gerade die Reste aus meiner Schüssel, als Sue sich räusperte. Wir schauten auf und sie lächelte uns an. „Ich wollte euch noch etwas sagen.“ Sie blickte uns allen einzeln in die Augen. Was kam denn jetzt? „Morgen Abend trifft sich der Rat. Jake, du und Renesmee ihr solltet auch anwesend sein“, verkündete sie. Ich atmete tief durch und zermalmte den Pudding unsinnigerweise zwischen meinen Zähnen. Ich hätte doch wohl erwarten dürfen, dass ich das entweder von Sam oder Seth persönlich gesagt bekomme. Der Unmut über Seths Anfall von heute Morgen wuchs und nistete sich tief in meine Magengrube, sodass mir schlagartig übel wurde. Ich fühlte mich übergangen und aufs buchstäbliche Abstellgleis gestellt. Ich hoffte der morgige Abend würde etwas Licht hinter Seths seltsames Verhalten bringen, denn heute bot sich leider nicht mehr die Gelegenheit dieses Thema anzuschneiden.
Zuletzt von Melek am Mi 21 Sep 2011, 10:51 bearbeitet, insgesamt 8 mal bearbeitet |
|  | | Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Re: Nessie & Jake - Zwischen den Welten Fr 05 Aug 2011, 16:30 | |
| Ich sehe was, was du nicht siehst.
Nessie
An meinem zweiten Schultag wurde mir die zweifelhafte Ehre zuteil, die heimliche Königin der Schule kennenzulernen. Nachdem ich schon dem Unterricht am Vormittag nur mit einem Ohr zugehört hatte, bemerkte ich sie in der Cafeteria zunächst nicht. Erst als Melinda mich unter dem Tisch in den Oberschenkel knuffte, sah ich auf und folgte ihrem Blick. Da kam sie, flankiert von „Pseudo beste Freundin“ Nummer eins und zwei. Melinda flüsterte mit gesenktem Kopf. „Das ist Celeste Davis. Sie trainiert die Cheerleader und ist zudem noch mit Lance, dem Football-Kapitän, zusammen.“ Obwohl ich nicht viel auf Aufschneiderinnen gab, befasste ich mich nun etwas näher mit ihr. Sie schritt durch die Tischreihen, als gehörte ihr die ganze Welt. Ihre Kleidung war typisch, kurzer Rock, enger Pulli und die obligatorische Teamjacke. Das gelb, die Farbe der Schulmannschaft, war das einzige, was an ihrem Outfit nicht passte. In diesem Moment liefen die drei an unserem Tisch vorbei. Ich bemühte mich unbeteiligt zu wirken, aber es ist mir nicht entgangen, dass Celeste mich abwertend musterte. Melinda verzog den Mund und rollte mit den Augen. Als die Truppe ihren angestammten Tisch erreicht hatte, nahmen sie Platz. Ich bemerkte, dass keine von ihnen ein Tablett mitgenommen hatte, stattdessen holte Celeste aus ihrem Rucksack einen Joghurt Becher und einen Löffel. Bloß kein Gramm Fett zu viel, grinste ich in mich hinein. Sie warf ihre blonden Locken nach hinten und sah mich direkt an, während sie ihren Heidelbeerjoghurt löffelte. Wenn Blicke töten könnten! Ich wandte mich gespielt gelangweilt von ihr ab und flüsterte Melinda zurück: „Sogar der Heidelbeerjoghurt passt zu ihrem Lipgloss.“ Sie schüttelte ungläubig den Kopf. „Ist die immer so mies drauf?“, erkundigte ich mich weiter bei ihr. Melinda schüttelte wieder den Kopf, diesmal mit schelmisch blitzenden Augen. „Nein, ich glaube sie ist eifersüchtig auf dich. Du bist die einzige hier, die hübscher ist als sie selbst“, stellte sie lachend fest. Ich ging bewusst nicht weiter auf ihre Vermutung ein, weil sie schlicht und ergreifend nicht der Wahrheit entsprach. Erleichtert stellte ich fest, dass Celeste nun jemand anderen gefunden hatte, dem ihre Aufmerksamkeit galt - Lance, wie ich vermutete.
Mit dem Klingeln standen wir auf und wollten unsere Tabletts zurückbringen. Dieser Gang führte leider an ihrem Tisch vorbei. Sie hielt mich am Ärmel fest und presste leise zwischen ihren Zähnen hervor: „Nur das du es weißt. Lance gehört mir! Und im Übrigen der ganze Rest.“ Dann grinste sie mich hämisch an. Ich fragte mich unwillkürlich, ob sie das in zehn Jahren immer noch so sehen würde, wenn sie übergewichtig, mit zwei Kinder auf dem Schoß, in ihrer kleinen Bude hocken würde und registrierte, dass Lance sie wegen einer jüngeren verlassen hatte. Wortlos entriss ich mich ihrem Griff und lief weiter.
Jake
Bevor am Abend das Ratstreffen anstand, zog sich mein Tag mit entsetzlichen Grübeleien hin. Ich stand absichtlich spät auf, um Billys Neugier aus dem Weg zu gehen. Er hatte sich schon gefragt, warum ich gestern Abend so offensichtlich schlecht gelaunt gewesen war. Ich beteuerte ihm, dass alles in Ordnung sei und legte mich gleich hin. Ohne Frühstück verzog ich mich am nächsten Morgen in meine Werkstatt und tat so, als würde ich an der Maschine werkeln. Ich konnte mich eh nicht richtig konzentrieren, so räumte ich nur etwas um. Je länger ich aber über die ganze Situation nachdachte, desto schlimmer wurde es. Das ist doch lächerlich! Ich feuerte einen Schraubenschlüssel in die Ecke. Warum sollte ich nicht mit meinen alten Kumpels reden können? Egal was auch immer da zwischen uns stand, waren wir immer noch ein Rudel. Ich schnappte mir mein Bike und fuhr los.
Mein Weg führte mich zu Sam. Der Garten, den Esme und Sue seinerzeit angelegt hatten, blühte und trug reiche Ernte – dunkelrote Himbeeren, mehr als der kleine Joshua überhaupt essen könnte. Karotten, Salate und sonstiges Grünzeug wuchsen in den kleinen Beeten. Mein Blick schweifte über den Vorgarten zur Veranda, zu der kleinen Bank neben der Tür. Dort saß Emily, vor ihr ein Korb mit Gemüse, das sie putze, und strahlte mich über beide Ohren an. „Hey Jake, es ist so schön, dich wieder zu sehen. Lass dich umarmen.“ Ihrer freundlichen Einladung konnte ich natürlich nicht wiederstehen. Sie drückte mich und sah mich dann forschend an. „Du hast dich kaum verändert. Dein zweites Ich scheint dich auf Schritt und Tritt zu begleiten, hab ich Recht?“, zwinkerte sie mir zu. „Wie geht es Renesmee? Erzähl mal!“ Emily war einfach wunderbar. Sie war wie eine Mutter für mich, auch wenn ich ihr das niemals so sagen würde. Sie verstand auf Anhieb, was mit mir los war, noch ehe ich ein Wort gesagt hatte.
Da Sam gerade noch unterwegs war, unterhielt ich mich eine Weile mit ihr. „Seth hat nur Angst“, sagte sie nach einer Weile. Ich schaute sie ungläubig über den Rand meines Glases hinweg an. „Warum sollte er denn Angst haben?“, gerade noch konnte ich den Schluck in die richtige Kehle zwängen. Sie schaute mich mit großen Augen an, als ob ich mit einem Brett vor dem Kopf herumlaufen würde. Und unter uns gesagt; so langsam kam ich mir auch so vor. So schoss ich einfach ins Blaue hinein. „Er hat doch nicht etwa Angst vor mir?“ Ich versuchte die Sache ins Lächerliche zu ziehen, weil die Vorstellung einfach absurd war. „Stell dir die Situation umgekehrt vor“, forderte sie mich auf. „Er fürchtet um seine Stellung! Ganz einfach“, half sie mir auf die Sprünge. Ich stierte in die Bäume, ohne irgendetwas zu erkennen. Glaubte Seth etwa allen Ernstes ich würde ihm die Position des Leitwolfes streitig machen wollen? Er war mein Stellvertreter und jetzt da ich wieder da war, machte er sich scheinbar seine Gedanken. Aber warum kam er damit nicht zu mir? Eine Bewegung am äußersten Rand meines Blickfeldes erregte meine Aufmerksamkeit. Ein hochgewachsener Kerl mit hoher Stirn und pechschwarzen Augen kam auf uns zu. Irritiert sah er mich an. Emily neben mir rief: „Josh, sieh mal wer da ist. Das ist Jake, von dem ich dir schon so viel erzählt habe.“ Mein Blick huschte zwischen ihr und dem jungen Mann hin und her. Ich musste schon ziemlich dämlich dreingeschaut haben, denn Emily prustete vor Lachen und schlug mir auf den Rücken. O.K.. Vergesst, was ich eben über die Himbeeren gesagt habe. Als wir uns gegenüberstanden, und er mir grinsend die Hand zur Begrüßung hinhielt, musste ich sogar den Kopf leicht anheben, um ihm in die Augen blicken zu können.
Nessie
Der Himmel über Port Angeles war wolkenlos, und es war erstaunlich warm. Meine leichte Jacke wollte ich aber trotzdem nicht ausziehen - ich lasse mich nicht gerne anstarren. Nicht das ihr mich falsch versteht; ich hab an meinem Körper nichts auszusetzten. Wirklich nicht. Aber der Umstand, dass ich leicht schimmerte, wenn ich der direkten Sonne ausgesetzt war, machte mich leicht paranoid.
Sue und ich waren gerade in zwei Läden und haben neue Schuhe und einige Klamotten erstanden. Als nächstes mussten wir uns um die Lebensmittel kümmern. Wir steuerten den größten Diskounter an und ich bewaffnete mich mit einem Einkaufswagen. Sue griff zielsicher in die Regale, so war der Wagen bald halbgefüllt. Wir liefen durch die Reihen und unterhielten uns über Belanglosigkeiten. Ich hatte den Eindruck, sie sah in mir die verlorene Tochter. Leah, die schon seit einiger Zeit in Brasilien mit ihrem Freund Nahuel lebte, hatte sie vor Monaten das letzte Mal gesehen, erklärte sie mir. Achselzuckend griff sie nach meinen Lieblings-Frühstücksflocken und legte sie zu den anderen Einkäufen. Währenddessen suchte ich in einem Berg Bananen nach reifen, aber nicht braunen Früchten. Da sah ich einen Mann um die vierzig, der geradewegs auf uns zu kam.
„Sue, hallo. Das ist doch nicht etwa Renesmee?“ Sein Lächeln wirkte übertrieben, er schien sehr nervös zu sein. „Oh, hallo Mike. Ja, das ist sie.“ Sue fasste mich an der Schulter und deutete mit der anderen Hand zu dem Fremden. „Renesmee, das ist Mike Newton.“ Mike Newton? Von ihm hatte ich schon so einiges gehört. Doch ich hatte ihn mir etwas anders vorgestellt, um ehrlich zu sein. Dad´s ehemaliger Nebenbuhler, wie Jake in immer nannte, sah ziemlich mitgenommen aus - Schlabberlock und ungesunde Hautfarbe. Mit weit aufgerissenen Augen nahm er mich in Anschein; ich fühlte mich doch leicht unwohl dabei. „Du siehst deinem Vater sehr ähnlich. Naja, bis auf die Augen. Du hast die Augen deiner Mutter, weißt du?“ Irgendwie kam mir das alles bekannt vor, euch nicht auch? Natürlich wusste ich um meine Ähnlichkeit zu meinen Eltern. Ich stellte mich auf noch mehr Smalltalk und abgedroschene Phrasen ein, doch da verzog Mike plötzlich schmerzverzerrt das Gesicht. Sue hielt ihm stützend am Arm. „Alles in Ordnung mit dir?“, fragte sie mit besorgtem Blick. Mike sah mir unverwandt in die Augen…und dann kam es über mich. Schmerzen, unerträglicher Kummer, eine Autobahnbrücke… und Mike, der über das Geländer kletterte und sich nach kurzem Zögern in die Tiefe stürzte…. Ich suchte Halt an dem Obststand und riss einige der Bananen hinunter. „Nein, geht schon wieder. Danke, Sue“, beteuerte Mike und drehte sich schnell um; ich sah ihn im Augenwinkel wieder verschwinden. Oma Sue drehte sich zu mir und wurde bleich. „Kleines, was hast du denn? Du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen.“ Sie hatte keine Ahnung, wie Recht sie hatte. Sie stütze mich und blickte Mike kurz hinterher. „Ist dir schlecht? Nun rede schon! Du machst mir Angst“, redete sie auf mich ein. Ich rutschte auf den Boden, zog die Knie an meinen Oberkörper und umschlang sie mit meinen Armen. Ich hörte durch das Rauschen in meinen Ohren einen Angestellten des Marktes fragen, was denn nur passiert sei. Ich war immer noch nicht im Stande zu reden, so schüttelte ich nur den Kopf. Die beiden halfen mir auf. Was dann folgte, brachte ich nicht mehr zusammen.
Irgendwann fand ich mich in meinem Bett wieder. Jake saß neben mir und hielt meine Hand; ich wusste es noch ehe ich ihn sah. Mühsam kämpfte ich mich wieder an die Oberfläche - als ich mich bereit fühlte, öffnete ich langsam die Augen. Charlie und Sue standen neben dem Bett, ihre Mienen waren angespannt.
„Na endlich! Nessie, was ist denn passiert?“, fragte Charlie. Ich fasste nach Jake´s Unterarm und er half mir, mich aufzusetzen. Sue hielt mir ein Glas Wasser hin, welches ich in einem Schluck leerte. Ich versuchte mich zu erinnern; wollte den „Vorfall“ rekonstruieren. Einkaufen, Bananen, Mike….Mike! „Mike!“ Ich hatte meine Stimme wiedergefunden. „Was ist mit Mike? Er hatte es plötzlich so eilig und du...“ Sue hielt inne und sah mir tief in die Augen. „Was hast du gesehen?“, wurde sie ernst. „Er.. er hat Schmerzen, das konnte ich deutlich erkennen, unerträgliche Schmerzen. Er will sich umbringen“, wisperte ich kaum verständlich das letzte Wort. Wir saßen am Küchentisch und Sue schenkte uns dampfenden Kaffee in die Tassen. Charlie lief vor der Küchenzeile hin und her, während er mir Fragen über Mike beantwortete. „Den Laden musste er vor zwei Jahren schließen. Mr. Newton war nach einem Schlaganfall pflegebedürftig und Mike und seine Mutter mussten ihn in ein Pflegeheim einweisen. Tja, dann hat ihn vor ungefähr einem Jahr auch noch die Frau verlassen.“ Er schnaubte und fuhr sich mit der Hand durch die ergrauten Haare. Ich versuchte mir ein Bild von Mikes Gemütszustand zu machen, kam aber zu dem Schluss, dass ich es nicht vermochte. Immer wieder rief ich mir sein schmerzerfülltes Gesicht vor Augen. Ich schüttelte den Kopf. „Aber das erklärt nicht seine Schmerzen. Sie müssen heftig sein, wenn sie ihm so sehr zusetzen“, stellte ich nachdenklich fest. „Er redet nicht viel. Ich war erstaunt, dass er heute im Laden so offen auf uns zukam. Ich hatte gehofft, er würde aus seiner Isolation ausbrechen können. Das war wohl ein Irrtum, wenn er…“, fügte Sue an, und schaute betreten aus dem Fenster. „Moment mal. Noch ist gar nichts passiert. Was Nessie gesehen hat war vielleicht eine weit entfernte Zukunft. Oder?“ Er schaute mich fragend an. Ich konnte nur mit den Schultern zucken. „Ich habe keine Ahnung. Ich möchte es auch gar nicht wissen. Ich frage mich, ob wir ihm irgendwie helfen können.“ Ich blickte in drei ratlose Augenpaare. Es blieb uns sowieso keine Zeit mehr weiter darüber nachzudenken, denn wir mussten zum Ratstreffen. Charlie verabschiedete uns.
Jake
Als Sue, Nessie und ich am Strand eintrafen, waren schon alle versammelt und das Lagerfeuer loderte bereits. Ich fühlte mich in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. Meine Gedanken kreisten um jenen Sommer, als Bella und ich dem Rat beiwohnten und Billy und Old Quil uns die alten Legenden erzählten. Ich lächelte unwillkürlich und gleichzeitig versetzte es mir einen kleinen Stich. Etwas hatte sich zu damals verändert. Jemand hatte sich zu damals verändert.
Seth saß neben Billy und Sam, der den Rats Sitz von Old Quil, der leider ins Reich unserer Vorfahren eingegangen ist, übernommen hatte. Sue setze sich zu ihnen. Unschlüssig, wo mein Platz in der Runde war, lief ich an Embry, Quil, Paul und Jared vorbei, Nessie hinter mir herziehend. Die Jungs ruckten zusammen und lächelten uns verlegen an. Uns gegenüber saßen Bradley und Collin, die miteinander tuschelten. Sams Räuspern löste mich aus meiner Starre. Er hatte das erste Wort.
„Freunde, der Grund für das heutige Treffen ist zum einen die Rückkehr unseres hochgeschätzten Bruders Jacob.“ Er deutete in meine Richtung und es wurde kurz applaudiert. Mit Mühe rang ich mir ein Lächeln ab. „Zum anderen muss ich euch über den letzten Stand der Dinge aufklären.“ Einheitliches Schweigen legte sich über die Runde. Was für einen Stand? Und über welche Dinge? Sam bat Jared fortzufahren. Er erhob sich und verschränkte mit bitterer Miene die Arme vor der Brust. „Die letzten Wochen ist der Fang erneut zurückgegangen. Der zu dieser Jahreszeit erwartete Fischschwarm, ist leider erneut ausgeblieben.“ Ein Raunen ging um das Lagerfeuer. Es ging also um die Fischer Quote. Der nun folgenden Diskussion konnte ich nur als stummer Zuhörer folgen. Nach kurzer Zeit wurde mir jedoch der Ernst der Lage klar. Ich hatte mich schon gefragt, warum einige der jungen Burschen das Reservat verlassen hatten. Die meisten der ansässigen Familien waren auf den Fischfang angewiesen. Nur wenige arbeiteten außerhalb des Reservats und konnten so den Lebensstandard halten. Der harte Kern, sprich das Rudel, der Rat und deren Familien, harrten aus und hofften auf eine Entspannung der Lage. Mit einem Mal schämte ich mich meiner Frage, die ich gegenüber den Jungs äußerte. Mit einem Kuss auf Nessie´s Handrücken bat ich sie um Entschuldigung, stand auf und ging zu Seth. „Hör mal, es tut mir leid.“ Schuldbewusst hielt ihm meine Hand entgegen. „Du konntest es ja nicht wissen.“ Er erhob sich und legte seine Hand in meine. „Ich hätte nicht so ausrasten sollen“, fügte er versöhnlich an. Ich musste mir ein Grinsen verkneifen. „Allerdings.“ Wir umarmten uns und die Jungs johlten. Erneut war es Sam, der die Bande zum Schweigen brachte. „Ich möchte euch nun bitten, kurz zuzuhören.“ Wir verstummten, Sam fuhr fort: „Jake ist, meines Wissen, nur vorübergehend hier. Deshalb halten wir es für das Beste, im Sinne des Rudels, das Seth den Rang des Leitwolfes weiter behalten sollte.“ Mir schnürte es kurzzeitig die Kehle ab, obwohl ich mit dieser Entscheidung des Rates gerechnet hatte. Jedem einzelnen, Sam, Billy und Sue blickte ich in die Augen und nickte mechanisch. Ich nahm wieder Platz und verschränkte meine Finger in die meiner Freundin. Sie wusste, dass ich bei ihr Halt suchte, so strich sie mir sanft über meine Hand. Was würde ich nur ohne sie tun? Quil riss mich aus meinen Gedanken, als er mir auf die Schulter klopfte und in mein Ohr flüsterte: „Das heißt aber nicht, dass du nach Seth´s Pfeife tanzt, oder?“ Ich schnaubte verächtlich zur Antwort.
Nessie
Jake war zwar mit der Entscheidung des Rates einverstanden, doch ich konnte ihn mir einfach nicht als Beta Tier vorstellen. Nachdem Sam die Führung voll und ganz in Seth´s Hände (oder Pfoten) gelegt hatte, war Paul in den Rang des Betatiers aufgestiegen. Jake und Paul, das hat Potenzial, meinte Embry mit frechem Kichern. Am Ende des Treffens schienen aber alle mit der Situation zufrieden zu sein. Das Problem mit den ausbleibenden Fischen war natürlich nicht so einfach wegzudiskutieren.
Nachdenklich lag ich zu später Stunde in meinem Bett und dachte wieder an Mike. Das Buch, welches ich mir vorgenommen hatte, brachte leider nicht die gewünschte Ablenkung. Ich stand auf und setzte mich an den Laptop. Ich loggte mich ein und hoffte ein paar Fragen an Carlisle richten zu können. Nach kurzer Zeit waren wir verbunden.
„Nessie, Süße. Kannst du nicht schlafen?“, begrüßte mich Edward. Ich schüttelte den Kopf. „Schön, dich zu sehen. Ist Carlisle in der Nähe?“ Auf diese Frage reagierte er misstrauisch. „Stimmt was nicht? Fühlst du dich nicht gut?“ Ich sah wie er den Kopf drehte und nach Mom rief. „Bella, komm mal bitte. Unsere Tochter fragt nach Carlisle.“ Warum holte er nicht einfach Carlisle, dann könnte ich endlich mein Anliegen äußern? Stattdessen tauchte Bella auf dem Bildschirm auf, ihr Blick war fragend. „Schätzchen, alles in Ordnung bei Euch?“ Ich seufzte. „Kein Grund zur Sorge. Ich wollte Carlisle nur etwas fragen. Ist er da?“ Nach kurzer Zeit kam er dann endlich und ich begann zu erzählen. „Es geht um Mike Newton.“ Sprachlosigkeit. „Es geht ihm nicht so besonders“, fuhr ich fort. Carlisle reagierte als Einziger. „Wie kommst du darauf, Renesmee?“, fragte er. Gute Frage. Ich berichtete von meiner „Eingebung“. Das wiederum rief auch Alice auf den Plan. „Ich könnte ihn mal genauer beobachten, wenn dich das beruhigt. Eventuell kann ich euch bald Genaueres dazu sagen.“ Ich zeigte mich mit einem kurzen Nicken mit ihrem Vorschlag einverstanden. Dennoch wollte ich Carlisles Meinung dazu hören. „Carlisle, er hat starke Schmerzen. Es war sehr offensichtlich, dass er darunter leidet… Er will sich umbringen, fürchte ich.“ Jetzt sah ich betretene ratlose Gesichter. Bella schien geschockt. „Kannst du das Bild des Schmerzes etwas detaillierter beschreiben?“, fragte mich Carlisle nach einer Weile mit ernster Miene. Ich überlegte und versuchte es in Worte zu fassen. „Es sah so aus wie Zahnschmerzen, oder Kopfschmerzen.“ Ich konnte ja schlecht auf ihn zu gehen und fragen -Welche Schmerzen sind so schrecklich, dass Sie an Selbstmord denken?- . Da tauchte Alice wieder auf. „Tut mir leid, aber ich kann noch nichts erkennen, was in diese Richtung geht. Er hat den Entschluss wohl noch nicht gefasst“, ließ sie uns wissen. „Wir hoffen, dass das so bald auch nicht passieren wird“, fügte Carlisle an.
Wir beschlossen, dass es unumgänglich war, noch einmal mit Mike zu reden. Irgendwie. Ich überlegte, ihn mit Charlie und Sue bei Gelegenheit zu besuchen. Wir verabschiedeten uns, und noch ehe ich zehn Sekunden in meinen Kissen lag, schlief ich ein.
Zuletzt von Melek am Mi 21 Sep 2011, 11:04 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet |
|  | | Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Re: Nessie & Jake - Zwischen den Welten Mi 10 Aug 2011, 15:45 | |
| Glücksrad
Jake
Ich konnte lange nicht einschlafen in dieser Nacht. So machte ich mich zu einem nächtlichen Spaziergang auf. Der Mond war beinahe voll und der Himmel war wolkenlos. Die milde Nachtluft kitzelte in meinem Fell. Völlig ziellos zog ich umher, wie lange wusste ich nicht. Als langsam der Morgen dämmerte, lief ich gerade an den steilen Klippen von La Push entlang und bewunderte aufs Neue das einzigartige Farbenspiel, das den Horizont mit einem blassrosa Schleier überzog. Von der reinen Seeluft getragen nahm ich eine mir wohl bekannte Spur auf, der ich neugierig folgte. Dort unten am Strand lief er hin und her, seine gesamte Haltung wirkte gedrückt.
Seth? Was machst du hier um diese Zeit? Jake? Dieselbe Frage könnte ich dir auch stellen., entgegnete er. Touché. Konntest du auch nicht schlafen? Statt zu antworteten fuhr er mit der Schnauze durch den feinen Sand. Doch dann schüttelte er sich. Ich versteh das nicht. Ich meine: Scheinbar sind wir der einzige Stamm hier an der gesamten Bucht, der kaum noch Fische fängt. Ich zog den Kopf zurück und spitze meine Ohren. Ich konnte nicht glauben, was ich da gerade hörte. Was willst du damit sagen? Ich war verwirrt. Ich bin in den letzten Wochen immer wieder mal an der Küste entlang gelaufen. Bis vor einer Woche trieb sich der Schwarm noch vor unseren Grenzen herum, als ob da eine Art unsichtbare Mauer im Wasser schwimmt. Wir spitzen beide dir Ohren, als wir ein Geräusch vernahmen. Es war Jared, der zu uns kam. Hey Jungs, begrüßte er uns. Du hattest Recht, Seth. Die Makah scheinen ebenfalls nicht betroffen. Jared legte sich der Länge nach hin und bettete den Kopf zwischen die Pfoten. Wir taten es ihm gleich. Eine ganze Weile schwiegen wir, dann reckte ich den Kopf. Habt ihr mal mit den Oberhäuptern gesprochen? Sam und Quil haben es einmal versucht. Sie hatten allerdings nur den Eindruck der Schadenfreude bei ihren Gesprächspartner., schnaubte Seth. Mir wurden nun doch langsam die Augen immer schwerer über diese Neuigkeiten, die zu wilden Spekulationen Anlass gaben. Ich verabschiedete mich von den beiden und trottete nach Hause. Schnell duschte ich noch und fiel, mit dem Handtuch um die Hüften, in mein Bett. Ich würde bis spätnachmittags schlafen, war mein letzter Gedanke.
Nessie
Am nächsten Morgen in der dritten Stunde saß ich mit Melinda im Englischunterricht bei Mrs. Burke. Die ließ sich allerdings lange nicht blicken. Während wir warteten schnatterten die meisten über reichlich unspektakuläre Teenager Probleme. Ich hingegen nahm mir den „Spartaner“, die Schülerzeitung, vom Pult und breitete ihn auf meinem Tisch aus. Auf der Titelseite war die erste Schlagzeige in fetten Lettern:
Reporterin gesucht! Du bist schlagfertig, wortgewandt und hast Lust, uns ein bisschen unter die Arme zu greifen? Dann melde dich in der Redaktion, denn wir suchen genau dich.
Daneben zierte die wohlbekannte „We want You“ Figur, mit dem ausgestreckten Zeigefinger und dem überdimensionalen Zylinder, die Anzeige. Melinda schaute mir über den Tisch zu, wie ich die Anzeige studierte. „Hey, hast du Lust? Das wär echt cool, wenn du auch Mitglied der „Spartaner“ werden würdest“, rief sie begeistert. „Du schreibst in der Schülerzeitung?“, richtete ich meine Frage an sie und deutete auf die Anzeige. „Schon seit meinem ersten Jahr hier. Ich bin die stellvertretende Chefredakteurin. Ich würde ein gutes Wort für dich einlegen“, bot sie mir mit stolz geschwellter Brust an. Ich stimmte in ihr breites Grinsen ein, als die Klassenzimmertür aufgerissen wurde. Herein kamen zwei Jungs, die sich ähnelten wie ein Ei dem anderen, gefolgt von Mrs. Burke. „Alle mal herhören. Das sind Luke und Lucas Mendozza. Sie werden für einige Zeit den Unterricht an unserer Schule besuchen – solange der Wanderzirkus Mendozza vor der Stadt kampieren wird. Ihr dürft euch dort vorne einrichten.“ Wow, das war ja mal eine Einführung. Und ich dachte schon sie wäre über mein Eindringen in Ihre Klasse eschauffiert gewesen. Meine Mitschüler schienen meine Ansicht zu teilen, denn es herrschte gespannte Stille in der Klasse. Mrs. Burke fing gleich mit dem Unterricht an – sie teilte uns einen Überraschungstest aus. In der ersten Reihe angekommen flüsterte sie halblaut: „Bin mal gespannt, was ihr so drauf habt.“
Nach fünfundvierzig unerträglich langen Minuten lief ich mit Melinda zum Spanisch Kurs. Die Mendozza-Zwillinge hatten wohl denselben Stundenplan, denn sie saßen wieder vorne in der ersten Reihe. Ich lächelte ihnen freundlich zu, als ich an ihnen vorbeiging. Einen kleinen Augenblick meinte ich, ein Leuchten in ihren Augen zu erahnen.
„Hola, Amigos“, begrüßte uns Mr. Valeska. „Díganos sus nombres.“ Er musterte die beiden. „Mi Nombre es Luke y este es mi hermano Lucas“, antwortete Luke und deutete auf seinen Bruder. „Qué hace usted?“, führte Mr. Valeska seine Befragung fort, atmete jedoch genervt auf, als er in die überwiegend fragenden Gesichter der Klasse sah. „Ich denke wir führen die Einführung in Englisch weiter. Bitte.“ Mit erhobener Hand deutete er diesmal auf Lucas. „Unserer Familie gehört ein kleiner Wanderzirkus. Luke und ich sind die Hochseilartisten. Unser Vater ist der Direktor“, erzählte Lucas mit leichtem Akzent. „A qué tipo de animales tiene usted? Welche Tiere habt ihr in eurem Zirkus?“, fragte Mr. Valeska nach. „Wir haben einen Elefanten und zwei Tiger, außerdem noch Schlangen und mehrere Kaninchen.“ „Maravilloso! Wunderbar!“ Begeistert führte er seinen Unterricht fort.
Nach Unterrichtsschluss begleitete ich Melinda in die Redaktion. Ich wollte mich dort wenigstens einmal umsehen, das konnte ja nicht schaden. Der Raum im Keller der Schule war beinahe leer. In einem Hinterzimmer arbeitet aber noch jemand. „Gideon!“, rief Melinda nach hinten. Es gab einen mächtigen Knall, gefolgt von einem Schwall von Schimpfwörtern. Wir sahen uns verdutzt an und folgten der fluchenden Stimme. Im Hinterzimmer stand ein großer blonder Mann über einem Monster von Kopierer gebeugt und sammelte Kleinteile zusammen. „Wir helfen Ihnen, tut mir echt leid. Ich wollte Sie nicht erschrecken“, beteuerte Melinda. „Ach was, das Ding stand schon die ganze Zeit schief da. Mist!“, fluchte er erneut. „Oh, wer ist das denn?“ Er sah mich erst überrascht an, dann lächelte er freundlich. „Das ist Renesmee Cullen, Mr. Gobbler. Sie möchte sich für die freie Stelle melden“, stellte sie mich ihm vor. „Mr. Gobbler.“ Zögerlich reichte ich ihm meine Hand. Sein Grinsen wurde noch breiter und er stellte sich gerade hin. „Hocherfreut. Nenn mich bitte Gideon. Hast du schon Erfahrungen im Schreiben?“, wollte er wissen. „Um ehrlich zu sein, nein“, gestand ich. Er spitze den Mund, überlegte kurz und sagte: „Dann müssen wir schleunigst herausfinden was du kannst, nicht wahr?“ Er zwängte sich an uns vorbei und kramte nach etwas auf einem der Schreibtische. Ich schaute Melinda skeptisch an, sie dagegen nickte mir aufmunternd zu. Er schien das, was er suchte, gefunden zu haben, denn er reichte mir einen Zettel. Noch bevor ich das Geschriebene lesen konnte, erklärte er mit verschmitztem Grinsen im Gesicht, das ihn sehr viel jünger wirken ließ: „Du hast die reizvolle Aufgabe ein Interview mit den Mendozza-Zwillingen zu führen. Im Stil von „ständig wechselnde Schulen“, „beengtes Wohnen“, oder sowas in der Art. Dir wird schon was einfallen.“ Mit dem letzten Wort legte er seine Hand auf meine Schulter und führte uns hinaus.
Jake
Ein lautes Heulen ließ mich aus dem Bett fallen. Fluchend rappelte ich mich auf. Beim Blick auf die Uhr war ich sofort hellwach und zog mich hektisch an. Es war bereits drei Uhr nachmittags. Zum einen hatte Nessie bald Schluss, zum anderen wollte ich noch mit Billy sprechen. Ich ging schnell ins Bad und lief dann nach draußen, da ich Dad im Haus nirgends entdecken konnte. Am Waldrand tauchten Sam und Paul auf; ich lief ihnen stirnrunzelnd entgegen.
„Jake. Wir treffen uns alle an der Grenze. Billy hat uns gerufen. Er will uns etwas mitteilen.“ Ich blieb erst verdattert stehen, folgte den beiden dann wieder mit schnellen Schritten, um meine brennenden Fragen beantwortet zu bekommen. Was hatte er denn vor? Hatte das etwas mit dem nächtlichen Streifzug von Seth und Jared zu tun? Da fiel mir wieder der Traum ein, aus dem ich eben reichlich unsanft gerissen wurde.
Ich sah jemanden im tiefschwarzen Wald sitzen, ein Rauschen und Flüstern war zu hören. Der Wind trug geisterhafte Schleier durch das Blätterdach. Dann vernahm ich das laute Heulen, welches mich aus dem Bett geworfen hatte.
Ich blinzelte. Mittlerweile waren wir an der äußersten südlichen Grenze unseres Landes angekommen. Das komplette Rudel war anwesend, in seiner Mitte - mein Vater. Die Stimmung hatte etwas Unheimliches. Dad erhob beide Hände und sprach: „Meine Freunde. Ich möchte euch darüber in Kenntnis setzten, dass ich in mich kehren werde. Unsere Vorfahren hatten zu fast allen Zeiten mit Problemen von existenziellem Ausmaß zu kämpfen. Jeder Häuptling hat diesen Weg der Selbstfindung gewählt. Ich vertraue auf die Macht von Mutter Natur und werde mich den Elemente unterwerfen und ausharren, bis mir der Geist von Taha Aki widerfährt. Er wird uns helfen.“
Das meinte er doch nicht etwa im Ernst. Er, der ohne Rollstuhl keinen Meter vorwärts kam, wollte sich im Wald verschanzen, auf Essen und Trinken verzichten und warten, bis ihm ein lebendiger Geist über den Weg laufen würde? Er musste den Verstand verloren haben. Ich kniete mich vor ihm hin und starrte ihn entgeistert an. Mir blieb für einige Sekunden regelrecht die Spucke weg. Meine Hände krallten sich in die Armlehnen seines Rollstuhles. „Du bist verrückt, alter Mann“, brach ich dann hervor, mit einer Wut im Bauch, die unbedingt ins Freie gelassen werden wollte, ohne dass ich Gefahr lief, mich in seiner Nähe zu verwandeln. Doch anstatt auf meine Beleidigung mit einer Ohrfeige oder ähnlichem zu reagieren, lächelte er mich nur an. Ich konnte es nicht glauben. Was wollte er damit beweisen? Was versprach er sich davon? Sam kam zu uns und reichte Dad eine Pfeife. „Es ist also dein voller Ernst?“ Er nahm die Pfeife entgegen und legte mir eine Hand auf das Gesicht. „Hab Vertrauen, mein Sohn.“ Das waren die letzten Worte, die er an mich richtete, bevor er sein hirnrissiges Vorhaben in die Tat umsetzte.
Nessie
Als ich zuhause ankam wunderte ich mich, dass Jake sich noch nicht gemeldet hatte. Wir wollten den Nachmittag an seiner Maschine basteln. Nun, aus diesen Plänen würde ohnehin nichts werden, denn ich hatte ja einen Auftrag, den ich möglichst schnell hinter mich bringen wollte. Oma Sue hatte das Essen bereits fertig, doch ich hatte keinen Appetit - zumindest nicht auf Bohnengemüse mit Speck. Ich nahm mir vor, in der Abenddämmerung einen kleinen Jagdausflug zu unternehmen. Allein bei dem Gedanken daran sammelte sich der Speichel in meinem Mund. Ich schluckte krampfhaft und holte tief Luft, konzentriert darauf, die Nummer von Jakes Handy fehlerfrei einzutippen. Wo steckte er bloß? „Hey, Süße. Bin gleich da?“ Ich verstand ihn kaum zwischen dem lauten Rauschen im Hintergrund. „Wo, um alles in der Welt, steckst du? Und was ist das für ein Rauschen?“, brüllte ich ins Telefon. „Auf dem Weg zu dir. Die Maschine braucht dringend mal eine Überholung, aber das muss jetzt erst mal warten.“ Ich stutze. Als ob er meine Gedanken gelesen hätte. „O.K., das passt mir gut. Ich hab da noch was zu erledigen und ich wäre froh, wenn du mich begleiten würdest.“ Ich hörte das Geräusch plötzlich Stereo. Ich schaute aus dem Fenster und sah ihn die Straße heranbrausen. Das Klacken in der Leitung verriet mir, dass er aufgelegt hatte. Ich schob mein Handy zusammen und legte es wieder in meine Tasche, dann lief ich die Treppen hinunter. Sue kam aus der Küche, um Jake hereinzulassen. „Ich geh schon“, rief ich ihr zu und mit einem kurzen Nicken verschwand sie wieder in der Küche. Ich öffnete die Tür und war geschockt. Jake stand vor mir mit einem Gesicht, wie sieben Tage Regenwetter. Blöder Vergleich, ich weiß. „Jake? Alles in Ordnung mit dir?“ Zu mehr kam ich gar nicht, denn er drückt mich ganz fest an sich. Irgendetwas war doch da im Busch? „Komm, ich brauch frische Luft … und Bewegung. Was dagegen, wenn ich die Harley hierlasse?“, zog er mich praktisch aus dem Haus. Seiner Miene nach zu urteilen hatte ihm irgendwas gehörig die Laune verdorben.
Hinter den Bäumen verwandelte er sich und ich rannte ihm hinterher. Was auch immer der Grund für seinen Energieschub war, ich machte das Beste daraus. Es tat mir gut, mal wieder zu rennen, bis ich kaum noch Luft bekam. Ich war regelrecht im Rausch. So war es nicht verwunderlich, dass ich mich von einer verführerischen Fährte habe anlocken lassen. Jake folgte mir, als er bemerkte, dass ich mich bereits mitten in der Jagd befand. Meine Nase führte mich zu einem etwa einjährigen Reh. Den Wettlauf mit uns hatte es bereits verloren, noch bevor es sich im Sprung an einem von einem Baumstamm abstehenden Ast verfing und strauchelte. Jake riss am linken Hinterlauf und ich nahm mir die pulsierende Ader am Hals vor.
Unregelmäßig tief atmend stand Jake vor mir. Ich bemühte mich den Kadaver mit Ästen und Flechten zu bedecken und wusch mich an einem kleinen Bach. Jake senkte den Kopf und trank neben mir. Aufmerksam musterte ich ihn. Trotz der Jagd wirkte er deprimiert und traurig. Mit der noch nassen Hand fuhr ich ihm durchs Fell; er zitterte am ganzen Leib. „Was ist denn los mit dir?“, flüsterte ich, während ich mich an sein warmes Fell schmiegte. Er schloss die Augen und winselte.
Jake
Nach der Jagd, die ich ebenso wie Nessie dringend nötig gehabt hatte, saßen wir auf einer wunderschönen Wiese; ich hatte mich mittlerweile zurück verwandelt. Um sicheren Halt unter mir zu spüren, legte ich mich auf den Rücken, holte tief Luft und fuhr mit den flachen Händen über das feuchte Gras. „Billy,…er geht in den Wald.“ Unwirsch riss ich einige der Grashalme aus dem Boden. „Was heißt das? - Er geht in den Wald- ?“ Nessie legte sich zu mir und machte es sich in meiner Armbeuge bequem, ich drückt sie sanft an mich. „Er wartet auf eine Erleuchtung, oder so ähnlich. Ich mache mir Sorgen, um ihn und um den gesamten Stamm.“ Meine Stimme war zittrig, und ich kämpfte mit den Tränen. Sie richtete sich wieder auf und strich mir mit ihren zierlichen Fingern die dummen Tränen aus den Augenwinkeln. Sie senkte ihren Kopf und ihre Lippen berührten meine. Ich ließ alles fallen, schloss die Augen und sog ihren Duft in mich auf. Jetzt heulte ich wie ein kleines Baby - ich wusste selbst nicht warum -, doch ich kam mir nicht dämlich vor. In ihrer Gegenwart brauchte ich mich nicht zu verstellen. Sie schenkte mir, als ob sie mir genau das zu zeigen versuchte, ein unglaubliches Lächeln. Ich schlang meine Arme um sie und drehte sie auf den Rücken. Ihre dichten Locken fielen ihr um das Engelsgesicht. Die letzte Strähne, die sich über ihre Augen legte, nahm ich zwischen meine Finger und drehte sie auf. Urplötzlich wandelte sich mein Kummer in ein Brennen, das mich innerlich zu verglühen drohte. Wir blickten uns tief in die Augen bevor wir uns in einem stürmischen Kuss verloren. Ich spürte sie überall auf mir, die Berührung mit ihrer Haut jagte mir wohlige Schauer über den Rücken. Ich nahm dankbar jedes kleine bisschen, das sie mir schenkte. Meine Gedanken waren bereits so vernebelt, dass ich meine Probleme bald vergessen hatte. Von diesem Moment an übernahmen die Instinkte die Führung und wir vereinigten uns zu einem einzigen langen Herzschlag, der uns eins werden ließ mit der Umwelt.
Nessie
Die einsetzende Abenddämmerung brachte kühle Luft über die Lichtung. Doch wir lagen immer noch, so wie Gott uns schuf, in Mitten von unzähligen Wiesenblumen und lauschten dem Herzschlag des Andern. Grillen zirpten und ganz in der Nähe tummelte sich ein Schwarm Glühwürmchen, der die Szenerie in ein geheimnisvoll romantisches Licht tauchte. Ab und zu rieb mir Jake über den Arm und den Rücken, obwohl mir nicht kalt war. Mein Kopf ruhte auf seiner Brust, die sich in regelmäßigen Abständen hob und senkte. Ich stellte mir vor, wie es in seinem Inneren wohl aussah. Billy würde einem alten indianischen Ritual folgen und sich in die Abgeschiedenheit des Waldes begeben, um in sich zu kehren. (Jake musste mir erst erklären, was es damit auf sich hatte.) Die Sorge um seinen Vater, der die Last der Verantwortung für den gesamten Stamm trug, musste ihm sehr zu schaffen machen. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich ihn das letzte Mal habe weinen sehen. Ich stützte das Kinn auf die Hände und sah in sein Gesicht. Ich dachte an meinen Entschluss. Die Umstände hatte ich mir zwar ein klein wenig anders vorgestellt, doch worauf sollte ich warten? Auf eine bessere Gelegenheit? Wir hatten gerade unglaublich tollen Sex und ich sah keinen Grund, es noch länger aufzuschieben. Innerlich wiederholte ich immer wieder die Worte, die seit einiger Zeit in meinem Kopf herumgeisterten, um nicht allzu nervös zu wirken. Leichter gedacht, als getan.
„Jake?“ Meine Stimme hörte sich bei weitem nicht so sicher an, wie ich klingen wollte. Er legte den freien Arm unter den Kopf und schaute mich mit großen Augen an. „Ja?“ Natürlich! Seine Stimme war samtweich wie Watte und ich spürte, wie mir immer heißer wurde. „Ich möchte dich etwas fragen“, begann ich. „Ich finde es ist an der Zeit, dass wir zusammenziehen“, fügte ich schnell an, bevor mich meine Courage wieder im Stich lassen würde. Jetzt hatte ich seine volle Aufmerksamkeit. Er grinste schelmisch und hob eine Augenbraue. „Hhm, an den Gedanken könnte ich mich gewöhnen, jeden Tag so mit dir aufzuwachen.“ In seinen Augen blitze es und sein lüsterner Blick wanderte über meinen ganzen Körper. Er richtete sich auf, zog mich an sich und küsste mich zärtlich. Ich schloss unwillkürlich die Augen, er konnte so wahnsinnig gut küssen. Nessie, drück kurz auf die Bremse, versuchte ich wieder Herr meiner Sinne zu werden. So würde ich nie meine Frage loswerden können. Mit immer noch geschlossenen Augen presste ich meine Hände an seine Brust, um etwas Abstand zwischen uns zu bekommen. Als ich meine Augen wieder öffnete, blickte ich in dunkle funkelnde Augen, die mich zu fragen schienen, was um Himmelswillen jetzt wichtiger sein sollte als dieser Kuss. Ich schluckte und suchte wieder nach meinen schön vorbereiteten Worten. Dann nahm ich allen Mut zusammen und fragte: „Möchtest du mich heiraten, Jacob Black?“ So nun war es raus! Puh! Mein Herz hämmerte gegen die Brust und ließ mich anlaufen, wie eine überreife Tomate. Während ich versuchte meinen Körper wieder auf Normal einzustellen, merkte ich, dass er mir noch nicht geantwortet hatte. Wie viele Sekunden starrte er mich denn jetzt schon so an, mit einem Gesichtsausdruck, den ich schwer einzuordnen vermochte? „Jake?“ „Ja?“ Was ja? Ja, er war anwesend, oder Ja, er möchte mich zu seiner Frau nehmen? Ich verlor gleich den Verstand! Ich packte ihn bei den Schultern und rüttelte ihn, ich wurde langsam richtig sauer. „Hast…Bist….Ich meine,…“, stammelte er. O.K. vielleicht hatte ich ihn etwas zu heftig geschüttelt. Doch dann holte er tief Luft und versuchte mir einen halbwegs vollständigen Satz zu präsentieren, das hoffte ich jedenfalls für ihn. „Ich würde dich liebend gerne heiraten.“ Er schüttelte aber den Kopf dabei - ich war verwirrt. „Aber sollte nicht ich dich das fragen?“ Oh, mein Gott! War mir das peinlich. Ich hatte überhaupt nicht daran gedacht, ob er sich eventuell übergangen fühlen könnte. Mir war wohl jedes gedachte Wort ins Gesicht geschrieben, denn er streichelte mir sanft über die glühenden Wangen und grinste mich schief an. „Wow, du hast es geschafft mich zu überrumpeln, Renesmee Carlie Cullen.“ Er griff meine Hände und schwor: „Ich liebe dich. Ja, ich möchte dein Ehemann werden, dich lieben und ehren, bis ans Ende unserer Tage.“ Mir kullerten die Tränen über die Wangen, doch ich strahlte und fiel ihm um den Hals.
Zuletzt von Melek am Fr 07 Okt 2011, 08:59 bearbeitet, insgesamt 2 mal bearbeitet |
|  | | Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Re: Nessie & Jake - Zwischen den Welten So 14 Aug 2011, 17:01 | |
| Bingo
Nessie
Es war schon spät, als Jake mich nach Hause brachte. Das Veranda Licht brannte, doch ich hoffte Charlie und Sue würden bereits schlafen. Flüsternd standen wir in der Auffahrt, in einer innigen Umarmung, die keiner von uns so recht aufgeben wollte. „Es ist wohl besser, wenn ich nach Hause laufe. Es ist schon spät, sonst verhaftet mich Charlie noch wegen nächtlicher Ruhestörung“, kicherte Jake an mein Ohr. „Hmm“, mehr brachte ich nicht heraus, denn er arbeitete sich gerade mit sanften Küssen an meinem Hals hinunter. Plötzlich musste ich kichern. Er hielt inne, löste sich ein wenig aus unserer Umarmung, und lugte unter seinen dunklen Wimpern hervor. „Was?“, wollte er wissen. „Ich stelle mir gerade Charlies Gesicht vor, wenn ich ihn um die Schlüssel für unser Häuschen bitte“, gluckste ich. „Ich würde mir eher Sorgen wegen Edward machen“, entgegnete er mir spöttisch grinsend. „Es ist ja schließlich sein Liebesnest gewesen.“ „Ach, du kennst ihn doch. Er ist glücklich, wenn ich glücklich bin“, entgegnete ich. Er hielt jetzt meine beiden Hände fest und wurde wieder ernst. „Morgen hab ich eine kleine Überraschung für dich. Ich hol dich von der Schule ab, in Ordnung?“ Ich nickte, doch dann fiel mir wieder ein, dass ich ja noch das Interview mit den Zwillingen führen musste. „Ich hab morgen nach der Schule leider schon etwas vor. Ein Interview für die Schülerzeitung, ich muss zum Zirkus Mendozza. Aber ich schenke dir den Abend, einverstanden?“ Mit einer Mischung aus Bedauern und gespannter Vorfreude schaute ich ihn an. Mein Versprechen schien in milde zu stimmen, denn er verzog nur gespielt mürrisch den Mund und tippte mir auf die Nasenspitze. „Ich hole dich trotzdem ab. Ich komm einfach mit.“ Er beugte sich zu mir herunter und gab mir einen Gute-Nachtkuss.
Ich sah ihm noch nach, als er längst hinter den Bäumen verschwunden war. Mein Blick schweifte über den Nachthimmel und ich genoss das unglaubliche Gefühl; ein Gefühl, dass ich kaum beschreiben konnte. Jake und ich würden heiraten.
Kaum hatte ich die Haustür hinter mir geschlossen, stand Charlie hinter mir. Ich drehte mich langsam um und sah in sein leicht säuerliches Gesicht. „Nessie, du weißt ich lass dir alle Freiheiten. Aber bitte sag wenigsten Bescheid, wenn du länger aus bleibst“, ratterte er seinen Vortrag herunter. Ich schaute beschämt zu Boden, um ihm dann meinen unschlagbaren Augenaufschlag zukommen zu lassen - er wirkte verlässlich, wie immer. Charlies Gesichtszüge entspannten sich wieder und er vergrub die Hände noch tiefer in seinem Morgenmantel. „Geh jetzt schlafen, morgen ist Schule.“ Ich nickte brav und gab ihm ein Küsschen auf die Wange.
Jake
Das war vielleicht ein Tag. Ich saß noch eine geraume Zeit an den Klippen von La Push und dachte über die vergangenen Stunden nach. Der Mond war beinahe voll. Sein helles Licht drängte sich durch die vereinzelten dicken Wolken, die wie stumme Zeugen unbewegt über der Bucht hingen. Die See war ruhig, der herrliche Sommertag bettete sich sanft auf der seichten Wasseroberfläche, um dann aufs Neue die Sonne, die bald über den Horizont klettern würde, zu begrüßen. Ich atmete die salzige Luft tief ein. Mein Schädel kam mir vor, wie eine riesige Hartplastikkugeln - eine, wie sie beim Bingo zum Ziehen der Zahlen verwendet wird. Unzählige kleinere Kugeln kreisten und donnerten gegen die inneren Wände, um durch das Loch nach draußen zu finden. Jede dieser Kugeln stand für einen meiner Gedanken. Es war reines Glücksspiel, welcher Gedanke den Weg aus diesem Chaos finden würde.
Plong! Es war Billy. Er saß gerade jetzt da draußen auf einem Felsen, weitab von Telefon, Toilette und vom jämmerlichen Rest der Zivilisation. Ich schloss die Augen und sah sein faltiges Gesicht vor mir. Sein Blick war fest, er blinzelte nicht einmal. Ich sollte jetzt an seiner Stelle sein. Er hatte mich nicht mit einbezogen. Er wusste wohl, dass ich versucht hätte, ihm diese Idee auszureden. Vermutlich hätte ich ihn in seinem Zimmer angebunden, bevor er sein Vorhaben in die Tat hätte umsetzten können. Ich seufzte. Eine kleine Brise trug diesen Gedanken über die nächtliche See. Ich schüttelte den Kopf und setzte damit die kleinen Kugeln wieder in Gang.
Plong! Nessie. Ich musste einfach lächeln. Wie sie mich vorhin, wie vom Donner gerührt, angeschaut hatte. Sie hatte mich einfach eiskalt erwischt. Wir kannten uns nun schon so lange und es war klar, dass wir irgendwann heiraten würden. Doch gerade jetzt gab sie sich als siebzehnjährige High-School-Schülerin aus, die bei ihren Großeltern lebt, da ihre Eltern bei einem tragischen Autounfall aus dem Leben geschieden waren - welch ein Irrsinn. Andererseits mussten wir niemandem Rechenschaft ablegen, wir lebten in unserer eigenen Welt. Einer Welt zwischen den Welten. Ich als gefährlicher Wolf im Schafspelz, sie als blutrünstiges Monster im Körper einer Porzellanpuppe. Nun, bei dieser Darstellung kamen wir beide nicht gut weg, aber genau das waren wir nach der landläufigen Meinung.
Mein nächster Gedanke/Bingo Ball zeigte sie mir in einem umwerfenden weißen Kleid aus fließendem Stoff, ihre Haarpracht locker hochgesteckt und mit rosigen Wangen, wie sie auf mich zu schritt. Mir liefen abertausende Ameisen den Rücken rauf und runter, bildlich gesprochen. Kurz aber kräftig strich ich mir über die Arme, um die Gänsehaut wieder los zu werden.
Ich bekam plötzlich Hunger; mein Magen knurrte, beinahe so laut wie ich in Wolfsgestalt. Langsam erhob ich mich, streckte die müden Glieder und fuhr mir mit den Händen über die kurzen Haare. Die Morgensonne tauchte den Horizont in milchig trübes Licht, welches sich auf den Schaumkronen hier und da widerspiegelte. Die Möwen zogen wieder mit Gekreische ihre Kreise über den Strand. Es waren aber deutlich weniger, als ich das aus früheren Tagen gewohnt war. Keine Fische, keine Möwen - ganz einfach. Ich wollte nach Hause, aber mir wurde bei dem Gedanken an das verlassene Haus ganz elend. Ich beschloss Rachel und Paul einen Besuch abzustatten, um mich kurzerhand zum Frühstück einzuladen.
Nessie
Am nächsten Morgen saßen wir alle recht schweigsam am Frühstückstisch. Ich schob meine Cornflakes in der Milch hin und her und lauschte dem Geräusch der Tageszeitung, die Charlie hin und wieder umblätterte. Jeder von uns hing seinen Gedanken nach. Charlie wusste natürlich um die Mission seines alten Freundes Billy. Seine Stirn lag in Falten, immer wieder schüttelte er den Kopf und versuchte sich wieder dem Artikel zu widmen, den er schon seit einiger Zeit überlas, ohne den Sinn zu ergreifen. Sue trank ihren Kräutertee und sammelte Brotkrümmen von der Tischdecke und strich diese wieder glatt. Das Klingeln der Haustür durchbrach die drückende Stille. Ich stand auf und eilte zur Tür - es war Seth.
„Guten Morgen, Nessie.“ Er umarmte mich kurz und lief in die Küche. Er kam gerade von der Patrouille; das Rudel durfte Billy zwar in seiner Abgeschiedenheit nicht stören, dennoch liefen sie in Schichten dicht genug in seiner Gegend, um ihm sofort zu Hilfe eilen zu können. Er gönnte sich jetzt aber keine Ruhepause; er wollte heute mit Sam und Sue zur Quileute Seafood Company, um sich mit den Fischern zu besprechen, und vor allem um ihnen Mut zu zusprechen. Mehr konnten sie momentan nicht tun.
Ich verabschiedete mich und machte mich auf den Weg zur Schule. Der Schulalltag kam mir heute unendlich langweilig und im höchsten Maße überflüssig vor, nicht nur weil ich den Stoff schon in- und auswendig konnte. Nein, die Bilder des wunderschönen Abends auf der Lichtung schummelten sich immer wieder zwischen mathematische Formeln und geschichtliche Jahreszahlen. Mrs. Burke teilte uns die Ergebnisse des gestrigen Überraschungstestes aus. Über die fehlerfreien Arbeiten von Luke, Lucas und mir schüttelte sie nur den Kopf. Irgendwann war der Vormittag dann doch überstanden und wir trafen uns zum Lunch in der Cafeteria. Ich bat Luke und Lucas sich zu uns zu setzten, da sie ein wenig verloren in der Ecke standen. Ein wenig unschlüssig schauten sie sich an, nahmen dann aber doch Platz. So schnell gab ich aber nicht klein bei, sondern suchte das Gespräch. „Wie lange bleibt ihr denn hier in Forks?“ Ich nahm einen Schluck von meiner Limonade und drehte den Schraubverschluss wieder auf die Flasche. Eben solange schwiegen die beiden mich an. „Das steht noch nicht fest“, ergriff Lucas schließlich das Wort. „Wir haben den Platz vorerst für drei Wochen zugesichert bekommen.“ „Aha, wann sind denn die Vorstellungen?“, übernahm Melinda. Luke wickelte sein Brot aus dem Papier und reichte seinem Bruder die Hälfte. „Es sind zwei Vorstellungen. Eine um vier, die andere um acht Uhr“, antwortete Luke. Alle umliegenden Tische hatten ihre Gespräche eingestellt und hörten uns zu. Mit mürrischem Gesicht griff Lucas nach der Stulle. Offenbar konnten sie sich das Essen der Cafeteria nicht leisten, und ihm war das mehr als peinlich. Der Blick, den sie darauf hin von Celeste und ihre Anhängern ernteten, sprach Bände. „Wer ist das?“ Lucas, dem das natürlich nicht entgangen war, deutete mit einer leichten Kopfbewegung in ihre Richtung. „Das ist Celeste, die Tochter des Bürgermeisters“, beantwortete Melinda seine Frage. Sie legte sich wirklich ins Zeug. Ich fragte mich schon, ob sie eventuell ein Auge auf einen der beiden geworfen hatte. „Na, das erklärt einiges“, äußerte sich Luke vieldeutig und biss in sein Brot. Ich schaute Melinda fragend an, sie schaute genauso fragend zurück.
Bevor die Pause endete, bat ich die beiden um das Interview, welches ich mit ihnen führen wollte. Wir verabredeten uns für den Nachmittag, nach der Vorstellung. Tief enttäuscht stellte Melinda fest, dass sie nicht mitkommen könnte. Ihre Familie erhielt ausgerechnet heute Besuch, und da könnte sie sich nicht einfach verdrücken.
Jake
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es für einen Besuch bei der eigenen Schwester nicht zu früh war, so klopfte ich an der Tür. Peter öffnete mir und sah mich mit großen Augen an. Ich erkannte sehr viel von mir in ihm. Er hatte die gleichen schlaksigen Gliedmaßen und die runden Pausbacken, wie ich sie in seinem Alter hatte. Er stand weiter nur da und schaute mich an. „Hey Peter, ist deine Mutter da?“ Blöde Frage! Er trug noch seinen Pyjama und war wohl gerade erst aus dem Bett gekrochen, als er mein Klopfen an der Tür hörte. Im nächsten Moment tauchte Rachel hinter ihm auf. Sie wirkte nicht überrascht mich zu so früher Stunde vor ihrer Tür zu sehen. Wir lächelten uns kurz an.
Der Tisch war bereits gedeckt und der Kaffeeduft erfüllte die gemütliche Küche. Sie griff in den Schrank und holte mir eine Kaffeetasse. Ich nahm neben Paul Platz und klammerte mich dankbar an die Tasse. Ich fühlte mich in unsere Kindheit zurückversetzt, bevor unsere Mutter diesen schrecklichen Unfall erlitten hatte. Wir saßen auch jeden Morgen zusammen am Frühstückstisch. Rachel und Rebecca mussten früh die Verantwortung für die Familie übernehmen und ich war heilfroh darüber gewesen. Die beiden waren jetzt in demselben Alter wie unsere Mutter, als sie uns für immer verlassen hatte. Ich schluckte den Kloß, der in meinem Hals steckte, mit Kaffee hinunter. Ich könnte es nicht ertragen auch noch Billy zu verlieren.
Zwanzig vor acht schickte Rachel die Jungs auf den Weg zur Schule. Paul verabschiedete sich von uns, er wollte bei Jared auf dem Campingplatz nach dem Rechten sehen. Es gab da wohl ein Problem mit den sanitären Anlagen. Das Leben im Reservat war mehr noch als sonst auf die Touristen ausgerichtet. Das schöne Sommerwetter rettete zumindest die Saison auf dem Campingplatz, auch das Museum war gut besucht und die Souvenirläden mit den selbstgemachten Alltagsgegenständen, wie Ledertaschen und Haarschmuck, machten gute Umsätze. Rachel nahm wieder neben mir Platz und griff meine Hand. Seufzend schaute sie mich an. „Ich mache mir auch Sorgen, Jake. Er macht zwar keinen zerbrechlichen Eindruck, doch seine Hüft- und Rückenprobleme wird er ohne seine Medikamente schwer aushalten können. Und was, wenn ein Unwetter aufzieht?“ Mein Gesicht verfinsterte sich - sie hatte natürlich Recht. „Er ist der Häuptling. Es ist seine Entscheidung.“ Ich versuchte mir einzureden, dass es wohl so sein musste, schließlich brauchten wir unbedingt Antworten. Rachel schnaubte verächtlich. „Typisch Jake. Wenn es unangenehm wird schaltest du auf Durchzug.“ „Du hast ja keine Ahnung, Schwesterherz. Glaubst du mir ist die ganze Sache gleichgültig? Denkst du ich schaue in Ryan und Peters Augen und weiß nicht, dass sie irgendwann auch solche schweren Entscheidungen zu tragen haben?“ Ich stand auf und lief hin und her, von Rachels Blick verfolgt. „Weiß Becky schon Bescheid?“ Sie sollte schließlich wissen was unser Vater für Dummheiten beging. Rachel nickte. „Sie kommt morgen früh.“ Ich blieb stehen, stierte aus dem Fenster, und grinste in mich hinein. Rachel betrachtete mein wechselndes Mienenspiel mit Sorge. Ich kam mir schon selbst leicht schizophren vor. Immer noch grinsend setzte ich mich zu ihr an den Tisch, sie zog die Brauen hoch. „Weißt du wo Moms Verlobungsring ist?“
Nessie
Jake fuhr mit seinem Motorrad an der Schule vor. Ganz offensichtlich hatte er sich erfolgreich dem Röhren angenommen; es hörte sich zwar immer noch nicht astrein an, aber immerhin. Melinda starrte ihn mit offenem Mund an, schließlich hatte sie keine Ahnung wer dieser unglaublich gutaussehende Typ, mit dem muskelbepackten Oberkörper, auf dem Bike war. Er setzte die Füße auf den Boden, zog den Zündschlüssel, nahm den Helm ab und lächelte mir zu. Gerade in diesem Moment fuhr Celeste mit ihrem kleinen Mini vorbei. Beinahe wäre sie in das vorausfahrende Auto gerauscht, das überraschend zum Stillstand kam. Im allerletzten Moment stieg sie ins Eisen. Mit zusammengebissenen Lippen ging ich auf Jake zu und er küsste mich gleich überschwänglich. Um uns herum raunten alle. Melinda stand da, als wären ihre Beine am Boden festgewachsen. Ich winkte sie zu uns und stellte die beiden einander vor. „Melinda, das ist mein Freund Jake. Jake, Melinda.“ Die beiden reichten sich die Hand. Aus dem Augenwinkel sah ich noch die leicht verwirrte Celeste davonbrausen. „Freut mich“, nickte Jake ihr zu. Melinda nickte ebenfalls, brachte aber kaum einen Ton heraus. Ich nahm mir meinen Helm und setzte ihn auf, dann kletterte ich hinter Jake auf die Maschine, die er geräuschvoll startete. „Viel Spaß“, rief uns Melinda noch hinterher. Ich winkte zum Abschied.
Der Zirkus Mendozza hatte sein Zelt auf dem großen Gelände neben dem Olympic-Outfitters etwas außerhalb der Stadt aufgeschlagen. Die Vorstellung lief noch, als wir ankamen. Das Zelt war rot-weiß gestreift und an den Pfeilerspitzen wehten rote Fähnchen im Wind. Im vorderen Bereich stand neben dem Kassenhäuschen ein kleiner Stand, der Zuckerwatte und Popcorn anbot. Links neben dem Zelt, hinter einer kleinen Absperrung, befanden sich die Tiergehege. Ein kleiner Junge von etwa zehn Jahren trug gerade eine zwei Meter lange Schlange um den Nacken in Richtung hinterer Zelteingang. Ungläubig beobachteten wir das reichlich seltsame Bild, das sich uns bot. Rechts im hinteren Bereich waren wohl die Unterkünfte, die für Besucher nicht zugänglich waren. Bei meinem weiteren Blick über das Gelände fiel mir ein kleines blaues Zelt auf, das in der Nähe eines verkümmerten Baumes aufgestellt war. Über dem Eingang hing ein Schild, auf dem „Madame Cassandra“ stand. Wow, eine Hellseherin. Ich zupfte an Jakes Jacke und deutete zu dem kleinen Zelt. Etwas verwirrt folgte er meinem Blick und zog dann verächtlich die Augenbrauen zusammen. „Madame Cassandra?“, zog er mich auf. „Das ist doch nicht dein Ernst?“
Jake
Immer noch schaute ich dem kleinen Jungen, der eine zentnerschwere Python spazieren trug, nach, da kam Nessie schon mit der nächsten Überraschung. „Was willst du denn von einer Hellseherin? Ich meine, wer Alice Cullen in der Familie hat, braucht doch keine Madame Cassandra?“ Sie wirkte mit einem Mal etwas bekümmert. „Möchtest du nicht wissen, was die Zukunft für dich bereit hält?“ Jetzt verstand ich gar nichts mehr. O.K. Alice konnte bei Halbwesen wie uns nichts sehen. Der unumstößliche Beweis dafür war, dass sie jetzt nicht schon wie ein Brummkreisel um uns herum wirbelte. Außerdem, wir wussten doch schon, dass uns eine äußerst angenehme Zukunft erwartet. Besorgt schaute ich in ihre großen Augen. Sie wich meinem Blick aus und starrte zu Boden. Ich nahm sie bei den Schultern und zwang sie, mich anzusehen. „Hey, was ist denn los?“ „Ich..na ja, ich bin mir nicht sicher, aber…“, druckste sie herum. „Aber was?“, hackte ich nach. Nach einer halben Ewigkeit sagte sie schließlich; „Ich sehe nichts mehr.“ Ich blinzelte und versuchte zu verarbeiteten, was ich da eben gehört hatte. Mechanisch öffneten sich meine Lippen, doch es kam nichts heraus. Da kam sie mir zuvor. „Seit Mike Newton habe ich nichts mehr gesehen, von niemandem.“, gestand sie völlig deprimiert. Und das sagte sie mir erst jetzt? Ich wusste erst nicht, ob ich wütend, enttäuscht oder gekränkt reagieren sollte. Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich für mitfühlend. „Das hat doch nichts zu sagen. Oder?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich habe es anfangs selbst nicht gemerkt. Doch rückblickend betrachtet war der Sturz von Mike das letzte, was ich sah.“ Dann sagte sie etwas, was mich endgültig von ihrem Vorschlag überzeugte. „Ich möchte zumindest wissen, wie die Sache mit Billy ausgeht.“ Gutes Argument! Außerdem hatten wir noch eine halbe Stunde zu überbrücken. Das Innere des Zeltes sah genauso aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mit vor der Brust verschränkten Armen ließ ich die Atmosphäre auf mich wirken. In der Mitte stand ein runder Tisch mit einer dunklen Samttischdecke, auf der eine Kristallkugel auf einem Ständer stand. An den Seiten standen zwei Regale mit etlichen Büchern und Kristallen. Über uns hing ein Windlicht mit einer kleinen Kerze, die ein schummriges Licht abgab. Der schwere Dunst von Räucherstäbchen wallte durch das spärlich beleuchtete Zelt, und löste Beklemmung in mir aus. Auf einem kleinen Hocker hinter dem Tisch thronte Madame Cassandra, ihre Augen waren geschlossen, die Hände hielt sie mit den Handflächen aneinander gepresst vor ihre schmalen Lippen. Sie schien in meditativem Schlaf versunken, doch plötzlich erhob sich ihre tiefe, raue Stimme.
„Hekate? Isis?“ Ihre Augenlider flatterten hektisch. „Falsch. Einmal dürfen sie noch raten.“ Ich hätte mir schon auf die Zunge beißen müssen, um diese Steilvorlage nicht aufzugreifen. Doch damit erntete ich einen vorwurfsvollen Blick von meiner Liebsten. Beschwichtigend hob ich die Hände. Madame Cassandra erhob sich und öffnete die Augen. Ihr Blick war glasig und die stahlblauen Augen funkelten eiskalt. Na toll, auf was für einem Trip war die denn? Es dauerte einen Moment, bis sich ihre Linsen auf uns fokussierten, ihre Miene blieb unverändert. Sie breitete die Arme aus und sagte: „Willkommen bei Madame Cassandra.“ Dann deutete sie mit einer Hand auf die Kugel vor sich, mit der anderen auf einen Stapel Tarot Karten daneben, und zuletzt auf einen kleinen Samtbeutel. Nessie trat vor und deutete auf die Karten. Madame Cassandra nickte und deutete nun wiederum auf eine kleine Box mit einem Schlitz in der Mitte, die auf dem Regal stand, und offenbar als Kasse fungierte. Nessie zückte ihr Portemonnaie, zog zehn Dollar heraus, und steckte sie in den Schlitz. Zehn Dollar für einen solchen Mumpitz! Ich glaubte zwar, wie alle Mitglieder des Stammes, an Geister und Übernatürliches - ich war ja selbst ein Teil dieser Mythologie -, doch ich hegte starke Zweifel an den Fähigkeiten dieser Frau. Wir ließen uns auf den Stühlen vor dem Tisch nieder, während uns Madame Cassandra sehr genau beobachtete.
Zuletzt von Melek am Mi 21 Sep 2011, 11:41 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet |
|  | | Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Re: Nessie & Jake - Zwischen den Welten So 14 Aug 2011, 17:09 | |
| Treffer und versenkt
Nessie
Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich mal bei einer Wahrsagerin lande. Jake wohl auch nicht, denn er nahm äußerst widerwillig neben mir Platz. Madame Cassandra taxierte uns genau, und ich fragte mich, was sie wohl aus unserer Körpersprache lesen und dann in ihre Karteninterpretation legen würde. Zunächst begnügte sie sich damit, mir das Mischen des Kartenstapels zu überlassen. Die Karten waren groß und an den Rändern schon etwas speckig. Ich versuchte nicht an die vielen Hände zu denken, die vorher diese Karten in den Händen hielten. Sorgfältig gemischt gab ich sie ihr wieder. Sie blickte uns fragend an. Nach einer kurzen Stille zog sie verwundert die Augenbrauen hoch und lächelte etwas spöttisch. „Ich schlage drei Karten vor. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Darauf können wir dann aufbauen, einverstanden?“ Oh, sie hatte auf eine Frage gewartet. Kurz dachte ich an Billy. „Können sie uns etwas über eine bestimmte Person voraussehen?“, nahm mir Jake die Worte aus dem Mund. Sie neigte ihren Kopf leicht in seine Richtung und bohrte sich in seine Augen. „Nicht, wenn sie nicht anwesend ist. Dann kann ich schließlich auch keine Karten legen“, stellte sie klar, als ob sie unsere Gedanken gelesen hätte. Jake schielte skeptisch zu mir. Sie nahm die oberste Karte und legte sie vor mich auf den Tisch. „Der Eremit. Sie sind ein sehr introvertierter Mensch, auf der Suche nach sich selbst. Auf diesem Wege waren sie oftmals einsam, nein abgeschieden“, verbesserte sie sich mit angestrengt zusammengekniffenen Augen. „Sie haben in der Isolation gelebt und die Zeit genutzt, um innere Reife zu erlangen.“ Erwartungsvoll schaute sie mich an. Ich war noch ganz gefesselt von ihren Worten, als dass ich dies bemerkte hätte. „Hört sich an wie das Ausreifen eines Schweizer Käses“, warf Jake sarkastisch ein. Doch sie hatte nicht ganz unrecht, mit dem was sie sagte. Jahrelang war ich vor der Außenwelt versteckt worden. Ich wusste manchmal wirklich nicht, wer ich bin und warum ich anders war als andere. Für seine unqualifizierte Meinung erntete Jake ihren bitterbösen Blick. Hochmütig zückte sie die nächste Karte und legte sie rechts neben die erste. „Der Hierophant. Ich hatte mich also nicht geirrt“, sprach sie eher zu sich selbst. Sie grinste bis über beide Ohren und präsentierte uns einen goldenen Eckzahn. „Ich habe die Energie regelrecht gespürt, die Sie in mein Reich getragen haben. Sie scheinen in perfekter Harmonie zwischen den Polen zu schweben. Ihr Chi ist außergewöhnlich kraftvoll.“ Doch dann zog sie einen kleinen Schmollmund - ich hielt den Atem an. „Sie sind sich aber manchmal nicht sicher, wo Sie stehen. Aber Sie hoffen auf einen Rat, um sich über einige Dinge klar zu werden.“ Ich atmete aus. Damit konnte ich jetzt nicht so viel anfangen. Da ich wieder nicht antwortete, zog sie die letzte Karte. „Die Welt. Oh, sehr vielversprechend.“ Sie tippte immer wieder mit dem Zeigefinger auf die Karte. „Sie werden das wichtige Ziel, welches Sie sich gesteckt haben, erreichen, soviel steht fest. Es wird Sie sicherlich freuen zu hören, dass sie alles bekommen werden, was Sie sich erträumen.“ Sie lugte kurz zu Jake. „Sie erfahren auch die innere Freiheit, die Freiheit des Geistes.“ Mit dem letzten Laut, legte sie die Handflächen wieder zusammen und hob so ihre Hände in die Höhe. In dieser Position verharrte sie kurz und atmete tief durch. Dann nahm sie die Karten wieder zum Stapel zurück und reichte den Stapel Jake.
Jake
Ihre Aussagen Nessie betreffend, waren mir einerseits zwar einleuchtend, z. B. das mit dem Eremiten, aber der Rest war so eindeutig wie ein Horoskop in der Tageszeitung. Mich hatte sie damit noch nicht in ihren Bann gezogen. Gelangweilt mischte auch ich den Stapel und gab ihr die Karten zurück. Ohne Umschweife - als ob sie es, ebenso wie ich, einfach nur hinter sich bringen wollte - zückte sie die erste Karte. Na toll! „Der Gehängte. Gehe ich Recht in der Annahme, dass Sie die junge Dame in ihrer Isolation begleitet haben? Das lese ich nämlich aus dieser Karte. Sie deutet einen Rückzug aus dem aktiven Leben an, wie etwa aus einem Job oder einer Berufung, die sie aufgegeben haben?“ Treffer! Mir fiel die Kinnlade runter, Nessie ergriff meine Hand. Ich spürte zwar ihren Druck, war aber zu keiner Reaktion im Stande. „Dachte ich es mir doch.“ Madame Cassandra schien sehr mit sich zufrieden. Die nächste Karte folgte. „Der Turm. Der Turm ist Symbol für einschneidende Veränderungen. Es herrschen stürmische Zeiten, begleitet von innerer Unruhe. Einiges fällt in sich zusammen wie das buchstäbliche Kartenhaus, veraltete Systeme oder auch Weltanschauungen.“ Wieder Treffer! Mittlerweile bekam ich es mit der Angst zu tun. Sie gewöhnte sich so langsam an unsere Sprachlosigkeit und fuhr mit der letzten Karte fort. „Das Gericht. Oh, äußerst interessant. Ich kann euch beruhigen, diese stürmischen Zeiten sind nicht von allzu langer Dauer. Es zeichnet sich ein Neuanfang ab, das Ende einer Leidenszeit.“ Hoffentlich Treffer, und somit versenkt.
Nessie
Dieser Besuch war sehr aufschlussreich, obwohl wir nicht direkt etwas über Billy erfahren hatten. Doch der bald anstehende Neuanfang, von dem sie sprach, stimmte mich hoffnungsvoll. Jake hatte sogar ein kleines Lächeln auf den Lippen, als wir das Zelt verlassen wollten. Wollten! Madame Cassandra hielt mich im letzten Moment zurück, so ging Jake unbemerkt alleine weiter. Ihr Blick hatte etwas Fesselndes, sie stierte mir regelrecht in die Augen. „Das dritte Auge bleibt solange getrübt, bis sich das Schicksal erfüllen wird.“ Da kam Jake zurück und zog mich an meinem Arm nach draußen. Ich war völlig perplex. Was hatte sie da gerade gesagt? Woher wusste sie von meiner Fähigkeit? Ich hatte es bewusst vermieden sie zu berühren. Das dritte Auge - meinte sie damit meine Gabe? Eine vor meinem Gesicht auftauchende Hand riss mich aus meinen Gedanken. Es war Jake, der vor mir mit den Fingern schnippte. „Hey, wo bist du denn?“ Ich schüttelte den Kopf, um wieder klar zu werden. „Ach nichts“, beteuerte ich ihm. An uns liefen mit einem Mal viele Menschen vorbei, die zu den geparkten Autos auf dem Parkplatz bei Olympic Outfitters eilten - es hatte wieder zu regnen begonnen. Offenbar war die Vorstellung mittlerweile vorbei. „Hey, Renesmee“, riefen die Zwillinge mir schon von Weitem zu. Sie trugen noch ihre Anzüge, die ihre durchtrainierten Körper betonten. Jake baute sich neben mir auf und legte den Arm um meine Schultern. Ich boxte ihm in die Seite und zog ihn mit mir. Wir trafen uns vor dem Eingang, die letzten Besucher schlängelten sich an uns vorbei. „Wen hast du denn da mitgebracht?“, fragte Lucas.
Nachdem ich Jake den Jungs vorgestellt hatte, führten Luke und Lucas uns zu ihrem Bauwagen. Im Bereich hinter dem Zelt herrschte emsiges Treiben. Es wurde eilig ein provisorisches Dach vor dem größten Waagen gespannt, um den Tisch, der schon für die gesamte Mannschaft gedeckt war, vor dem Regen zu schützen. Ein vom Wetter indes unbeeindruckter Clown auf Stelzen begleitete uns. Er zückte seine schwarze Melone und verbeugte sich tief, ohne auch nur einen Moment ins Wanken zu geraten. Mit pantomimischen Gesten wies er uns zu dem Tisch, wir sollten wohl Platz nehmen. Er kicherte lautlos und stapfte davon. Neben der Reihe von Tischen vertrieben sich zwei Jungs mit Jonglieren die Zeit. Ich erkannte den Jungen mit der Schlange unter ihnen. „Setzt euch. Mama hat ihr berühmtes Chili gekocht.“ Die beiden verschwanden kurz im Inneren des Wagens, um sich etwas anderes anzuziehen. Kurz darauf kam Mutter Mendozza, mit einem überdimensionalen Topf vor sich haltend, die kleinen Stufen herunter. „Willkommen, Kinder. Ich hoffe ihr habt Hunger.“ Sie stellte den Topf auf den Tisch und augenblicklich waren alle Plätze um uns herum besetzt. „Ich bin Maria. Du bist sicher Renesmee. Und das ist dein Freund?“ Ihr Lachen hatte etwas Ansteckendes. Sie hatte pechschwarze Locken, die sie mit einem Haarband zusammen hielt, da sie ihr sonst wahrscheinlich wild in das rundliche Gesicht gehangen wären. Sie reichte mir einen Teller, den ich lächelnd annahm. „Vielen Dank für die freundliche Einladung. Ja, das ist mein Freund Jake“, bedankte ich mich für das Essen. Sie hatte Jakes Appetit völlig richtig eingeschätzt und gab ihm eine extra Kelle Chili, ich musste grinsen. Da kamen die Zwillinge zu uns, verteilten Brot an alle und setzten sich uns gegenüber. „Wenn ihr wollt, können wir mit dem Interview beginnen.“ Luke nahm ein Stück Brot, tunkte es in die Chilisauce, und nahm es genüsslich in den Mund. Ich hatte mir gar keine Fragen überlegt, so fragte ich einfach das erste, was mir einfiel. „Wie kommt ihr zu Euren Namen, wenn ich fragen darf?“ Der gesamte Tisch antwortete mit kollektivem Seufzen, manche räusperten sich, weil sie sich beinahe am Chili verschluckten. „Die Frage geben wir an unseren Vater weiter“, meinte Lucas knapp und deutete auf einen großen, kräftig gebauten Mann, der auf uns zu kam. Sein Gang alleine zeichnete ihn als Oberhaupt der Familie und somit als Direktor aus; er hatte diese gewisse autoritäre Ausstrahlung.
„Junge Dame, darf ich mich vorstellen?“ Er nahm meine Hand und deutete einen Handkuss an. „José Mendozza. Direktor des Zirkus Mendozza. Wir sind ein traditioneller Familienbetrieb in der sechsten Generation. Ich freue mich Euch an unserem Tisch begrüßen zu dürfen.“ Er blickte in die Runde. „Wie ich schon an der Reaktion meiner Angestellten und Familienmitglieder erkennen durfte, geht es um die Namensgebung der Jungs. Hab ich Recht?“ Er lachte schallend los und hielt sich den stattlichen Bauch, ehe er seinen angestammten Platz am Tisch einnahm. Er breitete die Servierte über seinen Schoß aus und erzählte. „Kennt ihr Star Wars? Krieg der Sterne, Das Imperium schlägt zurück, oder Die Rückkehr der Jedi-Ritter?“ Er zwirbelte seinen Schnurrbart zwischen den Fingern und schaute uns mit kindlicher Begeisterung an, die seine Augen strahlen ließen. „Ja, da hab ich schon mal was von gehört“, antwortete Jake, nachdem er den großen Bissen, den er sich eben noch in den Mund geschoben hatte, hinunterschluckte. Das war zwar alles vor meiner Zeit, doch selbstverständlich kannte auch ich die Geschichte von Luke Skywalker und Darth Vader. Mit flammendem Enthusiasmus schwärmte er uns noch von seinen Helden vor. Ich nickte wissend und beobachtete die Zwillinge, wie sie mit den Augen rollten. Ich fuhr bei der ersten Gelegenheit mit meinen Fragen fort.
Als nach einer guten Stunde der Regen endlich weniger wurde und alle gesättigt waren, war ich auch alle meine Fragen losgeworden. Alle bis auf eine. Die Runde hatte sich mittlerweile wieder aufgelöst, so saßen nur noch Maria, Luke und Lucas bei uns am Tisch. „Eure Madame Cassandra…“, noch ehe ich meine Frage zu Ende stellen konnte, unterbrach mich Maria. „Ihr habt Cassandra schon kennengelernt? Sie ist fantastisch. Eine echte Roma“, betonte sie ausdrücklich. „Ihre Voraussagungen sind hundertprozentig korrekt. Sie sieht einfach alles.“ Ich lauschte gebannt ihren Worten, die ein weiteres Nachfragen meinerseits überflüssig machte. Ich nahm mir vor Madame Cassandra in den nächsten Tagen erneut aufzusuchen. „Darf ich euch nun mal eine Frage stellen?“, unterbrach Maria meine Gedanken. „Was ist dieser Gordon Davis für ein Mensch?“ Ihr Gesichtsausdruck ähnelte dem von Luke gestern in der Cafeteria. „Ich habe selten einen unfreundlicheren Menschen getroffen, und glaubt mir ich hab schon viele schräge Typen kennengelernt“, fügte sie an. Das nahm ich ihr auch ab, doch wir mussten ihr leider gestehen, dass wir ihn überhaupt nicht kannten. Von den dreien erfuhren wir, was es für ein Theater um die Genehmigungen für den Zirkus gab. Bürgermeister Davis wollte mit allen Mitteln verhindern, dass die Mendozzas ihr Zelt hier aufbauten.
Zuletzt von Melek am Mi 21 Sep 2011, 12:20 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet |
|  | | Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Re: Nessie & Jake - Zwischen den Welten So 14 Aug 2011, 17:12 | |
| Ein Männlein sitzt im Walde…
Jake
Nachdenklich machen wir uns, nach einer weiteren halben Stunde, wieder auf den Weg. Unterwegs machten wir vor dem Obststand halt, um Erdbeeren zu kaufen. In der Tankstelle gegenüber besorgten wir noch eine Flasche Sekt. Um etwa sechs Uhr abends waren wir wieder bei Charlie und Sue. Nessie ging nach oben, um ihren Laptop zusammen zupacken. Zwischenzeitlich setzte ich mich zu Charlie auf das Sofa - es liefen gerade die ersten Nachrichten im Fernsehen. Spätestens bei den Wetteraussichten rutschten wir beide unruhig in den Kissen herum. Es wurde für den morgigen Abend ein schweres Gewitter angekündigt.
„Ihr lasst ihn bei diesem Wetter doch nicht etwa alleine da draußen, oder?“ Charlie wurde regelrecht blass um die Nase und nahm einen tiefen Schluck Bier. Ich biss die Zähne aufeinander und spannte die Kiefermuskeln an. „Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig. Solange er uns nicht irgendwie ein Zeichen zukommen lässt, dürfen wir nicht einschreiten“, stellte ich unmissverständlich klar. Natürlich machte er sich auch seine Gedanken, aber so lagen die Dinge nun mal. Er stand wütend auf und stütze die Hände in die Hüften. „Das glaube ich einfach nicht. Er würde das nicht überstehen. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass er seit zwei Tagen nichts mehr zu sich genommen hat. Was, wenn er einfach nicht die Kraft mehr hat, um euch eine Nachricht, oder so was in der Art, zukommen zu lassen?“, machte er seinem Unmut Luft und ließ sich wieder in die Kissen fallen. „Charlie, uns sind die Hände gebunden. Es bleibt uns nichts weiter übrig, als zuversichtlich zu bleiben“, versuchte Sue ihn zu beruhigen. Er antwortete zwar nichts mehr darauf, doch in seinem Gesicht konnte ich erkennen, wie es in ihm arbeitete. Nessie kam die Stufen herunter und sah uns, mehr oder weniger aufgebracht, Löcher in die Luft starren. Prüfend lotete sie die Stimmung aus, die Unterhaltung hatte sie selbstverständlich auch von oben verfolgt. Ich sah die Chancen, für unseren romantischen Abend, sich buchstäblich in Rauch auflösen. Doch dann ergriff sie das Wort. „Charlie, darf ich dich mal was fragen?“ Ob das der richtige Moment ist? , beschlich mich eine ungute Vorahnung. Charlie hob fragend die Augenbrauen. Nessie setzte sich zwischen uns und nahm seine Hand. „Es ist zwar noch nicht Freitag, aber…?“ Sie unterbrach sich und schenkte ihm ihr unschuldigstes Engelslächeln. „…wir wollten heute im Häuschen bleiben, wenn du nichts dagegen hast.“ Charlie räusperte sich und schaute hilfesuchend zu Sue. Sie grinste und zwinkerte ihm zu. Daraufhin brummte er zwar etwas missmutig, sagte dann aber: „Drei gegen einen, da hab ich wohl schon verloren, oder?“ Nessie gab ihm einen dicken Kuss auf die Wange und schon umspielte ein Lächeln seine Mundwinkel. Sie wusste ganz genau was sie anstellen musste, um ihren Willen zu bekommen. Ich war ihr ja vom ersten Moment an verfallen - nicht das mich das irgendwie gestört hätte.
Wir packten unsere Sachen und fuhren den bekannten Weg zum Cullen Haus entlang. Da es keine direkte Straße zu dem Haus gab, mussten wir das letzte Stück zu Fuß zurücklegen. Mit der einsetzenden Abenddämmerung gab ein Kautz seine Ode an die Nacht zum Besten. Einige Igel krochen aus dem Schutz eines hohlen Baumstammes, um auf Futtersuche zu gehen. Tief im Wald hörte ich das Heulen eines Bruders, der seine Runden ablief; es war Colin. Ich dachte sorgenvoll an das bevorstehende Unwetter, versuchte mich aber wieder zu beruhigen - der kobaltblaue Abendhimmel war immer noch wolkenlos.
Nessie
Als es dann vor uns aus dem Wald wie ein Geisterschiff auftauchte, fühlte ich mich zuhause. Arm in Arm liefen wir den kleinen Kiesweg entlang, an meinem Baumhaus vorbei, zur Tür. Vor den kleinen Fenstern links und rechts daneben blühten Schafgarbe, Kapuzinerkresse und Rosen in allen erdenklichen Farben. Um die Fenster und die Tür wucherte wilder Wein und Efeu die Fassade empor. Ich entriegelte das Schloss und trat langsam ein. Das letzte Licht des Tages fiel durch den Raum und schenkte mir einen Blick in meine Vergangenheit. Der Kamin war ein dunkler Schlund, der alles Licht im Raum zu verschlucken schien. Die gemütliche Couch, in der wir damals oft stundenlang aneinander gekuschelt lagen und in das prasselnde Feuer geschaut hatten, war mit einem Lacken bedeckt. Einen Augenblick lang war ich in Gedanken versunken. Ich sah Mom und Dad vor mir sitzen und mich anlächeln. Ganz leicht hob ich meine Hand, um ihnen zu zuwinken.
Jake riss mich aus meiner Träumerei, indem er an mir vorbei in die Küche lief, um den Sekt kühl zustellen. Wie in Zeitlupe lief ich alle Räume ab und blieb überall dort andächtig stehen, wo mich die Erinnerung übermannte. Mein Zimmer, das kleine Badezimmer mit der gusseisernen Badewanne, und zuletzt das Schlafzimmer meiner Eltern. Ich trat nicht ein, sondern blieb an den Türrahmen gelehnt stehen. Jake kam hinter mich und strich mir sachte über die Schultern. Sein Kopf senkte sich und er berührte meinen Nacken. „Was meinst du? Sollen wir dein altes Zimmer herrichten?“ Sanft massierte er mir die angespannten Nackenmuskeln. Ich nickte, irgendwie behagte mir der Gedanke nicht, dort in diesem Bett zu nächtigen. Jake machte Feuer im Kamin und ich suchte ein paar Decken zusammen, die ich auf dem Boden vor dem Kamin ausbreitete. Nachdem das Feuer vor sich hin knisterte und das Wohnzimmer wieder bewohnbar aussah, öffnete Jake die Sektflasche. Wild schäumend ergoss sich das Getränk in die bereitgestellten Gläser, die ich geschickt balancierte, um ja nichts zu verschütten. „Auf uns.“ Wir stießen an und nahmen beide einen kleinen Schluck. Jake lehnte sich auf dem Boden sitzend an die Polster der Couch und nahm mich in seinen Arm. Wir schlangen die Beine, wie die Ranken des Efeus vor dem Haus, zusammen und genossen die Wärme des Feuers. Ich seufzte wohlig und rückte meinen Kopf zurecht. „Warum hast du Charlie nichts erzählt?“, fragte Jake mich plötzlich. Ich schaute in die sich hoch züngelnden Flammen und antwortete: „Wir sollten es erst Mom und Dad sagen… und Billy selbstverständlich. Oder, was meinst du?“ Ich nahm einen weiteren Schluck und musterte ihn über den Rand des Glases. Er atmete scharf aus. „Doch, du hast Recht. Aber ich musste jemandem davon erzählen, bitte entschuldige.“ Er gab mit einen Kuss auf die Stirn, ich wiederum sah in stirnrunzelnd an. Wem hatte er es wohl erzählt? Doch keinem der Jungs, da hätte er es ja gleich in die Tageszeitung setzen können. Er verzog leicht das Gesicht, winkelte den freien Arm an und griff sich in die Hosentasche. Mit geschlossener Hand, die er mir dann präsentierte, sagte er leise: „Ich hätte dir sonst das hier nicht schenken können.“ Er griff mit dem anderen Arm um mich und nahm nun beide Hände zu Hilfe, um ein kleines Holzkästchen zu öffnen. In dem Kästchen steckte ein wunderschöner silberner Ring. Er war ringsum mit geschwungenen Linien graviert, die wie geflochtene Bänder aussahen. Er zog den Ring aus dem Schaumstoff und hielt ihn mir ehrfurchtsvoll hin. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. „Das ist der Verlobungsring meiner Mutter. Rebecca hat ihn getragen und Rachel ebenfalls. Es würde mir sehr viel bedeuten, wenn du ihn jetzt tragen würdest.“ In seinen Worten lag so viel Liebe - mir schossen Tränen in die Augen und meine Nase kribbelte. Ich schluckte und versuchte, nicht die Beherrschung zu verlieren. Ich reichte ihm meine zitternde Hand, an dessen Ringfinger er mir den Ring ansteckte. Ich war verwundert darüber, dass er mir passte. Im Schein des Kaminfeuers betrachtete ich ihn mit Stolz und tiefer Dankbarkeit. „Er ist wunderschön“, brachte ich mühsam hervor. Mit dem Zeigefinger an meinem Kinn schob er mein Gesicht sanft zu sich und lächelte mich an. „Genauso schön, wie du.“ Wir kamen einander näher und besiegelten dieses Ritual mit einem sanften Kuss, der mehr ein Versprechen als sexuelle Begierde war. Unser Atem mischte sich mit den Aromen süßer Erdbeeren und dem rauchigen Kaminholz. Jake spießte eine Erdbeere auf und bot sie mir an. Ich nahm die rote Frucht in den Mund und kuschelte mich wieder an seine breite Schulter.
Jake
Es war ein absolut unbeschreibliches Gefühl, ihr den Ring über den Finger zu streifen - mir lief tatsächlich eine Gänsehaut über den Rücken. Als sie sich wieder eng an mich kuschelte musste ich gähnen; sicherheitshalber stellte ich das Sektglas neben mir ab. Der Schlafentzug der letzten Tage machte sich bemerkbar. Meine Augenlider wogen plötzlich Tonnen und ich konnte mich einfach nicht dagegen wehren. So tauchte ich unaufhaltsam ab in den bleiernen Nebel, der mich vollends umhüllte und in einen tiefen Schlaf bettete. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, in der ich in einem Meer aus Gefühlen und Gedanken dahintrieb – völlig entspannt. Ich befand mich in tranceähnlichem Zustand.
>>Da drang ein Rauschen an mein inneres Ohr, ein dumpfes Trommeln ließ meinen Körper vibrieren. Der Horizont hellte sich auf. Erst langsam, ähnlich dem Sonnenaufgang, dann blitzte gleißendes Licht auf und ich sah nichts mehr. Zum Schutz hob ich die Hände vor die Augen, als sich plötzlich etwas von hinten anschlich. Ich spürte einen Luftzug, nur ein kleiner Hauch. Ruckartig drehte ich mich um. Das Flüstern wurde lauter, doch ich konnte keine mir bekannte Stimme herauskristallisieren. Das blendende Licht erstarb und mit ihm verstummten die Flüsterstimmen. Hektisch sah ich mich um, um mich zu orientieren. Ich lief, einem inneren Drang folgend, durch ein Dickicht aus Bäumen, mannshohem Gras und Schlingpflanzen, die nach mir zu greifen schienen. Ich stieß auf eine kleine Lichtung, da saß Billy im Schneidersitz auf einem Beet aus Moos und Farnen. Er hatte die Augen geschlossen, die Pfeife in festem Griff umschlossen. Kleine Rauchwölkchen stiegen auf, der Tabak glomm nur noch schwach. „Billy?“, sprach ich ihn an. Er öffnete leicht den Mund und sprach zu mir, jedoch nicht mit seiner Stimme. Der tiefe rauchige Bass wirkte verzerrt. „Euer Schicksal wurde vor langer Zeit besiegelt. Nun wird es zu eurem Verhängnis. Ihr habt den Zorn von Mutter Natur auf euch gezogen.“ Mit der letzen Silbe öffnete Billy die Augen. In seiner Iris spiegelte sich das Antlitz einer Krähe wieder. Erschrocken wich ich zurück, ihr Krächzen ging mir durch Mark und Bein.<<
Nessie
Mit einem lauten Schnarchen fiel Jakes Kopf nach hinten in die Kissen. Na großartig! Irgendwie hatte ich mir den Verlauf des Abends etwas anders vorgestellt. Er hatte wohl nicht viel Schlaf bekommen in der letzten Zeit, verständlicherweise. Ich stand vorsichtig auf, um ihn nicht zu wecken und deckte ihn zu. Dann machte ich es mir, mit dem Laptop auf dem Schoß, auf dem Sofa bequem. Ich fing an das Interview abzutippen. Solange ich nichts bessere zu tun hatte, konnte ich wenigstens arbeiten. Recht schnell hatte ich eine Seite abgetippt, da blinkte am rechten unteren Rand eine Meldung auf. >>Alice Cullen hat sich angemeldet<< Ich speicherte den Text auf meinem USB-Stick und wechselte die Seite. Einen Moment später lächelte mir Alice entgegen. „Na, Süße. Wie geht es euch denn?“ „Gut, danke. Und euch? Wo sind Mom und Dad?“, fragte ich nach. „Uns geht’s gut, wie immer eigentlich. Als ob sich bei uns irgendetwas verändern würde. Schule, Schule, Schule. Ich hab jetzt mit Latein angefangen. Eine tote Sprache, passend nicht wahr? Aber ihr fehlt uns natürlich. Bella und Edward sind mit Carlisle und Esme zu Besuch bei Eleazar. Ich soll euch schön grüßen.“ Sie redete ohne Punkt und Komma, wie eh und je. Ich schmunzelte, doch sie fuhr unbeeindruckt fort. „Renée hat übrigens angerufen, sie will sich nochmals von Carlisle untersuchen lassen. Wir haben ihr gesagt, wir würden uns dann bei nächster Gelegenheit in Forks treffen.“ In ihrem Wortschwall brach sie plötzlich ab und blinzelte überrascht. „Wo bist du eigentlich? Das ist doch das Wohnzimmer des Häuschens, wenn ich nicht irre.“ Ich schaute mich um und kratze mir geistesabwesend mit der Hand die Stirn. Sie stieß einen spitzen Schrei aus und erstarrte. Als mir bewusst wurde, was sie da eben gesehen hatte, ließ ich die Hand schnell wieder sinken. „Renesmee Carlie Cullen, was ist das da an deiner Hand?“ Ich wusste gar nicht, dass ihre Augen derart scharf aufblitzen konnten. „Alice, bitte reg dich nicht auf. Charlie weiß Bescheid“, erklärte ich. „Wie? Du hast ihm erzählt das du und Jake…?“, brachte sie nur kopfschüttelnd heraus. „Nein!“, wies ich energisch zurück. „Er weiß das wir hier sind, selbstverständlich würde ich Mom und Dad nie übergehen, also halte dich bitte zurück. Tu es für mich, bitte.“ Ich bettelte sie regelrecht an, doch sie verzog nur genervt das Gesicht. „Wie stellst du dir das vor? Nur gut, dass er ohnehin gerade auf einem anderen Kontinent weilt. Du meine Güte, wie sollte ich das bitte vor Edward geheim halten? Am besten triffst du ihn gleich, sonst sehe ich mich gezwungen, die Titel des „Mirror“ auswendig zu lernen, um meine Gedanken zu übertünchen.“ Sie sprudelte nur so. Natürlich hatte sie Recht. Jake schnarchte laut auf. „Ist das Jake, der mal wieder die Imitation einer Kettensäge zum Besten gibt?“ Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Da rappelte sich Jake ruckartig neben mir auf, sodass ich erschrocken zusammenfuhr und der Laptop zu Boden fiel. Gott sei Dank auf die Decken - er lief noch, wie ich erleichtert feststellte. Jake starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an. „Billy“, keuchte er. „Was ist denn bei Euch los? Nessie? Jake?“, hörte ich im Hintergrund Alice rufen.
Zuletzt von Melek am Mi 21 Sep 2011, 12:35 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet |
|  | | Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Re: Nessie & Jake - Zwischen den Welten So 14 Aug 2011, 17:16 | |
| Schlaf, Kindlein, schlaf..
Jake
Alle meine Muskeln waren zum Zerreißen gespannt. Ich spürte den kalten Schweiß, der mir langsam den Rücken hinunterlief. Stoßweise atmete ich ein und wieder aus. Hyperventiliere ich etwa? Nessie kam langsam auf mich zu, sie sah sehr beunruhigt aus. Ich klammerte mich an sie, zwanghaft bemüht mich wieder zu beruhigen. Mein Verstand versuchte meiner physischen Hülle zu vermitteln, dass es nur ein Traum war. Oder war es möglicherweise mehr als das? „Jake, was ist denn passiert? Nun, sag schon!“
Fünf Minuten später saßen Seth, Sam und Nessie vor mir auf dem Sofa und ließen sich haarklein meinen Traum berichten. „Euer Schicksal wurde vor langer Zeit besiegelt.“ Sam´s Finger trommelten nervös auf den Beistelltisch, während er meine Worte wiederholte. „Der Vertrag?“, mutmaßte Seth. Wir sahen uns alle fragend an. „Ich hole ihn jetzt da raus, ganz gleich was ihr sagt.“ Ich tigerte vor den dreien hin und her und raufte mir die Haare dabei. Je länger ich über all das nachdachte, umso entschlossener wurde ich. „Jake, das geht nicht. Nur, weil du geträumt hast?“ Seth stellte sich mir in den Weg und ich funkelte ihn böse an. Sam ging zwischen uns. „Hey, hey! Ruhig, Jungs.“ Ich ließ meine Hände, die ich unbewusst vor dem Oberkörper zu Fäusten geballt hatte, wieder sinken. Seth drehte sich mit zusammengebissenen Zähnen und bebenden Nasenflügeln um. Ruhig bleiben? Der hat Nerven. „Paul und Quil sind in diesem Moment da draußen. Ihnen ist nichts aufgefallen. Warten wir erst mal bis morgen ab, in Ordnung, Jake?“ Sam redete weiter auf mich ein und ich nickte. Doch kaum hatte er sich wieder Seth zugewandt, rannte ich los – durch die Tür in den Wald. Noch im Laufen verwandelte ich mich und heulte laut auf. Ein aufgeschreckter Fuchs nahm fiepend Reißaus. Ich ließ mich durch nichts beirren und jagte immer weiter, trieb die Pfoten über den harten Waldboden hinweg, die Fährte von Billy in der Nase. Nach kurzer Zeit meldeten sich Sam und Seth natürlich wieder zu Wort.
Jake, du verdammter Idiot! Was wird das? Seth war mir am Nächsten. Was hast du erwartet, Seth? Wir kennen doch seinen Dickschädel. Sam hatte Recht, Leitwolf hin oder her, dieser Traum war ein Zeichen und ich musste zu Dad. Paul und Quil reagierten ebenfalls äußerst überrascht, als sie uns bemerkten. Was ist passiert? Hey Jungs, klärt uns mal jemand auf? Paul stellte sich uns bald in den Weg. Ich schenkte ihm jedoch keine Beachtung, denn in der Ferne flogen einige Krähen lautstark über die Baumwipfel; sehr ungewöhnlich zu dieser nächtlichen Stunde. Wir spitzen die Ohren und rannten geschlossen weiter. Das Adrenalin pumpte durch meine Adern und ich hörte außer meinem Atem und dem Herzschlag nichts mehr. Mein Sichtfeld ähnelte dem Inneren eines Tornados, der trichterförmige Weg, die verschwommene Umgebung, die mit dem Nichts verschmolz, und die absolute Stille im Zentrum - der Sog zog mich dahin. Nach kurzer Zeit hatten wir ihn erreicht, auch Quil stieß endlich zu uns, der die entgegengesetzte Runde lief. Billy lag zusammengekauert auf dem Boden, er rührte sich nicht, sein Puls war sehr schwach. Die Pfeife lag neben ihm, sie war noch warm. Ich stieß ihn mit der Schnauze an die Stirn, sie war heiß und schweißbenetzt. Ich leckte ihm über die glühende Haut, in der Hoffnung, er würde wieder zu sich kommen. Was geht hier vor sich?, fragte Quil. Paul stammelte: Woher wusstet ihr…? Haltet jetzt alle mal die Klappe!, blaffte ich. Billy reagierte immer noch nicht, mir schnürte es die Kehle zu. Ich verlagerte das Gewicht auf die Hinterpfoten und zwang mich zurück in meine menschliche Gestalt. Nackt, wie ich war, ließ ich mich neben Billy nieder, schob die Arme unter seinen schlaffen Körper und stand mit ihm auf. Begleitet von den Jungs rannte ich zurück nach Hause.
Nessie
Es war frisch an diesem frühen Morgen. Der Rasen war mit unzähligen Tauperlen übersät - es sah aus, als ob die Grashalme weinen würden. Die drückende Stimmung wurde durch die Stille, die sich über die Szenerie gelegt hatte, nur noch verstärkt. Das gesamte Rudel hatte sich vor Billys Haus versammelt, keiner sprach ein Wort. Jake, Rachel, und Sam waren im Haus bei ihm, er war immer noch nicht wieder zu sich gekommen. Nachdem die Jungs gestern Nacht so überstürzt davon gerannt waren, hatte ich mit Dad telefoniert. Wir hielten es für das Beste, wenn Carlisle sich um Billy kümmern würde. Sie versprachen sofort anzureisen.
Doch in dem Taxi, welches gerade die Straße herannahte, saß jemand anderes. Es war Rebecca, Rachels Zwillingsschwester. Sie stieg aus und kam direkt auf mich zu. „Hallo, du musst Renesmee sein, richtig? Ich bin Rebecca.“ Ich nahm zögerlich ihre Hand, die sie mir hinhielt. „Ich hab schon viel von dir gehört“, fügte sie an. „Ja, freut mich. Sie sind drin bei Billy.“ Rebecca nickte, lächelte gequält und ging hinein. Das Taxi, das gerade rückwärts stieß, wäre beinahe in Charlies Streifenwagen gerammt, hätte der nicht im letzen Moment gestoppt. Charlies Gesicht war leichenblass, (er wäre beinahe als Vampir durchgegangen), doch nicht wegen dem beinahe Unfall, es war die blanke Sorge um seinen Freund, die sein Gesicht zeichnete. Sue neben ihm sah nicht besser aus. Wildfuchtelnd rangierte er an dem Taxi vorbei, der Fahrer zeigte ihm noch einen Vogel. Charlie jedoch war völlig fixiert und hatte die Beleidung gar nicht registriert, die er sonst sofort hätte ahnden müssen. Schnell fuhr das Taxi davon, der Fahrer schien meine Ansicht zu teilen, und machte sich lieber schnell vom Acker. Mit einem stummen Nicken lief Charlie an mir vorbei ins Haus, Sue legte mir wortlos die Hand auf die Schulter und folgte ihm. Ich ließ mich mit angezogenen Knien neben Seth nieder, der stur geradeaus starrte. Er bearbeitet einen kleinen Holzstock, indem er die Rinde abzupfte, nur um etwas zu tun zu haben. Sue würde mich heute telefonisch in der Schule entschuldigen, ich hätte mich sowieso auf nichts konzentrieren können. Da regte sich etwas im Hausinneren, unsere Köpfe schnellten zur Tür. Es war Sam, der mit schlürfendem Gang zu uns kam. Ich hatte ihn noch nie so gesehen. Die Haare standen in alle Himmelsrichtungen und er hatte dicke Ränder um die Augen, die vergrämt dreinschauten. „Und, wie geht’s ihm?“, fragten alle im Chor. Sam schüttelte den Kopf. „Er ist immer noch nicht bei Bewusstsein, er liegt in einer Art Fieberkoma. Manchmal meint man er spricht einen direkt an, doch dann redet er wieder nur wirres Zeug. Sie versuchen mit Umschlägen das Fieber zu senken, aber er gehört in ein Krankenhaus, meiner Meinung nach.“ Wie aufs Stichwort kam eine dunkle Mercedes-Limousine vor dem Haus zum Stehen. Ohne Zögern stiegen Carlisle und Edward aus. Sie holten die Arzttasche aus dem Kofferraum und liefen, wie Charlie vorhin, kurz nickend ins Haus.
Jake
Gerade hatten wir die kalten Umschläge gewechselt, als Carlisle und Edward zu uns kamen. Gott sei Dank! „Wie geht es ihm?“, fragte der Doc gleich und legte seine Jacke ab. „Vierzig Komma acht Grad Fieber, wir haben ihn mit kalten Wickeln behandelt. Aber er nimmt nichts zu sich.“ Rachel deutete auf den Kräutertee, den wir nach einem alten Rezept aufgebrüht hatten. Carlisle trat neben Billy, hob leicht seinen Arm an, kniff in seine Haut und ließ wieder los. Vorsichtig bettete er den Arm wieder neben ihn. „Es ist nicht nur das Fieber, das unbedingt runter muss - er ist dehydriert.“ Er drehte den Kopf und gab Edward in ruhigem Ton Anweisungen. „Die Infusion mit Kochsalzlösung.“ Edward tat wie ihm geheißen und machte sich an der Tasche zu schaffen. Carlisle sah sich im Zimmer nach einem behelfsmäßigen Ständer oder ähnlichem um, während er die Ärmel seines Hemdes hochkrempelte. Er nahm den Butterfly und das Desinfektionsspray von Edward entgegen und stach in Billys Armbeuge. Dann reichte ihm Edward die vorbereitete Infusionsflasche, die er rasch mit dem Schlauch des Butterflys zusammensteckte. Mit Klebestreifen fixierte er den Butterfly und drehte das Rädchen am oberen Schlauchende voll auf. Die Infusionsflasche wiederum befestigte er am Eisenwinkel des Wandregales. Routiniert fuhr er mit der Untersuchung fort - Überprüfung der Reflexe, Atmung, Puls und Blutdruck.
Mir war der Anblick meines Vaters, wie er so gebrechlich dalag, einfach zu viel. Fluchtartig verließ ich das Zimmer und schloss mich im Badezimmer ein. Die Angst um ihn geißelte mich in einer Starre, wie mir mein angespanntes Spiegelbild verriet. Mit höchster Anstrengung jagte ich mir einen Schwall kaltes Wasser ins Gesicht. Ich blieb einige Zeit schwer atmend über den Waschtisch gebeugt stehen. Die vergangenen vier Stunden saß ich ungerührt auf einem Hocker in der Ecke und konnte dem Treiben um ihn herum nur hilflos zusehen. Ich fühlte mich so klein und unbedeutend, wie die Fliege an der Wand. Ich griff nach dem Handtuch und rubbelte mir über das Gesicht. Schwerfällig verließ ich das Bad und nahm Becky in den Arm, die gerade aus der Küche kam. Sue lief hinter ihr, sie trug ein Tablett mit Tassen frisch aufgebrühtem Kaffee. Wir folgten ihr nach draußen, wo mir Nessie gleich entgegen kam. Wir fielen uns stumm in die Arme. Ich erwartete schon wieder Tränen, doch sie wollten nicht kommen. Plötzlich hielt mich jemand an der Schulter fest. Es war Edward, ich hatte ihn weder gesehen noch gehört. „Jake, du solltest dich hinlegen. Glaub mir, es ist besser so.“ Ich schaute ihn nur ungläubig an. Ich war doch nicht der Patient. Der lag da drinnen mit einer Nadel im Arm; mehr tot als lebendig. Edward jedoch ließ keinen Widerspruch zu und zog mich unnachgiebig in mein Zimmer. Nessie und Rachel folgten uns. Ich ließ mich auf mein Bett fallen und starrte teilnahmslos an die Decke. Vielleicht täte mir etwas Schlaf wirklich gut….Aua! Was soll das denn? Mein Kopf schnellte zu Edward, der mir gerade eine Spritze in den Arm gejagt hatte. Ich bekam nur noch mit, dass er mir sagte, ich würde wohl kein Pflaster brauchen, dann war alles verschwommen und ich war weg.
Nessie
„Was machst du da mit ihm?“ Fassungslos beobachtete ich, wie Edward ihm eine Spritz verpasste. Jakes Blick wurde glasig und die Lider flatterten, bis er dann völlig ruhig in die Kissen fiel. „Beruhige dich! Es wird alles wieder gut werden.“ Mit den Händen umfasste er meine Oberarme und blickte mir tief in die Augen. „Ich soll mich beruhigen?“ Ich merkte erst als er mich umarmte, wie ich am ganzen Körper zitterte. Rachel zog Jake die Decke über und deutete uns nach draußen. Widerwillig ließ ich mich von Edward nach draußen begleiten. Die kühle Luft vor dem Haus ließ mich frösteln, ich schlang die Arme um meinen Oberkörper. Carlisle kam auf mich zu und reichte mir eine Tasse dampfenden Kaffee. „Hier, Kleines. Setz dich.“ Ich griff nach der Tasse und umfasste das warme Porzellan mit beiden Händen - die Wärme breitete sich langsam über die Hände nach oben aus und entspannte meine verkrampften Muskeln. Auf der Treppe der Veranda nahm ich seufzend Platz. Dad setze sich zu mir und legte den Arm um meine Taille. „Er schläft jetzt ein paar Stunden. Das war einfach nur der Schock.“ Ich sah seinen entschuldigen Blick und musste mir eingestehen, dass er wohl Recht hatte. Ich nahm einen tiefen Schluck der heißen Flüssigkeit, die langsam meine Kehle hinunterfloss, dann stellte ich die Tasse auf die Holzdielen und erhob mich, die Hände in die Hosentaschen vergraben. „Dad, lass uns ein paar Schritte gehen, ja?“ Ohne ein Wort stand er auf und wir liefen über die Wiese. „Du brauchst nichts zu sagen, Süße.“ Er grinste mich verschmitzt an. „Rachel hat das schon übernommen – unbewusst natürlich. Außerdem habe ich Augen im Kopf“, fügte er süffisant grinsend hinzu und deutete mit dem Kopf zu meiner Hand. „Bist du sauer?“ Er schüttelte den Kopf und nahm meine Hand. Er drehte sie in seiner eigenen und begutachtete den Ring. „Du bist meine Tochter; ich hatte nichts anderes von dir erwartet“, schmunzelte er und drückte mich an sich. „Der Ring steht dir, ehrlich.“ Sein kalter Atem jagte mir eine Gänsehaut über den Rücken. Mein Blick fiel auf das Haus und ich dachte wieder an Billy. „Wird Billy es überstehen?“ Er folgte meinem Blick. „Ganz bestimmt. Er ist ein Kämpfer.“
Wir ließen uns auf einem moosbewachsenen Stein nieder und beobachteten die aufgehende Sonne, die langsam verschlafen über die Wipfel kletterte, begleitet vom Gezwitscher der Singvögel. Eine ganze Weile saßen wir so da. Ich beobachtete Edward, der mit geschlossenen Augen den Kopf in die Sonne reckte, und ganz gleichmäßig atmete. Er genoss es jedes Mal in vollen Zügen, die wärmenden Sonnenstrahlen auf seiner Haut zu spüren. Wie immer, wenn ich ihn so sah, erfüllte mich ein tiefes Gefühl der Ruhe und des Glücks. Ich konnte mich wirklich glücklich schätzen, eine Familie zu haben, die mich liebte, die mir immer zur Seite stehen würde, und vor der ich nichts verbergen musste. Ohne zu zögern kamen er und Carlisle hierher, um Billy zu helfen. Und um Jake zu helfen, den sie, auch ohne seinen Ring an meinem Finger, als einen Teil der Familie betrachteten. Jake hatte nicht das Glück, sich um seine Angehörigen keine Sorgen machen zu müssen – Krankheit oder Tod, mussten wir Cullens nicht fürchten, im Gegensatz zu seinem Vater. Ich dachte kurz an die Vampir Kinder zurück, die wir damals vor Aro gerettet hatten. Sie waren Waisen, schon früh der Mutter beraubt, in blindem Hass erzogen, und dann mit den Scherben ihrer zerbrochenen Welt vom Vater zurückgelassen. Eleazar, Garret, Carmen, Kate und Tanya hatten sich ihrer angenommen und ihnen gezeigt, dass es im Leben noch mehr gab als Kampf und Vergeltung. Wir hatten die Halbvampire schon seit einigen Jahren nicht mehr gesehen. Wie sie sich wohl verändert haben? „Du kannst sie gerne selbst fragen. Esme und Bella sind mit ihnen im Haus“, antwortete er auf meine Gedanken und lugte aus dem Augenwinkel zu mir, um meine Reaktion zu sehen. „Wow, ich hatte ja keine Ahnung.“ „Das sollte ja auch eine Überraschung werden. Alice konnte sich wohl ausnahmsweise mal zurück halten.“ Ich dachte an unser Gespräch via Laptop. Alice hatte sich also nur unter einem Vorwand gemeldet, und wurde nur durch die Ereignisse hier davon abgehalten, mir die Neuigkeit zu verraten. Ich schüttelte leicht den Kopf und schnalzte mit der Zunge. Edward sah mich missbilligend an. „Sie hat wirklich nichts gesagt, ehrlich.“ Ich hob die drei Finger meiner rechten Hand und nahm Alice somit in Schutz. „Wir sollten zurück gehen“, meinte Edward ganz unvermittelt. Jetzt hörte auch ich die Rufe, die vom Haus her zu uns hallten.
|
|  | | Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Re: Nessie & Jake - Zwischen den Welten Do 22 Sep 2011, 17:31 | |
| Risiko
Jake
Das helle Licht ließ mich blinzeln. Erinnerungsfetzen liefen wie ein schlechter Film an mir vorüber. Mit einem Ruck fuhr ich auf. Mit der hastigen Bewegung riss ich offenbar ein Glas um, das klirrend zu Boden fiel. Das Geräusch schmerzte in meinen Ohren und ein stechender Schmerz fuhr mir durch die Schläfen. Ich kniff die Augen zusammen und atmete tief durch, dann schlug ich die Decke zur Seite und schwang die Beine über die Bettkante. Als ich festen Boden unter den Füßen spürte, stand ich auf. Gerade fragte ich mich noch, was Edward sich dabei gedacht hatte, als sich das gesamte Zimmer zur Seite neigte.
Mit einem ohrenbetäubenden Knall fand ich mich auf den Bodendielen wieder, die mir die herannahenden Schritte, die sich auf mein Zimmer zu bewegten, in den Ohren hämmern ließen. Als erstes sah ich Rachel, die mir mit der Hand unter den Kopf griff. Andere starke Hände griffen nach meinem Arm und ich wurde wieder in die Vertikale befördert. Leicht wankend schritt ich zurück, um mich auf mein Bett plumpsen zu lassen. „Die Dosis hätte dich eigentlich für mindestens vier Stunden schlafen lassen sollen.“ Carlisle nahm mich bei den Schultern und sah mich mit verengten Augen skeptisch an. Ich wehrte mich mit kraftlosem Gezappel, bis er schließlich von mir abließ. „Sei bitte vernünftig. Wir wollen dir doch nur helfen“, bat Carlisle versöhnlich. Mir helfen? Was ist mit Dad? „Kümmert euch lieber um Billy und doktert nicht an mir herum.“ Mein brummiger Ton zeigte Wirkung. Carlisle nickte und schritt aus dem Zimmer. Ich hielt mich weiter mit den Händen am Bett fest und wartete darauf, dass das Zimmer endlich zum Stillstand kommen würde. „Sei nicht so ein verdammter Starrkopf, Jake! Er versucht nur uns zu helfen, dir zu helfen. Ich hatte ihn darum gebeten. Du hast uns allen einen ordentlichen Schrecken eingejagt.“ Ich sah sie ungläubig an und hielt mir den Kopf, der mir mit stechenden Kopfschmerzen zu verstehen gab, lieber nicht ruckartig bewegt werden zu wollen.
Rachel kniete sich mit bekümmerter Miene auf den Boden, sammelte schweigend die Glasscherben zusammen und verließ ohne ein weiteres Wort das Zimmer. Kopfschüttelnd lief sie an Nessie vorbei, die die Arme vor dem Oberkörper verschränkte und mich vorsichtig ansah. „Darf ich rein kommen?“ „Natürlich.“ Nessie war alles, was ich jetzt brauchte. Sie kam langsam näher und setzte sich auf meinem Schoß. Ihren Arm legte sie um meine Schulter und ließ den Kopf sachte auf meinem ruhen. Ich schloss die Augen und konzentrierte mich auf ihre bloße Anwesenheit. Mit den Fingern strich sie gegen den Haarwuchs in meinem Nacken, sodass mir ein Kribbeln durch den Körper fuhr. Ich wurde mit jeder Sekunde ruhiger und klarer im Kopf, doch ich wollte diesen Moment so lange wie möglich auskosten, nachdem ich den vorigen Abend nicht so gestallten konnte, wie ich es eigentlich vor hatte. Ein Klopfen unterbrach unsere Zweisamkeit. Wer um alles…, fluchte ich innerlich. Es war Paul, der den Kopf durch den Türrahmen steckte, hinter ihm standen Seth und Jared. „Jake, wir müssen jetzt los. Der Campingplatz muss zügig für das vorausgesagte Unwetter geräumt werden. Sam hält uns auf dem Laufenden. Kopf hoch, Bruder.“ Ich nickte zustimmend. Das war nun wirklich das Letzte, was wir gebrauchen konnten – verletzte Urlauber. Über die schlechte Verfassung meines Vaters geriet der eigentliche Grund für seinen Zustand beinahe in Vergessenheit; wir mussten weiter abwarten. Hand in Hand lief ich mit Nessie ins Nebenzimmer zu Dad. Carlisle, der neben dem Bett auf einem Stuhl saß, erhob sich und kam auf uns zu.
„Das Fieber ist gesunken. Seine Werte sind wieder stabil.“ Geräuschvoll atmete ich auf und legte mit einem ehrlichem „Danke, für alles“ die Hand auf seine Schulter. Sein Gesicht erhellte sich. „Das war doch selbstverständlich. Er kommt bald zu sich, da bin ich mir sicher.“ Darauf musste ich ihn einfach in meine Arme schließen. Für meine ruppige Art von vorhin gehörte mir eigentlich ein gehöriger Tritt in den Allerwertesten. Er hatte uns schon so oft beigestanden. Ich dachte an die Zeit nach dem Kampf gegen die Jungvampire, an jenem schicksalshaften Tag im Juni seinerzeit, zurück, als er mich wieder zusammengeflickt hatte. In der langen Zeit, die ich mit den Cullens verbracht hatte, war er mir wie ein Vater geworden. Ich hielt sehr viel von seiner Meinung und rechnete es ihm sehr hoch an, dass er immer ehrlich mit mir war.
Was aber als Nächstes geschah, machte mir die ungeheure Macht der Elemente wieder mal in aller Deutlichkeit klar. Ich fühlte mich mit einem Mal hundeelend. Irgendetwas regte sich in mir, ein bedrohliches Gefühl, gemischt mit Nervosität und dem Impuls loszustürmen, mich zu verwandeln und laut los zu heulen. Nessie bemerkte meine innerliche Unruhe. „Jake, was hast du?“ Gute Frage. Ich wechselte mit Carlisle einen vielsagenden Blick, seine Augen verengten sich – er spürte es also auch. Ohne ein Wort zog ich sie mit mir nach draußen, Carlisle folgte uns auf dem Fuße. Draußen erwartete uns ein gespenstisches Stelldichein – das verbliebene Rudel und Edward standen vor dem Haus und starrten gen Himmel. „Das wird richtig übel“, brummte Sam. Mir stellten sich die Nackenhaare auf und ein Schauer jagte den Nächsten durch meinen Körper. Der tierische Urinstinkt warnte uns vor dem, was sich da zusammenbraute. Ich war der erste, der die Beherrschung verlor - es zerrte mich förmlich in meine zweite Gestalt. Ich kauerte mich mit bebenden Muskeln und durchgestreckten Vorderläufen hin, das Gewicht auf den Hinterläufen gestützt. Dann jaulte ich aus vollem Leib laut auf und reckte das Haupt der Bedrohung entgegen. Nach und nach verwandelten sich auch die anderen und wir rannten los, als wäre der Leibhaftige hinter uns her.
Nessie
Ein Kribbeln jagte durch meine Glieder; jetzt spürte auch ich die wellenartigen Vorboten des Unwetters, obwohl allem Anschein nach noch alles ruhig war. Als Jake und die anderen sich nacheinander verwandelten und das Geheule mit jedem Meter, den sie sich von uns entfernten, leiser wurde, schauten Edward, Carlisle und ich noch wortlos in den Wald. Ein schrilles Geräusch ließ uns aufhorchen – es war Carlisles Handy. Am anderen Ende war Alice, die uns vor dem Unwetter warnen wollte. Sie berichtete von ihrer Vision, in der sie ein verheerendes Unwetter sah. Beunruhigt äußerte sie sich über ein Feuer, das am Stadtrand von Forks, wohl durch einen Blitzschlag verursacht, ausbrechen würde. Sofort schoss mir der Zirkus durch den Kopf. Charlie, der von dem Geheule nach draußen gelockt wurde, informierte sofort seinen Hilfssheriff Mark per Funk - die Rettungsmannschaften sollten sich bereit halten. Es lag bereits eine Unwetterwarnung mit Sturmböen vor. Sue und Charlie fuhr zurück nach Forks - es hieß auch die Stadt auf das Wetter vorzubereiten. Edward und Carlisle, die sich beide nicht in der Öffentlichkeit sehen lassen durften, blieben bei den Blacks. Ich machte mich erst einmal auf den Weg zum Haus, um Bella und Esme zu treffen.
Das Wiedersehen mit den beiden, sowie Leighton, Regina, Wyatt, Ranjan, Christopher und Dexter verlief kurz, aber nicht weniger herzlich. Die sechs hatten sich seit unserem letzten Treffen zumindest äußerlich nicht verändert. Vollkommen überrascht war ich allerdings von Leighton und Dexter, die mir händchenhaltend gegenüber standen. Dexter berichtete stolz von Leightons Fortschritte – sie hatte ihre Fähigkeit, Dinge erstarren zu lassen, um ein Vielfaches verstärkt –, was ihren herrlichen blauen Augen ein unbeschreibliches Funkeln verlieh. Die beiden gaben ein wunderschönes Paar ab. Ich freute mich wirklich für sie. Doch leider gab es momentan Dinge, die keinen weiteren Aufschub duldeten. In aller Kürze besprachen wir die Lage. Esme machte sich natürlich wieder die größten Sorgen – um Billy, Charlie, das Rudel, die ganzen Bewohner von Forks. Da ich nicht wusste, wann Jake wiederkommen würde, geschweige denn wo er sich gerade befand, beschloss ich alleine zum Zirkus zu gehen, um den Mendozzas zu helfen, so gut ich eben konnte. „Du gehst auf gar keinen Fall alleine da raus!“, machte Bella deutlich klar, und damit war sie nicht alleine. „Alleine hast du gegen diese Naturgewalten keine Chance. Es sei denn du möchtest das Risiko eingehen, entdeckt zu werden“, gab Esme zu Bedenken. „Wir werden sie begleiten.“ Ranjan, der sich zu Wort meldete, wurde von den anderen in seinem Vorschlag unterstützt. Dankbar nickte ich ihnen zu. Mit diesem Vorschlag zeigten sich auch Bella und Esme einverstanden. Sie machten sich zügig daran das große Haus und unser Häuschen für das Wetter zu rüsten. Viel konnten sie nicht ausrichten, doch untätig rumsitzen und die Hände in den Schoß legen waren weder Esmes noch Bellas Charaktereigenschaft. So trennten wir uns, in der stillen Hoffnung, dass dieser Sturm möglichst rasch an uns vorüberziehen möge.
Jake
Der Rausch, den der Lauf uns bescherte, konnte die Unruhe, die in uns brodelte, nicht mildern. Ohne weiter darüber nachdenken zu müssen liefen wir die festen Routen durch unser Land ab – wie die Motten, die vom Licht angezogen wurden. In La Push angekommen begrüßten uns die laut kreischenden Möwen, die über der unruhigen See im aufbrausenden Wind dahinglitten. Die Wellen schlugen gegen die Bucht; das Grollen wurde in wiederkehrenden Echos über den Strand getragen. Die dunklen Wolken zogen sich stetig, wie ein Gummiband, zusammen, als würde sich der Himmel ob des Schicksals des gesamten Stammes verdunkeln. Ich versuchte mich zu erinnern, hier schon einmal ein solches Wetter erlebt zu haben. Die Region ist zwar für ihr feuchtes Klima bekannt, doch Stürme wie dieser, der sich hier zusammenbraute, waren sehr selten. Die Folgen des Klimawandels treffen uns nun mit voller Härte, oder…. Wollte man uns wirklich für etwas bestrafen, das offenbar schon so lange zurücklag? Das ist bestimmt nur ein Zufall. Sam kam neben mir zum Stehen. Er reckte die Schnauze in die salzige Luft und schüttelte sich. Riecht ihr das auch? Ich tat es ihm gleich – er hatte Recht, irgendetwas mischte sich in die Meeresbrise, die der Wind uns entgegen blies. Vampire? Quil schaute uns an, die Ohren gespitzt, mit wedelndem Schwanz. Nein. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen Wölfe, oder Coyoten. Sam schüttelte wieder den Kopf. Ehe ich mich mit einer weiteren Brise davon überzeugen konnte, war nichts mehr davon auszumachen - wie eine Art Fata Morgana. Seltsam.
Paul, Seth und Jared, die sich bei uns meldeten, vereitelten ein weiteres Rätselraten. Sie riefen uns zu Hilfe - die Fischerboote mussten gesichert werden. Wir machten uns in schnellen Sprüngen auf den Weg zum Quillayute Fluss, der weiter südlich in den Pazifik mündete - dort in der Nähe des Quilleute Oceanside Resorts befand sich der Fischerhafen.
Nessie
Als wir beim Zirkus ankamen, herrschte dort schon rege Betriebsamkeit. Überdimensionale Eisenheringe, die zusätzlich in den Boden gehämmert wurden, sollten die vorhandenen Seile verstärken. Mit einem LKW wurden die Wägen von den umstehenden Bäumen weggefahren – im Halbkreis um das Zelt herum. Ganz offenbar griff hier eine Hand in die Andere. Für die Zirkusfamilie war dies bestimmt nicht das erste Unwetter, das sie bewältigen mussten. Trotzallem bot ich ihnen im Namen aller unsere Hilfe an.
„Können wir euch irgendwie helfen?“ Maria kam mit besorgter Miene zu uns. „Was macht ihr denn hier, Kinder? Ihr solltet zuhause sein. Es wird hier bald ziemlich ungemütlich.“ Ihr weiter roter Rock wehte wild umher, als wollte er den Stier, oder vielmehr den Sturm, um den Verstand bringen. Luke und Lucas kamen auch zu uns, als sie mich sahen. „Wir sind hier bald fertig. Die Tiere fahren wir ins Stadtzentrum; dein Großvater hat uns einen Platz zum Unterstellen angeboten. Wir werden dann in der Gemeindehalle unterkommen. Macht euch keine Sorgen. Wir haben alles im Griff, ehrlich.“ Luke schien keineswegs beunruhigt, was mich auch etwas ruhiger werden ließ. „Aber der sollte bald hier verschwinden.“ Lucas deutete zum Parkplatz gegenüber der Straße, wo ein einsamer Chrysler stand. „Wäre schade, um das schöne Auto.“ Mit dem Mehr an helfenden Händen waren die Anhänger mit den Tiergehegen bald startklar, so verabschiedeten wir uns von den Zwillingen und rannten zurück zum Haus.
Der Himmel hatte mittlerweile jedes Licht verschluckt und es begann zu donnern, vereinzelte Blitze tauchten den gewittrigen Himmel in ein seltsames Licht. Der Wald war vollends verstummt – alle Tiere hatten sich in Sicherheit gebracht. Erleichtert öffneten uns Bella und Esme die gläserne Verandatür und wir versammelten uns im Wohnzimmer.
|
|  | | Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Re: Nessie & Jake - Zwischen den Welten Do 29 Sep 2011, 15:26 | |
| Twister
Jake Dieses Unwetter, welches seiner Bezeichnung nach zumindest kein Hurrikan gewesen war, tobte zwar nur eine halbe Stunde über uns hinweg, doch die Schäden waren verheerend. Von den zahlreichen Fischerbooten am Pier konnten wir nur etwas mehr als die Hälfte retten. Entwurzelte Bäume, abgedeckte Dächer, umgerissene Strommasten und die Verwüstungen in den Straßen bescherten uns einen Anblick des Grauens. Die Feuerwehren waren noch stundenlang damit beschäftigt, einen Brand am Stadtrand von Forks unter Kontrolle zu bekommen. Ein Blitz ist dort wohl eingeschlagen; der Knall war kilometerweit zu hören.
Nachdem sich die Wogen buchstäblich wieder geglättet hatten, ließen wir uns erschöpft an der Außenfassade der Reservats-Schule nieder – auch hier hatte das Dach dem Wetter nicht standgehalten. Die Frustration und die Müdigkeit saßen tief. Mit Schwielen und Schrunden an Händen und Füßen betrachteten wir die Schäden. Der Himmel klarte wieder auf, als wäre nichts gewesen und der Vollmond schenkte uns mit seinem hellen Licht keinen Trost, sondern ein nur noch klareres Bild auf die Verwüstungen.
„Es ist zum Heulen. Jetzt können wir wieder von vorn anfangen.“ Seth vergrub sein Gesicht in den Händen und schüttelte immer wieder den Kopf. Schweigsam betrachteten wir ihn, unfähig etwas darauf zu sagen. Ich ließ meinen Blick in Richtung Forks schweifen, die dicke Rauchwolke hing wie ein Wutschnaubender Drache über den Bäumen. Ich machte mich auf die Suche nach einem Telefon, um Nessie wissen zu lassen, dass es uns gut ginge.
Erleichtert begrüßte sie mich. „Ich bin so froh, deine Stimme zu hören. Wo seid ihr? Wie geht es euch?“ Ich fuhr mir mit der freien Hand über das Gesicht. Meine Augen waren müde und langsam stellten sich die Kopfschmerzen wieder ein. „Wir sind im Reservat. Wo seid ihr? Hat der Zirkus auch etwas abbekommen?“ Auch mich beruhigte es nur ihre Stimme zu hören; dass es ihr gut ging war das Allerwichtigste für mich. „Ich bin mit Charlie beim Zirkus. Erstaunlicherweise ist hier, bis auf einen Riss im Zelt und einem umgestürzten Bauwagen, nichts Schlimmeres passiert. Ganz im Gegensatz zu Newtons Laden gegenüber – sogar die Lagerhalle steht in Flammen“, berichtete sie. „Pass auf dich auf, komm dem Feuer nicht zu nahe! Ich komme zu euch.“ Vampire und Feuer vertrugen sich bekanntermaßen nicht so gut. „Mach dir keine Sorgen. Wir werden in der Stadt nach dem Rechten sehen. Treffen wir uns später am Haus? Bella, Esme, Christopher, Ranjan und die anderen sind da.“ Ich stimmte zu und verabschiedete mich. Doch es half alles beteuern nichts - Sorgen würde ich mir immer machen, sobald sie nicht in meiner Nähe war.
Nessie
Der arme Mike, dachte ich bei mir, als ich mein Handy wieder in der Tasche verstaute. Ich saß auf der Rückbank vom Streifenwagen und beobachtete aus sicherer Entfernung die Löscharbeiten. Charlie, der nur kurz bei Bella und Esme vorbeischaute, musste wieder los, als der Notruf einging. Ich wollte unbedingt mitkommen, als ich erfuhr, dass der Blitz ganz in der Nähe des Zirkus eingeschlagen hatte. Der Laden war das Lebenswerk der Familie Newton, und jetzt war nichts mehr davon übrig. Tragisch, denn so wie es aussah, nahm Mikes Schicksal seinen Lauf. Alice hatte seine Selbstmordabsichten zwar noch nicht bestätigt, doch das war wohl nur noch eine Frage der Zeit. Mir schossen tausend Gedanken durch den Kopf; in den letzten Tagen ist so vieles geschehen - gutes wie schlechtes.
Die sengende Hitze, die vom Brandort ausstrahlte, wallte bis zu mir herüber und verwandelte die feuchte Umgebungsluft regelrecht in eine Sauna. Charlie kam zu mir, er tupfte sich mit einem Tuch über die schweißnasse Stirn. „Wir können hier nichts mehr tun. Sie werden es kontrolliert abbrennen lassen. Tja, das war´s dann wohl.“ Ohne weitere Worte setzte er sich ans Steuer und wir fuhren in die Stadt. Obwohl es mitten in der Nacht war, schlief in Forks keine Menschenseele. Alle waren auf den Beinen und räumten eigenhändig Mülltonnen, abgebrochene Äste und sonstige Gegenstände, die der Sturm überall verstreut hatte, weg. Der Weg zur Gemeindehalle war eine einzige Slalomfahrt. Endlich angekommen, machten wir uns mit den anderen Helfern an die Arbeit. Auch Bürgermeister Davis half voller Solidarität tatkräftig mit. Mit seiner stattlichen Größe und der adretten Erscheinung, die selbst mit Gummistiefel und Handschuhen keine Kratzer abbekam, fiel es mir schwer ihn objektiv zu beurteilen. Die schlechte Meinung, die die Mendozzas von ihm hatten, musste von Missverständnissen herrühren. Ich beobachtete ihn, wie er sich angeregt mit Josè Mendozza unterhielt. Ich machte mir mein gutes Gehör zu Nutze und erlaubte mir das Gespräch aus einiger Entfernung zu verfolgen. „Sie können von Glück reden, dass ihre Tiere nicht Amok gelaufen sind. Ich hätte ihnen das Leben zu Hölle gemacht, Mi señor.“ Der fassungslose Direktor wurde mit dieser Androhung einfach stehen gelassen, denn der Polizeichef störte das vermeintliche „Vier-Augen-Gespräch“.
„Mr. Davis. Der Brandleiter lässt kontrolliert abbrennen. Da ist nicht mehr viel übrig.“ Mit einem Mal verändert sich die Stimmung des Stadtoberhauptes von kontrolliert innerlich brodelnd, hin zu untröstlich, beinahe den Tränen nahe – an dem Mann ist ein Schauspieler verloren gegangen. „Das hätte ich nicht für Möglich gehalten. Gestern erst habe ich mit Mike Newton die Kaufverträge abgeschlossen – die Tinte ist noch nicht einmal getrocknet, und dann sowas!“ Theatralisch breitete er die Arme aus. „Entschuldigen sie mich Charlie. Ich möchte dem Reservat noch einen Besuch abstatten. Der arme gebeutelte Stamm; dort hat es wohl auch noch den Rest erwischt.“ Auf Charlies skeptischen Blick hin, räusperte sich Gordon Davis. „Nehmen Sie mir das bitte nicht übel, Charlie. Aber sie kennen mich doch, ich nehme kein Blatt vor den Mund.“ Charlie nickte nur mit zusammengezogenen Augenbrauen. Zu gerne hätte ich in diesem Moment nur einen kleinen Blick auf die berufliche Zukunft des Gordon Davis werfen wollen – doch ich sah nur diesen dreisten Schnösel vor mir, der im Umgang mit Menschen Manieren eines Neandertalers an den Tag legte. Waren die Bewohner von Forks denn alle blind? Oder lag es nur an meiner feinen Sinneswahrnehmung, dass ich ihn - wenn auch auf den zweiten Blick - durchschaut hatte? Wir beobachteten, wie Gordon Davis in seinen Chrysler stieg und davonfuhr. Hatte ich nicht noch vor einigen Stunden denselben Wagen auf dem Parkplatz bei Olympic Outfitters stehen sehen?
Jake
Ich freute mich wirklich Bella und Esme wiederzusehen, doch konnte ich diese Freude nach den Ereignissen der letzten Stunden nicht recht zum Ausdruck bringen. Wir umarmten uns kurz und übten uns in Smalltalk. Der Besuch aus Denali brachte mir auch keine Ablenkung, immer wieder schaute ich gedankenverloren aus der Fensterfront des Wohnzimmers, die zumindest auf dieser Hausseite unversehrt geblieben war. Bella kam auf mich zu und legte ihren Arm um meine Schulter. „Ich fühle mit dir, Jacob. Es wird schon alles wieder gut werden.“ Mit einem Lächeln auf den Lippen unterstrich sie ihre Überzeugung. Ich rang mir ebenfalls ein Lächeln ab. Da kamen mir die Worte von Madame Cassandra wieder in den Sinn – sie hatte mir wirklich Hoffnung gemacht, doch in diesem Moment fiel es mir verdammt schwer zuversichtlich zu sein. Auch Esme versuchte meine Zweifel zu zerstreuen. Ihre Worte schöpfte sie aus reichlich Lebenserfahrung. „Es geht immer wieder weiter. Im Moment scheint es dir unvorstellbar, aber die Welt dreht sich auch morgen noch und in einiger Zeit wirst du nur noch mit Wehmut an diese Tage zurückdenken, glaub mir. Lass den Kopf nicht hängen, Jacob.“ Ich schaute in Esmes wunderschönes Gesicht, ihr Blick war weich und das Lächeln sprach direkt aus ihrer Seele zu mir. Es gab niemanden der Esme in Sachen Fürsorge und Mitgefühl das Wasser reichen konnte. Dann drückte sie mich an sich. Ich seufzte tief und schluckte all meine Zweifel hinunter. Wer weiß, vielleicht musste man einer Katastrophe erst etwas Positives abgewinnen, indem man nach vorne sah. Meine Aufgabe war jetzt klar – kämpfen bis zum Schluss, mit allerletzter Kraft.
Nessie, die wenig später mit Charlie zu uns kam, erzählte uns von ihren Beobachtungen. Charlie zischte: „Mir war der Typ schon immer suspekt. Ich hab ihn ja auch nicht gewählt“, betonte er mit abwehrend erhobenen Händen. „Ich hab da schon eine Idee, wie wir ihm das Leben etwas schwerer machen könnten.“ Nessie erntete mit dieser Äußerung nicht nur fragende Gesichter. Charlie besann sich natürlich seiner Berufung. „Wenn du vorhast, was ich denke, dann lass dir eins gesagt sein. Es herrschen in diesem Land Gesetze, an die auch ihr euch zu halten habt.“ Er blickte streng von Nessie zu Bella, Esme und zu den anderen Halbvampiren. Könnte mir auch mal jemand erklären, was das für eine tolle Idee sein soll? „So viel Hinterhältigkeit hatte ich dir gar nicht zugetraut“, lobte ich meine Verlobte. Wow, wie das klingt. Trotz all dieser Schreckensnachrichten gab mir allein die Existenz dieses wundervollen Wesens die Kraft weiterzumachen. Ein Blick in ihre warmen Augen reichte aus, um mich an mein Ziel zu erinnern – ein sorgenfreies langes Leben an ihrer Seite. Nachdem sie uns ihren Plan unterbreitete, machten wir uns mit Ranjan auf dem Weg zu Billy - wir mussten nur noch eine Person von unserem Vorhaben überzeugen.
Der neue Tag, der mit zarten Sonnenstrahlen zu versuchen schien, die Opfer der Verwüstung etwas aufzuheitern, würde wieder sehr lange werden - soviel stand fest. Zuallererst wollte ich nach Billy sehen, die Trümmer der Nacht versuchte ich so gut es ging auszublenden. Doch das war gar nicht so einfach. Rebecca, die auf mich zu kam, berichtete mir, dass Rachels und Pauls Haus durch das Unwetter beinahe völlig zerstört worden war. Gott sei Dank ist ihnen und den Jungs nichts passiert. Sie begutachteten gerade was noch von ihren Habseligkeiten zu retten war. Bürgermeister Davis höchstpersönlich, der sich ein Bild von der Lage im Reservat machen wollte, teilte ihnen sein tiefstes Mitgefühl mit. Na danke! Das Gefühlschaos in mir fuhr erneut Achterbahn – hoffentlich würde das alles bald hinter uns liegen.
|
|  | | Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Re: Nessie & Jake - Zwischen den Welten Do 29 Sep 2011, 15:40 | |
| Monopoly
Nessie
Glück und Leid lagen so dicht beieinander in diesen Tagen. Rachels Leid, und das ihrer Familie, ließ mich an meiner Entscheidung zweifeln. Vielleicht sollten wir die ganze Sache verschieben. Wer hat in solchen Krisenzeiten schon Lust zum Feiern? Ich spielte mit meinem Ring und musterte Jacob eindringlich. Er war niedergeschmettert, seine Augen wirkten leer und sein verschmitztes Lächeln war gänzlich verschwunden. Da nahm mich Dad zur Seite.
„Denk nicht mal dran.“ Erstaunt sah ich ihn an. „Du würdest es ihm nur noch schwerer machen. Er liebt dich, ebenso sehr, wie du ihn liebst. Das Leben ist nicht einfach, deshalb ist es so wichtig, jemanden zu haben, mit dem man alles teilen kann; der einem Halt gibt und Sicherheit. Glaub mir, es ist alles richtig, wenn es für euch richtig ist.“ Ich musste blinzeln, um die aufkommenden Tränen zu beherrschen. Ohne Hemmungen vergrub ich mein Gesicht an seiner kalten Brust und ließ einfach mal los. Es war, als ob ein Damm in mir gebrochen wäre. All die Zweifel, der Kummer, die Angst fielen von mir ab – ich schluchzte und er hielt mich einfach nur fest.
Jetzt war ich heilfroh, dass ich für ihn einfach nur sein kleines Mädchen war, das getröstet werden musste. Mein lockeres Rollenmuster kippte in diesem Moment gewaltig. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich wieder gefangen hatte. Ich war erleichtert, dass Jake meinen Ausbruch nicht mitbekommen hatte.
Bevor wir ins Haus gingen wischte Dad mir die letzten Tränen aus dem Gesicht und sah mich misstrauisch an, verwundert über meine sprunghaften Gedankengänge; ich wollte ihn ja eigentlich um etwas bitten. „Würdest du mir einen Gefallen tun?“, fragte ich direkt. „Das kommt ganz darauf an. Ich werde momentan aus deinen Gedanke noch nicht ganz schlau, um ehrlich zu sein.“ Seine Vorsicht war berechtigt, denn ich würde ihn zum Mitwisser in einer heiklen Sache machen, im wahrsten Sinne des Wortes. Doch was kümmerte das schon einen totgesagten Gedankenleser, der mit seiner Gabe seiner Tochter einen Gefallen täte? So drückte er sich zumindest gelassen aus.
Als ich ihm unsere Absichten mitteilte, sah er eher überrascht als entsetzt aus, was ich mit einem verschmitzten Lächeln registrierte. Jake wollte verständlicherweise bei Billy bleiben, doch er wünschte uns viel Glück. Zum Abschied zog er mich an sich und gab mir einen innigen Kuss, der mir wiederum einen dicken Kloss im Hals bescherte - Dad hatte bestimmt Recht.
Jake
Es war früher Samstagvormittag, nach der anstrengendsten Woche, die ich je erlebt hatte. Vor einer halben Stunde verabschiedete ich Edward, Nessie und Ranjan, die auf dem Weg in die Stadt waren. Ich schnarchte immer wieder auf meinem Stuhl weg, während ich darauf wartete, dass Billy aufwachen würde. Carlisle befand sich in der Küche, die sich kurzerhand in ein Lazarett verwandelte. Bradley, Sam und Embry hatten sich leichte Blessuren zugezogen, die zwar von selbst wieder heilen würden, aber zumindest fachmännisch versorgt werden mussten. Sue, Emily und Rebecca sorgten bei den Ateras für die Verpflegung – ein üppiges Frühstück für alle, die unermüdlich bis zur Erschöpfung arbeiteten.
Ich musste wohl wieder eingenickt gewesen sein, denn ein Krächzten ließ mich von meinem provisorischen Lager aufschrecken. Ich musste blinzeln, denn ich war mir nicht sicher, was ich da gerade gesehen hatte. Saß da tatsächlich eine schwarze Krähe auf dem Fensterbrett und funkelt mich an? Doch genau wie gestern am Strand schien sich die Erscheinung in der nächsten Sekunde wieder in Luft aufgelöst zu haben.
„Jacob?“ Wieder schrak ich zusammen. „Dad!“ Ich setzte mich zu ihm und half ihm auf. Erleichtert drückte ihn an mich. Er war noch schwach, aber er erwiderte meine Umarmung. Mir fiel ein ganzer Felsbrocken vom Herzen. Meine Stimmung hob sich augenblicklich; für kurze Zeit vergaß ich all die Schwierigkeiten, die plötzlich sowas von nebensächlich waren. Es dauerte eine Weile, bis er sprach. Argwöhnisch beobachtete ich jede seiner Bewegung. „Wie schlimm ist es?“ Seine Stimme war fest, doch sein Blick war abwesend, als ob er durch mich hindurchsehen würde. „Ähm…das Unwetter?“ Ich zögerte, abwägend, ob er bereits fit genug für schlechte Nachrichten wäre. „Junge?“ Er ließ nicht locker. Ich seufzte. „Die meisten Häuser sind beschädigt - Rachel und Paul sind sozusagen obdachlos -, viele der Fischerboote sind völlig zerstört. Aber es gibt nur einige leicht Verletzte. Carlisle versorgt sie.“ Billy nickte mit gequältem Lächeln. „Carlisle“, war alles, was er darauf erwiderte. „Möchtest du mit ihm sprechen? Er ist hier.“ Er nickte wieder; sein Blick gefiel mir gar nicht. Mit verschränkten Händen schaute er starr aus dem Fenster. Was immer er dort draußen erlebt hatte, es hatte mit den Cullens zutun. Im Innersten hatte ich das die ganze Zeit gewusst, aber ich wollte es mir nicht eingestehen.
Nessie
Wie in einem schlechten Film musste sich Dad hinten auf der Rückbank zusammenkauern, um nicht gesehen zu werden. Doch er trug es mit Humor. „Ich bin ja schon öfters untergetaucht, aber das ist einfach lächerlich.“ Ich kicherte und rang um meinen unschuldigen Gesichtsausdruck, als ich durch die Straßen von Forks fuhr.
Am Rathaus angekommen huschte er im Schutz eines Busches hinter das Gebäude, welches mit hohen Bäumen im Rücken ideale Bedingung für unsere Abhöraktion bot. In Windeseile hatte er Stellung bezogen. Ich schlich möglichst unauffällig zu ihm und kletterte ebenfalls in die Baumkrone, die dem Büro des Bürgermeisters am nächsten war. Ranjan blieb im Auto.
Wir hatten Glück, das Stadtoberhaupt befand sich nach seinem Kurzbesuch in La Push wieder an seinem Schreibtisch. Mit den Füßen auf dem Tisch und einer dicken Zigarre im Mundwinkel, war er in sein Telefonat vertieft.
„Ja, das Unwetter kam genau im richtigen Moment. Besser hätte es nicht laufen können.“ Genüsslich blies er eine Wolke süßlichen Tabakrauch in die Luft. Gordon Davis´ Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung teilte offenbar seine Begeisterung; wir konnten jedes Wort mit verfolgen.
„Sie sind ein ausgefuchstes Genie, Mr. Davis. Ich werde meinen Geschäftspartnern die Unterlagen umgehend vorlegen. Das Angebot wird sehr bald folgen, das garantiere ich ihnen.“ „Es ist immer wieder eine Freude mit ihnen Geschäfte zu machen, Roger.“ Selbstzufrieden wippte er nach Beendigung des Telefonates in seinem Chefsessel vor und zurück. Das schrille Piepen der Sprechanlage holte ihn jäh in die Realität zurück. „Mr. Davis?“ „Ich sagte doch: Keine. Störungen. Miss. Folder“, schrie er seine Sekretärin durch die Anlage an. „Verzeihung, Sir. Aber Mr. Newton muss sie dringend unter vier Augen sprechen.“ Mit rollenden Augen und hochrotem Kopf drückte er die arme Miss Folder weg und stand auf. Missmutig drückte er seine Zigarre aus, zog sein Jackett zu Recht, atmete tief durch, und ging zur Tür.
Dort stand schon ein völlig fertiger Mike Newton neben der Sekretärin, die ihn ins Büro bat. „Möchten die Herrschaften einen Kaffee?“, fragte Miss Folder mit vorsichtiger Miene. Mr. Davis winkte sie nur hinaus und warf ihr einen vernichtenden Blick zu. Armes Ding. Mike nahm auf dem Stuhl vor dem großen Schreibtisch Platz und fingerte nervös an seinem Hemd. Mr. Davis beäugte ihn mit wachsendem Unmut.
„Mike, sagen sie nicht, sie bekommen kalte Füße. Sie spielen hier mit ihrer Zukunft, muss ich ihnen das nochmals deutlich machen?“ Sein Ton war hart, ebenso wie seine Körperhaltung. Er stand hinter seinem Schreibtisch, mit den Händen abgestützt, und fixierte sein Gegenüber wie eine Schlange. „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe. Ich kann nachts kaum noch schlafen, und den Leuten in der Stadt traue ich mich nicht mal mehr in die Augen zu sehen.“ Sein Blick war leidend, flehend. Die Reaktion, die folgte, war zu erwarten. „Sie stecken da mit drin. Ob ihnen das jetzt Unbehagen bereitet, oder nicht, ist mir gleichgültig. Sie profitieren schließlich auch von unserer Vereinbarung.“ Um seine Worte zu betonen, was eigentlich völlig unnötig war, klopfte er immer wieder mit dem Zeigefinger auf die Unterlage. Mike, der völlig eingeschüchtert auf seinem Stuhl saß, gab keine Antwort. „Sobald ich die Versicherungszahlung erhalten habe, bekommen sie ihren Anteil. Dann können sie sich meinetwegen auf Hawaii in ihrem Selbstmitleid suhlen, mein Freund. Und jetzt entschuldigen sie mich, ich habe eine Krise zu bewältigen.“ Nach einem kurzen Knopfdruck auf der Sprechanlage tauchte Miss Folder wieder in der Tür auf. „Begleiten sie Mr. Newton bitte nach draußen. Ich möchte die nächste halbe Stunde nicht mehr gestört werden.“ Die Betonung lag auf „nicht“. Mike trottete leichenblass hinaus. Sobald die Tür hinter den beiden ins Schloss gefallen war, kramte er nach seiner Black Berry, auf der er sofort hektisch rumhackte. Dad und ich tauschten einen fassungslosen Blick. Mir blieb der Mund offen stehen.
Jake
Carlisle stand am Fenster und hörte den Schilderungen von Billy mit versteinertem Gesichtsausdruck stumm zu, die Hände in den Hosentaschen vergraben. Sams Gesicht verdüsterte sich mit jeder Silbe, und auch in mir stieg die blanke Wut auf. Wenn wir alle Billys Worten Glauben schenkten - und das stand außer Frage -, dann teilte der Stamm der Makah die Fähigkeit der Geisterkrieger mit den Quileute-Indianern. Was nach reiflicher Überlegung nicht so abwegig war, schließlich reichten unsere gemeinsamen Wurzeln weit zurück. Der ausschlaggebende Unterschied bestand in der fehlenden Verwandlungsfähigkeit. Die Mythen um Taha Aki waren den Makah ebenfalls überliefert und sie verehrten den alten Häuptling, genau wie wir. Ganz offenbar war Taha Aki, nach seiner langen ruhelosen Existenz, die er nach dem Tod seiner geliebten Frau fristete, in die Geisterwelt übergetreten und wachte fortan über die in der Gegend ansässigen Indianer. Die Entwicklungen, die die Vampire, mit ihrer erneuten Rückkehr in unser Land, zu Zeiten meines Urgroßvaters Ephraim Black, losgetreten hatten, waren ihm ein Dorn im Auge. Die Unvereinbarkeit von Vampiren und menschlichen Wesenszügen in seinem Weltbild, trieben Taha Aki in seiner Wut und seinen Rachegelüsten zu einer weitreichenden Tat. Dass die Nachfahren der ruhmreichen Geisterkrieger das „Kriegsbeil“ mit dem Todfeind begruben, konnte er nicht hinnehmen.
Die genaueren Umstände, wie und wann die Makah über die eigene Geisteskriegergeschichte und den Vertrag mit den Cullens erfahren hatten, waren uns nicht bekannt. Doch es sah ganz so aus, als ob die Makah-Indianer – die, deren Geist den Körper verlassen konnten - in den Meeresbuchten trieben, um die Fischschwärme zu vertreiben. Die Wahrnehmung die wir gestern am Strand von La Push hatten, bestätigten diese Theorie. Doch war es unter solchen Umständen beinahe unmöglich einen offenen Kampf zwischen den Stämmen auszurufen, so wie Territoriums Kämpfe zwischen rivalisierenden Stämmen von je her Teil der offenen Kriegführung in der Vergangenheit bedeuteten. Die Zeiten hatten sich geändert und offenbar saß die Angst, dass die Vampire, die zwar längst nicht mehr hier lebten, sich gegen den eigenen Stamm wenden würden, sehr tief.
Dieses Wissen allein war jedoch nicht die Lösung unseres Problems. Es war undenkbar die offene Konfrontation mit den Makah zu suchen, eher das Gespräch. Doch wie sollten wir argumentieren?
|
|  | | Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Re: Nessie & Jake - Zwischen den Welten Fr 07 Okt 2011, 08:57 | |
| Puzzle
Nessie
Ich hatte ja fast mit allem gerechnet, doch dieser Gordon Davis war an Berechnung und eiskaltem Kalkül nicht zu überbieten. Versicherungsbetrug und Erpressung – anders war sein Verhalten Mike gegenüber nicht zu benennen -, dieser Mann schreckte vor nichts zurück. Neben dem Gehörten verriet mir Dad noch die gewissen Hintergrundinformationen, die die losen Puzzleteile zu dem schonungslosen Ganzen zusammen fügten. Besagtes Angebot, welches bald auf seinem Schreibtisch landen sollte, waren die Pläne für ein gigantisches Einkaufszentrum – dem Lebenstraum eines geltungsbedürftigen Politikers –, dem bisher ein nutzloses Geschäftsgebäude und ein äußerst lästiger Wanderzirkus, der mit seinem Timing all seine Pläne gefährdete, im Weg standen. Tja, aus unserer Sicht lag die Sache ganz klar, aber wir hatten keinerlei Beweise auf der Hand, die diesem Monster ein für allemal das Handwerk hätte legen können. Doch auch ohne konkrete Beweise wäre der Polizeichef durchaus berechtigt, sich den Brandort genauer anzusehen. Dad und ich trennten uns - er wollte Mike unauffällig auf den Fersen bleiben, ich machte mich auf den Weg zu Charlie.
In der Polizeistation saß Charlie mit gesenktem Kopf an seinem Schreibtisch, der mit Stapeln von Papier überhäuft war. Er blickte überrascht auf, als er mich bemerkte. Er wirkte müde und erschöpft, wie alle in der Stadt. Mit der Hand fuhr er sich kurz über den Dreitagesbart und räusperte sich. „Nessie, Liebes. Was gibt es denn?“ Er führte langsam seine Kaffetasse an den gespitzten Mund und nahm einen Schluck des schwarzen Gebräus, das seine Lebensgeister wecken sollten. Ich setzte mich ihm gegenüber und beugte mich über den Schreibtisch. Mit erhobenen Augenbrauen stellte er die Tasse wieder ab und bewegte sich auch auf mich zu. „O.K., was ist los?“
Charlie von einer Besichtigung des „Tatortes“ zu überzeugen, war nicht sonderlich schwer. Seine Augen blitzten regelrecht auf, als ich ihm die ganze Geschichte erzählte. Mit entschlossenem Blick stolzierte er aus seinem Büro und nach einigen formellen Kleinigkeiten, die erledigt werde mussten, fuhren wir los.
Gut zehn Minuten später trafen wir uns mit Patrick Wilder, dem Leiter des forensischen Labors, und Brandleiter Scott am Brandort. Die Hitze lag noch immer über dem Ort des Geschehens. Gasförmige Wellen, die sich vom Boden empor züngelten, tränkten die Luft mit schwefelhaltigem beißendem Gestank. Wir zogen die Masken über, die uns Mr. Scott reichte, und beobachteten die Arbeiten der Sachverständigen. Nur wenige Minuten später brachte uns ein Funkspruch am Streifenwagen die Nachricht, auf die wir so lange gewartet hatten. Im Gefühlstaumel um Billys Genesung fielen wir uns gegenseitig in die Arme.
Jake
Nach einigen Minuten, in denen jeder von uns die Neuigkeiten erst einmal sacken ließ, war es Sam, der nach einem Telefonat mit Emily, fluchtartig das Haus verließ. Offensichtlich war etwas mit Josh. Die unausgesprochene Frage hing nahezu greifbar in der Luft, doch keiner wagte es sie zu stellen, denn wir alle wussten, was das zu bedeuten hatte. Carlisle verließ schweigend das Haus; ich lief ihm hinterher. So gut kannte ich ihn mittlerweile, um zu wissen, wie sehr er sich diese Sache zu „Herzen“ nahm. Er gab sich zumindest eine Mitschuld an der ganzen Geschichte, schließlich hatte er den Vertrag mit unseren Vorfahren geschlossen. Starr blickte er in die Ferne, als ich neben ihn trat.
„Es tut mir leid, ehrlich. Was können wir tun, um euch zu helfen, Jacob?“ Seine Stimme drückte echtes Bedauern aus. Ich zog nachdenklich die Stirn in Falten. „Ich fürchte nicht viel. Sie werden uns wahrscheinlich nicht einmal zuhören wollen, geschweige denn dem Feind gegenüberzutreten.“ Entschuldigend zuckte ich mit den Schultern; Carlisle nickte zustimmend. Überrascht reckte ich den Kopf; mit dem kühler gewordenem Wind nahm ich einen mir wohlbekannten Geruch auf – es waren Emmett, Rosalie, Alice und Jasper. Carlisle lächelte verschmitzt. „Glaubst du wir lassen euch mit den Problemen hier alleine?“ Seine weißen Zähne blitzten in der sich langsam verdunkelnden Sonne; mittlerweile kehrte das für Forks übliche Wolkendeckchen über den Himmel zurück. Auch ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen und legte ihm dankbar die Hand auf die Schulter.
Als am frühen Nachmittag alle bei uns eintrafen, mussten wir erst einmal die Fakten sortieren. Leider waren wir gezwungen ruhig und überlegt zu handeln; die richtige Vorgehensweise war von entscheidender Bedeutung. Die Neuigkeiten aus Forks hauten mich keineswegs um; mittlerweile hatte ich mir ein eigenes Bild von Gordon Davis gemacht. Nennt es inneren Instinkt oder Aura. Um bei dem tierischen Vergleich zu bleiben, stellt man fest, dass manche Menschen von Hunden mit Schwanzwedeln, andere hingegen mit Gekläffe begrüßt werden - Gordon Davis gehörte definitiv zur letzteren Sorte.
Als auch Edward von seiner „Schattenmission“ zurückkehrte, nahm ich Nessies Hand und sah sie vielsagend an. Obwohl ja eigentlich sie mir den Antrag gemacht hatte, wollte ich trotzdem in aller Form bei meinem Schwiegervater in Spe um ihre Hand anhalten. Bei dem Gedanken verzog ich unwillkürlich mein Gesicht; ich musste die Zähne zusammenbeißen, um nicht laut loszubrüllen. Nessie interpretierte meinen Blick völlig richtig und strahlte. Wir wussten genau, dass sich Edward das nicht nehmen lassen würde, so liefen wir zu ihm. Er stand etwas abseits, mit Bella im Arm. Seinem typischen schiefen Lächeln konnte ich entnehmen, dass er wusste, was jetzt auf ihn zukam. Ach, scheiß drauf - Augen zu und durch, Jake.
Nessie
„Na komm schon, so schlimm wird’s schon nicht werden“, redete ich aufmunternd auf ihn ein. Jake war durchaus bewusst, dass Dad schon „eingeweiht“ war, natürlich. Ich drückte ihm fest die Hand. Alice, die mit Jasper neben den beiden stand, grinste uns verräterisch an.
„Hey, Bella, Edward.“ Nervös kratzte sich Jake die Stirn und fuhr dann fort. „Tja, normalerweise müsste ich jetzt mit dir über Büffel oder Pferde verhandeln, aber... naja, außer meinem Herz hab ich nicht viel zu bieten.“ Er hob dabei unsere verschränkten Hände und küsste meinen Handrücken. Dad lachte und hielt ihm seine Hand entgegen; Mom drückte mich an sich. Mit einem Zwinkern erklärte sie: „Mehr braucht sie nicht, Jacob.“ Dann umarmten sich auch Jake und Dad. „Du weißt, was dir blüht, wenn du sie nicht glücklich machst?“, brummte Dad. Alice applaudierte und hüpfte auf und ab. Charlie, der offensichtlich der einzige war, der nicht schon vorher Bescheid wusste, schaute uns skeptisch an. Mit dem Zeigefinger deutete er abwechselnd zwischen uns hin und her. „Heißt das, ich werde bald wieder gezwungen sein in einen Smoking zu steigen?“ Mom und ich brachen in schallendes Gelächter aus. Alice zog eine Augenbraue hoch und fauchte Charlie leise an, worauf er abwehrend die Hände hob. „Schon gut, schon gut. Ich hab ja nur eine Enkelin.“ Dann kam er zu mir und drückte mich an sich. „Jake ist ein netter Kerl. Ich freu mich für euch.“ „Danke, Charlie“, brachte ich kaum verständlich heraus.
Jake wurde von seinen Jungs abgeklatscht und Rachel schob Billy in seinem Rollstuhl zu uns. Er war noch etwas blass für seine Verhältnisse, doch seine Haltung war schon wieder erhaben; die Haltung des Stammesführers. Er lächelte mich an und nahm meine Hand in seine. „Ich freue mich, dich in der Familie willkommen zu heißen, Renesmee. Du magst vielleicht denken, mir wäre ein Mädchen mit indianischer Herkunft lieber, aber da irrst du dich. Ich wusste von Anfang an, dass du die richtige für ihn bist. Mach dir keine Gedanken um die Zukunft - das Schicksal wird sich erfüllen.“ Wehmütig betrachtete er meinen Ring – den Ring, den einst Jacobs Mutter getragen hatte. Ein Schauer lief mir über den Rücken; Jake fiel seinem Vater um den Hals. Nun waren es Rachel und Rebecca, die mich umarmen wollten, doch ich war mit meinen Gedanke ganz woanders. Was ist denn nun mein Schicksal, unser Schicksal? Und können wir Mikes Schicksal doch noch abwenden?
Jake
Billys Worte ließen mir ein paar Tränen über die Wangen kullern. Er hätte nichts Schöneres sagen können. Mit einem leisen „Danke“ drückte ich ihn, wobei er mir über den Rücken strich. Nach dem allgemeinen Trubel um unsere Verlobung, nahm mich Embry zu Seite. „Jake, wenn ihr mit den Stammesführern der Makah ein Treffen einberuft, möchte ich dabei sein. Du weißt, meine Mutter ist eine Makah. Wir sollten es wenigstens versuchen“, bot er an. „Danke, Bruder.“ Mehr war nicht zu sagen. Es ehrte ihn, sich als Vermittler in dieser Angelegenheit anzubieten. Billy und Seth stimmten mir zu und so war es beschlossene Sache. Jetzt mussten wir nur noch Waneta, den Stammesführer der Makah, zu einem Treffen überreden; das war Billys Aufgabe. Mit dem nächsten Schritt, den wir in Angriff nehmen wollten, kehrte das Funkeln in seine Augen zurück - die Vorstellung endlich einer Lösung nahe zu kommen, gab ihm enorme Kraft.
Kraft, das war mein Stichwort. Ich entschuldigte mich bei Nessie und meiner Familie und machte mich auf den Weg zu Sam. Josh in diesem Moment beizustehen, sah ich als meine Pflicht als Alphatier an. Ich spürte Seths Blick in meinem Rücken, als ich mich verwandelte und losrannte. Auch ohne unsere telepathische Fähigkeit wusste ich, dass er mich in dieser Rolle akzeptierte, schließlich hatte ich auch ihm, vor all diesen Jahren, durch die Verwandlung geholfen.
Nessie
Natürlich verstand ich, dass Jake Josh und seiner Familie in dieser Zeit beistehen wollte. Wir stützen uns gegenseitig in unseren Bestimmungen und unseren Wünschen, so wie es alle Paare tun sollten. Trotz all der Unterschiede, die uns trennten, fingen wir uns in der Sicherheit und dem endlosen Vertrauen des Anderen wieder auf.
In der Zwischenzeit hatten wir alle Hände voll zu tun; bei den Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten an den Gebäuden wollten Emmett, Rose, Bella und Esme tatkräftig mit anpacken. Carlisle kümmerte sich weiterhin mit all seiner Ruhe und Erfahrung um die Verletzten und um jene, die mit ihren Kräften einfach am Ende waren. Charlie erfuhr zwischenzeitlich von Patrick Wilder, dass es keine eindeutigen Hinweise auf Brandstiftung gäbe, er aber die Reifenspuren eines Chrysler am Tatort gefunden habe. Dass Gordon Davis unmittelbar vor dem Brand am Tatort gewesen war, konnten auch die Mendozzas bezeugen, die, ebenso wie ich, den Wagen dort stehen sahen. Doch er würde auf Verdächtigungen dieser Art wahrscheinlich die Besichtigung mit Mike vor Vertragsabschluss entgegensetzen, und wäre somit gewarnt. Alice und Jasper, die sich dort etwas genauer umgesehen hatten, fanden Aschereste seiner teuren Zigarrenmarke in der Nähe des Parkplatzes. Außerdem lag ein kaum auszumachender feiner Hauch von Ethanol in der Luft, berichteten sie.
Dad, der mich beiseite nahm, berichtete mir von seinen Beobachtungen. Mike ging es wohl wirklich schlecht. Er zog sich immer mehr in seine kleine Wohnung zurück und selbst seine Mutter kam nicht mehr an ihn heran. „Er ist zutiefst deprimiert. Er war der festen Überzeugung das richtige getan zu haben. Die Rechnungen stapeln sich förmlich turmhoch auf seinem Tisch. Ihm hängt die Bank, wegen der Pachtschulden für die Tankstelle, im Nacken. Und seinem Vater geht es auch immer schlechter. Da kam ihm das Angebot von Davis wie ein Geschenk vor. Doch er ist im tiefsten Inneren ein anständiger Mensch; die mitleidigen Blicke und tröstenden Worte seiner Mitmenschen empfindet er als Schmach.“ In seinen Schilderungen unterbrach er und nahm seufzend einen Stein vom Boden, den er abwechselnd von der einen Hand in die andere fallen ließ. „Er selbst hat mit dem Feuer nichts zu tun, darum wollte sich Davis kümmern. Er hat Mike mit dem Geld nur den Mund stopfen wollen.“ Ironisch lachte er auf. „Tja, dumm gelaufen.“ „Was sagt Alice?“, fragte ich. Es würde mich interessieren, ob er seinen schwerwiegenden Entschluss schon gefasst hatte. Dad schüttelte den Kopf. „Nein, aber er denkt darüber nach. Und das macht mich wütend.“ Er umfasste den Stein in seiner rechten Faust, bis dieser zu bröseln begann, dann schleuderte er ihn in die Ferne.
|
|  | | Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Re: Nessie & Jake - Zwischen den Welten Fr 07 Okt 2011, 09:14 | |
| Mensch, ärgere Dich nicht
Jake
Emily reichte mir einen neuen Wickel, den ich Josh auf die schweißnasse Stirn legte. Sam drückte ihn auf seinem Lager nieder, denn die unbändige Kraft, die in ihm wütete, ließ ihn zappeln wie einen Fisch auf dem Trockenen. Schon seit Stunden rang er mit den Veränderungen, die sein Körper durchstehen musste. Ich erinnerte mich noch gut an meine eigene Verwandlung. Das Gefühl, als ob dir jeder Knochen im Leib brechen würde, und das Reißen der Muskeln und Sehnen waren nicht mal das Schlimmste. Dieses Brennen, hervorgerufen durch den Anstieg der Körpertemperatur, hielten einem in heftigste Fieberkrämpfe und Wahnträume gefangen. In wenigen Stunden würde er sich das erste Mal in einen Wolf verwandeln. Sam und ich wären bereit, ihm zu folgen und um ihn zu beruhigen, denn in diesem Zustand, in dem er sich jetzt noch befand, war er nicht ansprechbar.
Emily lief unruhig und leise schluchzend zwischen Küche, Bad und Joshuas Zimmer hin und her. Ab und an träufelte sie mit zittrigen Händen Wasser in seinen Mund. Sam blickte ihr tief in die Augen. Er versuchte sie zu beruhigen, ihr Mut zu machen und Kraft zu geben – das eigene Kind leiden zu sehen, setzte ihr sichtlich zu. Josh riss die Augen auf. „Dad, was geschieht mit mir?“, keuchte er. „Hier. Trink, mein Sohn.“ Sam reichte ihm Wasser, welches er in einem Schluck hinunter kippte. Sam schaute uns mitleidig an - diese Frage zufriedenstellend zu beantworten, war schier unmöglich. „Lass uns ein wenig frische Luft schnappen, o.k.?“, schlug ich vor und griff Joshuas Hand.
Es war bereits tiefste Nacht; die Luft hatte deutlich abgekühlt und die dichte Wolkendecke legte zusätzlich pechschwarze Schatten über den Wald. Wie benommen torkelte Josh in unseren Armen durch den Garten. Emily stand an den Türrahmen gelehnt und sah uns sorgenvoll hinterher. Joshuas Körper zitterte wie Espenlaub. Kaum waren wir außer Hör- und Sichtweite brach er schließlich schreiend zusammen. Er krümmte sich und verfiel in ein unkontrolliertes Zucken. Ich riss mir das Shirt vom Leib, Sam ebenso. Dann ging alles ganz schnell. Es schien ihn von der Mitte her förmlich zu zerreißen; die Kleiderfetzen flogen umher und mit lautem Knurren landete er auf nun mehr vier Pfoten. Mit angstvoll geweiteten Augen schaute er sich um und lief unruhig auf und ab; sein Fell schimmerte in einem dunklen Anthrazit, beinahe so dunkel wie Sams. Im selben Moment verwandelten wir uns und versuchten beruhigend auf ihn einzureden. Junge, wir sind es, Jacob und Dad. Du musst dich erst einmal beruhigen, begann Sam. Es ist alles in Ordnung. Tief atmen, so tief wie möglich , fuhr ich fort und näherte mich ihm vorsichtig. Automatisch wich er vor mir zurück und ging abwehrend in die Hocke. Dad? Was heißt hier in Ordnung? Wie ist sowas möglich? Ich…du…Jake?
So viele Male mussten wir die jungen Wölfe in die Geheimnisse des Stammes einweihen, sooft waren wir Zeugen der unwirklich scheinenden Veränderung geworden – doch jedes Mal blutete uns das Herz, zu wissen, dass wieder ein junger Mensch dieses Schicksal mit uns teilen musste. Stundenlang streifen wir zu dritt durch die Wälder und beantworteten ruhig seine Fragen. Die Flut an Neuigkeiten brach wie eine große Welle über ihn herein; immer wieder wiederholte er ein kopfschüttelndes „Das glaub ich einfach nicht.“.
Nessie
Nachdem der Sonntagabend mit Nieselregen dieses Unglückswochenende endlich beschloss, kehrte am Montagmorgen wieder der Alltag in Forks ein. Jeder versuchte auf seine Art in der Routine der harten Realität zu entfliehen. Auch in der Schule gab es natürlich nur ein Thema – oder besser gesagt zwei.
Während der Mittagspause tauschten sich die Schüler laut schnatternd beim Essen über das Erlebte aus. Luke, Lucas, Melinda und ich saßen an unserem mittlerweile angestammten Tisch. „Das Zelt ist heute Nachmittag schon wieder in Stand gesetzt. Die Vorstellung am Abend findet dann wie üblich statt. Hoffentlich kommt überhaupt jemand“, lamentierte Luke mit Melinda. Derweil starrte ich schweigend aus der Fensterfront und zupfte an meinem Bagel. Als ich meinen Blick wieder über den Tisch schweifen ließ, starrte mich Melinda mit großen Augen an. „Was ist?“ „Wow, ist das das, was ich denke, das es ist?“ Ich blinzelte über ihr Satzungetüm und folgte ihrem Blick, den sie auf meinem Ring geheftet hielt. „Ähm… Ja, ich denke schon“, grinste ich. „Gratuliere, das scheint ja bei den Cullens schon fast eine Familientradition zu werden, was? Das mit dem jung heiraten, meine ich“, lachte sie und nahm mich in den Arm. „Aber du hast ganz Recht, diesen heißen Typen würde ich mir auch nicht durch die Lappen gehen lassen“, erklärte sie mit einem Schmunzeln auf den Lippen und zwinkerte mir zu. Ich fühlte mich plötzlich wie der Mittelpunkt des Universums. Es tat unglaublich gut, das alles mit Freunden teilen zu dürfen. Andererseits spürte ich die Blicke der anderen im Rücken, die sich zu fragen schienen, was es an solch einem trostlosen Montag denn zu lachen gäbe. Aus dem Augenwinkel nahm ich am anderen Ende des Speisesaales Celeste wahr, die mit zusammengepressten Lippen unser Grüppchen misstrauisch beäugte. „Zu was darf man denn gratulieren, wenn die Frage gestattet ist?“, wollte Lucas wissen. Melinda kam mir mit der Antwort zuvor. „Na, Nessie und Jake sind neuerdings verlobt.“ So setzte sich die Umarmung fort. Als Melinda im allgemeinen Trubel in Lukes Arm lag, meinte ich ihr Herz für einen Moment aussetzten zu hören, nur um gleich darauf wie ein junges Fohlen davon zu galoppieren. Augenblicklich fokussierte ich meine Sinne auf Luke – ihm ging es ähnlich. Auch mir wurde ganz warm ums Herz vor Freude. Doch ganz offensichtlich gönnte das nicht jeder den beiden. Ich konnte Celestes eifersüchtige Aura förmlich spüren, als sie an uns vorbei kam. Der Klang ihrer klappernden Hacken sprach eine eindeutige Sprache. „Na, da haben sich ja die richtigen gefunden. Das Mauerblümchen und der Vagabund.“ Abwertend schnalzte sie mit ihrer Zunge und lief kopfschüttelnd an uns vorbei. Melinda und Luke verweilten einen kleinen Moment in ihrem Blick und wandten sich uns wieder zu. Lucas sah seinen Bruder unschlüssig an. Es war bestimmt nicht einfach für die beiden, sich nie richtig an jemand binden zu können.
Jake
Rachel und Paul waren bei uns zum Mittagsessen, die Jungs waren schon fertig und spielten vor dem Haus. Rebecca tischte uns Griesspudding zum Nachtisch auf und gab Billy seine Tabletten. Er nickte und kippte sie mit einem Schluck Wasser herunter.
„Wie geht es Joshua?“, fragte er, als er das Glas wieder abstellte. „Hat er sich mittlerweile wieder regeneriert?“ Die ersten Tage dieses Daseins waren sehr anstrengend für den Körper und auch für die Psyche; wir alle hatten unsere Schwierigkeiten am Anfang mit der Umstellung. „Er schläft recht viel, aber heute Abend wollen Sam, Seth und ich mit ihm auf Patrouille gehen“, antwortete ich ihm. Dad nickte nachdenklich, da klopfte es an der Tür. Rebecca kam kurz darauf mit einem selten Gast zu uns in die Küche – es war Gordon Davis. „Mahlzeit, ich hoffe ich störe nicht“, grinste er uns unschuldig an. In der einen Hand hielt er seinen Regenschirm umklammert, in der anderen hatte er einen Aktenordner. „Darf ich mich setzten? Mr. Black, ich hörte von ihrer Krankheit. Hoffentlich sind sie bald wieder vollständig genesen.“ Stumm schauten wir ihn an, Paul stand auf und bot Davis seinen Platz an. Rebecca und Rachel sahen sich misstrauisch an und räumten schnell den Tisch auf. „Mr. Davis. Danke für ihre Wünsche.“ Er deutete auf den Stuhl und Mr. Davis setzte sich. „Ist das der eigentlich Grund ihres Besuches?“ Billy legte die Hände in den Schoss und lächelte ihn ironisch grinsend an, ich musste mir ein Lachen verkneifen. Davis räusperte sich und machte sich an seinem Ordner zu schaffen. „Sie haben Recht, Mr. Black. Ich komme heute mit einem lohnenden Angebot zu ihnen, welches ich ihnen unterbreiten möchte.“ Angebot? Mit verengten Augen sah mich Paul an, dann starrten wir wieder entgeistert den Bürgermeister an. „Keine Angst, meine Freunde. Ich möchte ihnen einen Gefallen erweisen. In den vergangenen Tagen habe ich mir ein genaueres Bild des Reservates gemacht. Ich war zutiefst erschüttert, wie sie hier leben müssen. Die Folgen dieses Unwetters haben ja beinahe alles zunichte gemacht.“ Kurz wartete er auf eine Reaktion unsererseits. Als er außer fragenden Gesichtern keine Antwort erhielt, blätterte er in seinen Unterlagen. Er reichte Billy einen Zettel, den er aus dem Ordner nahm. Zögerlich nahm Billy das Schreiben entgegen und ließ sich von Rachel seine Brille geben. Mir war die Miene dieses Dreckskerls eine Spur zu siegessicher; ich traute ihm nicht über den Weg. Was um alles in der Welt war das für ein Angebot? Billy ließ das Stück Papier auf den Tisch gleiten und zog sich energisch die Brille von der Nase. „Mr. Davis. Was soll das sein?“, wurde er leicht gereizt. Ich griff nach dem Fetzen und überflog die Zeilen. Es dauerte nicht lange, bis ich den Inhalt des Schreibens erfasst hatte. Meine Hand verkrampfte sich um den Fetzen und knüllte ihn zusammen, dann warf ich ihn Mr. Davis vor die Füße. „Sie sollten sich nicht vorschnell dagegen wehren. Seien sie froh, dass ich ihnen diese Chance unterbreite. Es ist nur ein Akt reinster Nächstenliebe, ihnen aus ihrer Not helfen zu wollen.“ Diese Worte brachten das Fass zum Überlaufen. So schnell, dass dabei der Stuhl umflog, stand ich auf und trat ihm gegenüber. Er stand ebenfalls auf und spannte die Kiefermuskeln an. „Raus hier! Betrachten sie das als ein Nein.“ Energisch wies ich ihn zur Tür. Ungerührt klappte er seinen Ordner zusammen, nahm ihn wieder an sich und straffte die Schultern. „Das werden sie noch bedauern. Aber man kann ja wohl niemanden zu seinem Glück zwingen.“ Sein Blick schweifte durch die Runde, die ihn kollektiv mit blitzenden Augen musterten. „Machen sie sich keine Umstände. Ich finde schon selbst hinaus. Guten Tag.“ Damit verschwand er wieder. In meinem Zorn nahm ich den erstbesten Teller, der mir in die Finger kam, und warf ihn gegen die Wand. „Was denkt der sich eigentlich?“ Meine Stimme bebte vor Wut. Manche Menschen denken mit Geld könnte man alles kaufen. Das Angebot, welches er uns aus reinster Nächstenliebe unterbreiten wollte, sah vor, die Umsiedlung des Reservats ins Landesinnere zu veranlassen. Wahrscheinlich war in seiner abgedrehten Welt La Push schon ein Privatstrand mit Segelschule und Nobelclubhaus. Paul und ich stiefelten nach draußen – Ryan und Peter sahen uns unschlüssig nach, als wir im Wald verschwanden.
Nessie
Am Nachmittag trafen sich die Mitglieder der Schülerzeitung in den Kellerräumen zu Redaktionsschluss, um die letzten Änderungen zu besprechen. Zu meiner Überraschung war auch Lance unter den Anwesenden. Er stellte sich mir mit zuckersüßen Worten vor. „Freut mich, dich in unserer Mitte begrüßen zu können. Ich bin Lance, ich schreibe die Sportberichte für den „Spartaner“.“ Er grinste dabei über das ganze Gesicht, setzte sich neben mich, und reichte mir seine Hand. Ich konnte von Glück reden, dass Celeste nicht anwesend war – sie wäre jetzt wahrscheinlich wie eine wütende Hyäne über mich herfallen. Mit vorsichtiger Miene schüttelte ich seine Hand. „Freut mich. Ich bin Nessie.“ Er nickte mir besonders herzlich zu. Gideon studierte währenddessen mein Interview und nickte zufrieden. „Hört mal alle her. Das ist Renesmee, sie wird uns künftig mit einigen Reportagen usw. unterstützen. Das Interview mit den Zwillingen ist dir schon mal sehr gut gelungen.“, sagte er zu mir gewandt. Melinda begann zu applaudieren und die anderen stimmten mit ein. „So, aus gegebenem Anlass müssen wir einige Änderungen am Layout vornehmen. Melinda hast du den Leitartikel über das Unwetter fertig?“, wandte er sich an sie. Melinda nickte und reichte ihm ihren Bericht. Nach einigen kurzen Änderungen war die nächste Ausgabe durch und bereit für den Druck. Alles in allem wurde ich recht herzlich in das Team aufgenommen, was nicht zuletzt an Melinda und Lance lag, die sich sehr um mich bemühten. Bevor sich die Runde auflöste, kam Gideon noch auf Melinda und mich zu. „Hört mal, ich habe gehört, dass Bürgermeister Davis heute Abend eine Sitzung im Gemeindesaal einberufen hat. Renesmee, dein Großvater geht doch bestimmt auch hin. Ich brauche unbedingt jemanden vor Ort, könntest du ihn nicht begleiten?“ So, wie er die Frage formulierte, war es zwecklos ihm auch nur mit einem „vielleicht“ zu antworten, so nickte ich und sagte: „Ich werde dabei sein.“ Er nickte zufrieden und ging. Melinda sah mich fragend an. „Ich wusste gar nichts von einer Sitzung. Du etwa?“ Ich schüttelte nur den Kopf. Ich konnte mir aber schon denken, was der Grund für die dringliche Sitzung war.
|
|  | | Melek

Anzahl der Beiträge: 44 Anmeldedatum: 23.07.11
 | Thema: Re: Nessie & Jake - Zwischen den Welten Do 27 Okt 2011, 11:12 | |
| Wer hat Angst vorm großen, bösen Wolf?
Jake
Die Nachricht des vermeintlich guten Angebotes von Davis machte im Reservat schnell die Runde. Dementsprechend war die Stimmung geladen und die Emotionen kochten hoch. Welches Maß an Gier und menschenverachtender Gedankenlosigkeit war nötig, um solch ein Arsch zu werden? Die Zeiten der Vertreibung der Ureinwohner dieses Kontinentes lagen, zumindest unserer Meinung nach, lange hinter uns. Die Rechte der Indianer wurden, in jahrzehntelangem Kampf unserer Vorfahren, mühsam errungen. Nicht um sie, des Geldes wegen, leichtfertig wieder aufzugeben. Unsere Heimat, unser Lebensraum, die Ruhestätten unserer Toten – all das aufzugeben war keines noch so kleinen Gedankens würdig. Billy hatte sich, nach Davis ‘Auftritt, mit Charlie in Verbindung gesetzt, und von ihm von einer eilig einberufenen Versammlung am heutigen Abend erfahren. Diese Gelegenheit kam uns gerade recht. Sam, Seth und ich planten dieser Veranstaltung beizuwohnen. Es machte uns natürlich neugierig, was dieser - ich halte mich hier in meinen gewünschten Beschreibungen lieber zurück - zu sagen hatte. Die geplante Patrouille mit Josh mussten wir wohl oder übel auf den nächsten Abend verschieben. Als wir dann aber auf dem Weg nach Forks die Grenzen der Cullens streiften, ergab sich da leider noch ein anderes Problem, welches es zu beheben galt.
Die aufgebrachte Gedankenstimme des jungen unerfahrenen Wolfes im Ohr, hatten wir schon bald seine Fährte ausgemacht. So eilten wir schnellen Schrittes in seine Richtung. Der Schauplatz der Auseinandersetzung war die Engstelle des Flussverlaufes. Abrupt kamen wir am Ufer zum Stehen, und sahen Josh in Angriffsposition drei Vampiren gegenüberstehen. „Na, das wurde aber auch langsam mal Zeit. Gehört dieser Quälgeist zu euch?“ Emmett stand da mit ausgebreiteten Armen und ließ seinen Kontrahenten nicht aus den Augen. Josh knurrte ihn mit gefletschten Zähnen an. Etwas im Hintergrund, aber in nicht weniger angespannter Haltung - Rosalie und Bella.
Josh, beruhige dich. Das sind Emmett, Rosalie und Bella - die Cullens! Sam trat neben ihn, doch Josh schien bereits zu wissen, mit wem er es zu tun hatte. Die Cullens. Pha.. Die, die solches Leid über uns gebracht haben. Oder, seht ihr das etwa anders? Nach seiner Verwandlung klärten wir ihn zwar über die Begebenheiten auf, doch die Tatsachen, dass der Vertrag schon längst Geschichte und die ehemaligen Feinde mittlerweile Freunde waren, ließen Josh offenbar kalt. Für ihn waren diese Vampire direkt für die Probleme des Stammes verantwortlich und somit sah er es als seine Pflicht als Mitglied des Rudels an, seine Familie vor der vermeintlich drohenden Gefahr zu beschützen. Sohn, das Leben ist nicht immer schwarz und weiß. Wir stehen auf derselben Seite, egal wie unterschiedlich wir auch sein mögen. Sam schien immer noch nicht zu ihm durchgedrungen, denn sein Sohn stand nach wie vor, wild knurrend, bereit zum Angriff. „Jake, Seth, nun tut doch etwas! Befehlt ihm sich endlich zu beruhigen.“ Bella sah mich flehend an. Ich winselte und sah Seth kurz aus dem Augenwinkel an. Er wartete ebenso wie ich. Doch dann: Sie hat Recht, Jake. Erklär ihm, wer hier das Sagen hat. Mit hängendem Kopf und traurigen Augen sprang er über die Böschung und verschwand im Gehölz. Was soll das denn jetzt? Ich stand wie angewurzelt da und schaute ihm verwirrt nach. Dafür haben wir jetzt keine Zeit, Jake! , riss mich Sam aus meiner Starre. Er hatte Recht. Wenn nicht bald jemand eingreifen würde, würde es zum Kampf kommen. Josh, halt dich zurück! Du hast kein Recht sie für das zu verurteilen, was sie sind. Ebenso wenig, wie sie uns nicht verurteilen. Josh biss die Zähne aufeinander und seine Nasenflügel bebten, doch nach und nach viel die Anspannung von ihm ab. Langsam senkte er Kruppe und Rute und machte einen Buckel, wobei er erbärmlich winselte. Ob ihm das jetzt gefiel, oder nicht; er musste lernen Befehlen von höherrangigeren Mitgliedern des Rudels zu gehorchen. Das hatte nichts mit Stolz oder Verlegenheit zu tun – es war eine bittere Notwendigkeit, um die Strukturen zu wahren. Sonst wären wir nur ein Haufen unbändiger, zu groß geratener Hunde, die bei jeder Gelegenheit gegeneinander angingen. Genau das versuchte ich mir in diesem Augenblick auch vorzubeten, denn Seth´s Verhalten zeugte von der nach wie vor ungeklärten Leitwolffrage. Sam sah mich nur fragend an. Offenbar war ihm bewusst, dass das einzig und alleine Seth und ich lösen könnten. Rosalie riss mich aus meinen Gedanken. „Was ist jetzt? Ich muss weiterjagen, bevor ich noch das falsche Tier anfalle.“ Mit eisigem Blick stierte sie Josh an. Ich verlagerte das Gewicht auf die Hinterläufe und verwandelte mich zurück. Bella drehte sich schnell um, bis ich mir meine Short wieder angezogen hatte, während Rose demonstrativ meinem Blick standhielt. Diese Frau war mir nach wie vor ein Rätsel. „Ihr könnt weiterziehen. Es wird nicht wieder vorkommen“, erklärte ich ihnen.
Nessie
Um halb acht Uhr abends kam Seth nach Hause. Ohne ein Wort schlug er die Tür in Schloss und stapfte schnurstracks nach oben. Charlie und ich sahen ihm überrascht nach. „Was war das denn?“, fragte Charlie und stemmte die Hände in die Hüften. Ich zuckte mit den Schultern. „Ich sehe mal nach ihm. Wir haben ja noch etwas Zeit.“ Charlie nickte und verschwand in die Küche. Irgendetwas musste vorgefallen sein, doch was?
Vor seinem Zimmer wartete ich einen Moment; es war ruhig und so zögerte ich. „Komm ruhig rein“, hörte ich ihn gedämpft durch die Tür. Ich öffnete die Tür einen Spalt, und blieb im Türrahmen stehen. Er stand, mit dem Rücken zu mir, am Fenster. Ich trat langsam an seine Seite und musterte seine Gesichtszüge. Sie waren gezeichnet von Wut, Trauer und Angst; seine Augen glänzten und die Lippen zitterten. Etwas beschäftigte ihn so sehr, dass er beinahe vor einem Zusammenbruch stand. Unfähig ihn anzusprechen, hob ich meine Hand und legte sie auf seine Schulter. Er zuckte und sah mich durchdringend an. Die Sekunden verstrichen. Dann schluckte er und fragte: „Sag mir, was du siehst, bitte! Ich ertrage diese Ungewissheit nicht mehr.“ Darauf war ich jetzt nicht gefasst. Er hatte sich von meiner Berührung einen Blick auf sein Schicksal erhofft. Jemand, der an einem Scheideweg seines Lebens stand und mit sich kämpfte, welchen Weg er denn nun einschlagen sollte, wäre über eine Art Kompass sicher dankbar gewesen. Nur leider konnte ich ihm nicht sagen, in welche Richtung er gehen sollte, denn ich sah gar nichts. Mich überraschte über dies hinaus die Tatsache, dass Seth offenbar nichts davon wusste. Frustriert seufzte ich auf und schüttelte den Kopf. „Es tut mir leid, Seth. Aber ich kann dir leider nicht weiterhelfen. Meine Gabe hat mich verlassen, zumindest vorübergehen“, fügte ich an und lächelte gezwungen. Unschlüssig betrachtete er mich. „Was hat das zu bedeuten? Woher weißt du, dass es nur vorübergehend ist?“ Ich wusste nicht wie ich ihm das erklären sollte. Er ließ sich resigniert auf seinem Bett nieder, wobei er die Ellenbogen auf die Oberschenkel stemmte und sein Gesicht in die Hände legte. In seinem Blick zeichnete sich eine offenbar eben gewonnene Erkenntnis ab. Er biss sich auf die Lippen. „So, wie es aussieht, steht im Moment so einiges Kopf“, seufzte er auf. Ich setzte mich zu ihm. „Hab Geduld und Zuversicht. Es wird sich schon alles irgendwie fügen.“ Er schaute mich an, mit einer Mischung aus Zweifel und Ratlosigkeit. Dann richtete er sich plötzlich auf, und als ich unten die Tür hörte, wusste ich auch warum. Jake war gekommen.
Jake
Nachdem Emmett, Bella und Rosalie ihre Jagd fortgeführt hatten, trennte ich mich von Sam – wir wollten uns später in der Stadthalle treffen. Ich musste da vorher noch etwas klären. Als ich dann vor Seths Zimmer stand und ihn neben Nessie auf dem Bett sitzen sah, ahnte ich bereits, dass dieses Gespräch nicht einfach werden würde. Ohne Worte stand sie auf und kam zu mir; ihre Hand auf meiner Schulter, lächelte sie mir aufmunternd zu – dann ließ sie uns alleine. „Darf ich mich setzen?“ Mit einer kurzen Handbewegung wies er mich an, bloß nicht an mich zu halten. Sein Sarkasmus imponierte mir. Ich zog mir den Stuhl heran und setzte mich verkehrt herum, um die Arme locker über die Lehne hängen zu lassen. Ich atmete tief ein, doch bevor ich auch nur piep sagen konnte, fing Seth an. „Spuck es schon aus, Jake! Sag es!“ Ähm? Wie,…was? „Was soll ich sagen, Seth? Wäre es nicht vernünftiger, wenn du mir erst einmal verrätst, was dich da vorhin geritten hat?“ Schlagartig stand er auf und beugt sich zu mir herunter; automatisch wich ich vor ihm zurück. Ich konnte direkt in seine Augen sehen, jede einzelne Wimper, den feuchten Glanz in der Iris, die schwarzen Pupillen, die wütend zusammen-geschobenen Augenbrauen – jetzt sah ich sein wahres Gesicht. Es war das Gesicht eines gedemütigten Wolfes. Die Wut loderte in ihm, und ich war mich nicht sicher, ob ich hier sein wollte, wenn er endgültig die letzten Hemmungen verlöre. Doch ich wurde gar nicht erst gefragt. Er packte mich an den Schultern und zog mich auf die Füße; der Stuhl polterte und blieb neben mir liegen. „Vernunft?! Rede du nicht von Vernunft!“, brach er hervor. „Seth!“, war alles was ich ihm entgegensetzen konnte. Mir wurde langsam bewusst, was da die ganze Zeit unter der Oberfläche meines alten Freundes gegoren hatte, und sich nun nicht mehr beherrschen ließ. Er gab mir die Schuld, einzig und allein mir.
Irgendwie schafften wir es, durch das Fenster, nach draußen. Beinahe zeitgleich landeten wir in Sues Rosengarten. Die picksenden Stacheln spürte ich aber kaum, vielmehr die Pranke, die mir von links quer über das gesamte Gesicht schlug; kurzzeitig verlor ich das Gleichgewicht und torkelte. Es brannte in meinem Gesicht, und im nächsten Moment spürte ich die warme Flüssigkeit, die die Striemen nässte. Dann spürte ich einen heftigen Schlag in die Seite und flog mindestens zehn Meter über den Rasen. Das war meine Chance. Bevor Seth wieder bei mir war, stand ich wieder sicher und grollte aus tiefer Brust. Mit einem Satz sprang ich ihn an und wir wirbelten ineinander gekeilt über die Terrasse. Aus dem Augenwinkel konnten ich Sue, Charlie und Nessie hinter der Glasscheibe sehen – entsetzt verfolgten sie unsere „Auseinandersetzung“. Diesen kurzen Augenblick meiner Abwesenheit nutze Seth und biss mir in den Hals – zwar nicht tief, aber fest. Ich jaulte auf und war nun erst recht wütend. Ich stemmte meine Hinterläufe in seinen Bauch und drückte ihn von mir weg. Irgendwoher holte ich die letzten Energiereserven und zwang ihn unter mir in festem Griff. Ein ausgedehnter Blick, der durch unser beider Keuchen begleitet wurde, ließ mich wieder klarer werden. Ich verwandelte mich zurück; immer noch die Hände um seinen Nacken gefasst. Seth tat es mir gleich und sah mich weiter ungerührt an. Dann schoss mein Kopf nach vorne und traf ihn mitten auf die Zwölf. Der Knall hallte in meinem Schädel wider – diese Kopfschmerzen nahm ich gerne in Kauf. Seth hielt sich die Nase, aus der sofort ein Schwall Blut hervorschoss; sein Blick war irritiert. „Das war für den Biss!“, blaffte ich und rappelte mich auf. Charlie eilte herbei und half Seth wieder auf die Beine. „Hättet ihr euch dafür nicht einen günstigeren Zeitpunkt aussuchen können?“, warf er ein, und reichte uns etwas zum Anziehen. Wortlos zogen wir uns rasch an und gingen immer noch schweigend ins Haus.
Nessie
Jake und Seth sahen furchtbar aus. Seth blutete ziemlich stark aus der Nase und zog sich einige Rosenstacheln aus den Waden. Jakes Gesicht zierten vier lange Striemen, die von einem Ohr zum anderen reichte, zudem hatte er eine klaffende Bisswunde am Nacken. Offenbar sah es schlimmer aus als es tatsächlich war, zumindest wurden keine lebensbedrohlichen Blutgefäße verletzt. Noch bevor Sue mit dem Verbandzeug zu uns kam, hörten die Wunden bereits auf zu bluten und es bildete sich Schorf. Wir machten uns zügig daran, die Wunden zumindest zu säubern, sodass keine Bakterien eindringen konnten. Charlie stand mit ungeduldig gestürzten Lippen an der Tür. Der Schlüsselbund klimperte, weil er ihn fortwährend in die Höhe schmiss und wieder auffing. „Am besten ich fahre mit Nessie zur Versammlung und du bleibst hier bei unseren Streithähnen“, schlug er Sue mit ernster Miene vor. Er verstand nicht, dass es früher oder später soweit kommen musste, denn wie hatte Paul neulich so passend gesagt: >>Mit zwei Kapitänen geht irgendwann jeder Kahn unter.<< Doch wie standen die beiden nun wirklich zueinander? Und welche Konsequenzen hatte das für das Rudel? Charlie zog mich an meinem Arm mit nach draußen, mit der anderen Hand warf er Sue einen gehauchten Kuss zu. Ich warf Jake einen fragenden Blick zu, er nickte ruhig.
Die Fahrt im Auto verlief ruhig, bis wir an einer roten Ampel zum Stehen kamen. „Was denken sich die beiden eigentlich? Wir haben schon genug Probleme und denen fällt nichts Besseres ein, als sich zu raufen – kindisch, einfach nur kindisch.“ Mit beiden Händen hielt er das Steuer fest im Griff, sein wütender Gesichtsausdruck unterstrich seine Meinung. „Glaub mir, es war nötig. Seth hätte dem Druck und der Ungewissheit nicht mehr lange standgehalten. So hart es klingt, doch manchmal muss ein Wolf sein Revier markieren und um Anerkennung kämpfen. Was würdest du denn sagen, wenn dein Hilfssheriff dich übergehen und deine Anordnungen in Frage stellen würde?“, versuchte ich ihm die Reaktionen der beiden verständlich zu machen. Sein Gesichtsausdruck wurde grüblerisch; er dachte eine geraume Zeit über meine Worte nach. Mit dem Umschalten der Ampel auf Grün, drückte er das Gaspedal durch und sagte: „Ich bin eindeutig zu alt für diesen Mist.“
Der Parkplatz vor der Halle war gerammelt voll. Charlie musste eine Querstraße weiter parken und so mussten wir im Dauerlauf zur Halle eilen. Vor dem Eingang erwartet uns Sam, der sich fragend nach Jake und Seth umsah. „Sie kommen nicht. Glaub mir, es ist besser so“, beantwortete Charlie seine unausgesprochene Frage. Sam nickte wissend und legte seinen Arm um meine Schulter, als wollte er damit sagen: Wurde aber auch langsam mal Zeit.
Der Saal war, wie der Parkplatz, zum bersten gefüllt. In der Mitte der Stuhlreihen erkannte ich Melinda, die neben ihren Eltern saß; sie stand auf und winkte mir zu. Ich winkte kurz zurück. Im selben Moment trat Bürgermeister Davis, in Begleitung eines in Nadelstreifenanzug gekleideten Herrn, vor das Mikro, welches auf dem Pult auf einer Empore am anderen Ende des Saales befestigt war. Der Geräuschpegel, der einem beinahe das Trommelfell platzen ließ, wurde merklich leiser. Dennoch erbat sich das Stadtoberhaupt Ruhe.
„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, darf ich sie um etwas Ruhe bitten.“ Er wartete, bis ihm auch wirklich der letzte seine Aufmerksamkeit schenkte. „Es ist mir ein außerordentliches Bedürfnis, mich hier und heute nochmals bei allen Helferinnen und Helfern für die geleistete Arbeit zu bedanken. Vielen, vielen Dank.“ Er wartete ab, um den Applaus, der daraufhin einsetzte, mit all seinen zustimmenden Zwischenrufen, in vollen Zügen zu genießen. „Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass der Zusammenhalt in unserer kleinen Stadt so ziemlich jeder Schwierigkeit trotzt. Ich bin stolz Bürgermeister einer so tollen Gemeinde zu sein.“ Wieder erntete er tosenden Applaus. Ich blickte durch die Reihen und musste mir eingestehen, dass Davis die breite Menge hinter sich hatte – bei solchen Reden, kein Wunder. Er verstand es sich gekonnt in Szene zu setzten und mit Emotionen zu jonglieren wie... ja, wie Luke und Lucas ihre Kegel. Charlie verzog verächtlich das Gesicht und stimmte verhalten in das Klatschen mit ein. „Liebe Freunde. Ich möchte Ihnen heute Abend jemanden vorstellen, der unser Städtchen wieder zu altem Glanz verhelfen wird, mit meiner bescheidenen Hilfe natürlich“, fügte er süffisant grinsend an. „Ladies und Gentleman, Mr. Dan Kramer, Vorstandsvorsitzender der Peoples Best Holding. Er hat interessante Neuigkeiten in seinem Gepäck. Einen Applaus bitte für Mr. Kramer.“ Gordon Davis trat zur Seite und machte Platz für den nächsten Selbstdarsteller. Dan Kramer musste nicht lange auf seinen Applaus warten; die Stimmung im Saal war schon beinahe frenetisch. „Vielen Dank, Bürgermeister Davis.“ Er schielte zu seinem Vorredner und richtete dabei das Mikrofon auf seine, im Vergleich zu Davis, eher untersetzte Statur aus. „Ich darf ihnen mit Freuden mitteilen, dass ihre Stadt den Zuschlag für ein Einkaufszentrum der ganz besonderen Art bekommen hat. In den nächsten Wochen werden die Bauarbeiten für ein allumfassendes Meisterwerk an zeitgenössischem Entertainment und Einkaufsfreuden der Extraklasse in ihrem Städtchen beginnen, und somit ein neues Zeitalter für seine Bürger und die Einwohner von ganz Washington einläuten. Forks wird von Touristen regelrecht eingenommen werden.“ Kurze Sprachlosigkeit. Mir stockte der Atem. Was, wenn die gewünschte Reaktion auf diese Neuigkeit ausbleiben würde, überlegte ich. Ruhe vor dem Sturm traf es besser. Schlagartig brachen laute Diskussionen und Beifall aus. Der Zeitpunkt dieser Verlautbarung hätte auch in einem Blockbuster nicht besser inszeniert werden können. Zufrieden erntete Davis die Früchte seiner Intrigen. Mir wurde übel, als ich sein breites Grinsen sah. Die nächsten Minuten verliefen wie ein Propagandafilm, denn Dan Kramer hatte in seinem „Gepäck“ tatsächlich einen zehnminütigen Film über das gigantische „MegaCine-Center“. Einhundert Boutiquen, mit den unumgänglichen Burger-Filialen und anderen Fresstempeln, und ein hypermodernes fünf D Kino mit sechs Sälen, die mehr Besucher fassen konnten, als die Stadt überhaupt Einwohner hatte.
Während der Großteil der Anwesenden mit Begeisterung dem Ausblick auf die nahende Zukunft gebannt verfolgte, kamen Mr. Weber, der Großvater von Melinda, und Mrs. Newton auf uns zu. Der Pfarrer deutete mit der Hand zur Tür. Charlie nickte und wir folgten ihm hinaus. Die kühle Abendluft traf uns wie eine eiskalte Dusche, im Vergleich zu der aufgeheizten Stimmung da drinnen. Ich schlang mir fröstelnd die Arme um den Oberkörper. Als Sam sich grinsend neben mich stellte, zwinkerte er mir zu. „Soll ich dich ein wenig aufwärmen?“ Mir war natürlich nicht wirklich kalt, doch dieses aalglatte Gesicht jagte mir eiskalte Schauer über den Rücken. Mr. Weber knöpfte seine Windjacke bis oben hin zu und begann. „Haben sie gesehen, wo dieses Monstrum errichtet werden soll, Charlie?“ Sein Blick war eindringlich. „Ja, das habe ich. Warum fragen sie?“ Charlie versuchte vorsichtig zu ergründen, wie viel der Pfarrer von den Hintergründen wusste. „Was für ein Zufall, das mit dem Feuer, finden sie nicht auch?“ Mrs. Newton verschränkte die Arme vor der Brust und blickte verärgert drein. Ob sie von den Machenschaften ihres Sohnes wusste? Charlie nickte stumm und sah zu Sam und mir. Mr. Weber fuhr fort. „Sie wissen doch hoffentlich auch, dass das angrenzende Gebiet Lebensraum des gefährdeten Fleckenkauzes ist.“ „Das ist mir bewusst. Das Feuer war schon schlimm genug. Was wird bloß geschehen, wenn hier bald die Bagger anrollen und die Bäume ab gerodet werden?“, nahm er die Gedanken seiner Gesprächspartner auf.
Da standen wir nun, den gefüllten Gemeindesaal im Rücken, – fünf Seelen, die den winzigen Protest gegen dieses Projekt bildeten. Das durften wir nicht zulassen.
|
|  | | | | Nessie & Jake - Zwischen den Welten | |
|
| | Forenbefugnisse: | Sie können in diesem Forum nicht antworten
| |
| |
| |
|