Isabeau

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 | Thema: Interview mit Lea Korte August 2011 Do 25 Aug 2011, 15:57 | |
| INTERVIEW – AUGUST 2011
So meine Lieben, hier unser zweites Interview mit Lea. Ich hoffe euch begeistern die Antworten ebenso. Hier auch noch einmal der Link zu dem heutigen Interviewthema. Onlinekurse mit Lea KorteAoN Liebe Lea, erst einmal vielen Dank, dass du mit uns dieses Interview führst. Heute mal nicht gezielt zu deinen Büchern. Onlinekurse. Wie kommst du darauf, diese als erfolgreiche Autorin selbst anzubieten? Lea Korte Schreiben ist für mich eine der schönsten Beschäftigungen der Welt – aber es kann auch eine ziemlich „einsame“ Angelegenheit sein. Da ich aus meiner ersten Zeit als Schreiberling noch weiß, wie verloren man sich als (angehender) Autor mit all seinen Fragen, Zweifeln und Unsicherheiten manchmal fühlen kann, kam ich auf die Idee, einen Onlinekurs anzubieten. Neben der reinen Wissensvermittlung und vielen Schreibübungen findet auch ein genereller Austausch zu vielen Fragen des Schreibens statt, und ich habe den Eindruck, dass das Ganze den Teilnehmern ebenso viel Spaß macht wie mir!
AoN Du bist ja selbst eine erfolgreiche Autorin und hast zudem auch noch Familie, wie bekommst du zeitlich alles unter einen Hut? Das ist doch sicher sehr zeitintensiv? Lea Korte Ja, das ist es schon, aber es macht mir auch sehr viel Spaß; da nimmt man sich einfach die Zeit.
AoN Worum geht es in deinen Onlinekursen und was dürfen die Teilnehmer genau erwarten? Lea Korte Der Kurs ist auf eine mehrmonatige Laufzeit ausgelegt, aber man kann natürlich auch erst einmal einen Schnuppermonat machen oder nur Teile davon belegen. Das Prinzip ist simpel: Ich maile zwei Mal im Monat eine Lektion mit den dazugehörigen Schreibübungen, die von den Teilnehmern bearbeitet werden und dann von mir mit ausführlichen Kommentaren zurückgeschickt werden. Überdies leite ich ein Mal im Monat eine Gruppendiskussion zur „großen Monatshausaufgabe“. Diese Gruppendiskussion erlaubt den Teilnehmern, sich der (konstruktiven!) Kritik des eigenen Textes zu stellen und eigene wie fremde Texte kritischer zu beurteilen. Ich denke, das ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Kurses! Von Monat zu Monat tauchen die Teilnehmer so mittels der aufeinander abgestimmten Bausteine tiefer in das Handwerk des Schreibens ein. Im ersten Monat ging es u.a. um die kleinsten Einheiten, Wörter und Sätze, und bildhaftes und szenisches Schreiben, derzeit nehmen wir uns die Perspektive vor, weil ich festgestellt habe, dass die derzeitigen Kursteilnehmer damit die meisten Probleme haben. Danach geht es wahrscheinlich um Spannungsaufbau, das Überwinden von Schreibblockaden, gefolgt vom Entwickeln von Figuren, die den Leser in ihren Bann ziehen etc. Da die ersten Bausteine parallel aufgebaut sind, kann man jederzeit noch einsteigen und auch erst einmal einen Probemonat machen.
AoN Wie viel Talent und Voraussetzungen sollte ein jeder mitbringen? Lea Korte Besondere Voraussetzungen außer dem Wunsch, Romane zu schreiben, sind keine nötig, Und „Talent“ ist ein dehnbarer Begriff. Ein gewisses Sprachgefühl ist sicher hilfreich, Vorstellungskraft ebenso – aber man kann viel mehr lernen, als man denkt. Schreiben ist ein Handwerk! Anhand von wenigen Textproben kann ich eigentlich schon sagen, ob der Kurs für jemanden Sinn macht oder nicht.
AoN Du bietest auch Manuskriptbearbeitung an? Was machst du dabei und wie kannst du den angehenden Autoren helfen? Gilt das nur für Kursteilnehmer? Lea Korte Das Manuskriptcoaching ist für fortgeschrittene Autoren, die schon ein eigenes Manuskript haben UND über genug Handwerkswissen verfügen, um dieses bearbeiten zu können, sofern sie die richtigen Tipps von außen bekommen. Ein Außenstehender sieht viel leichter, wo die Probleme eines Textes sind. Ich gebe ganz konkrete Hinweise, wo am Text noch wie gefeilt werden muss und arbeite so eng mit dem Autor zusammen, wie dieser es möchte. Die letzte Instanz bei der Textarbeit ist natürlich immer der Autor, denn es ist sein Text und das soll er auch bleiben. Kursteilnehmer und Coaching sind unabhängig voneinander. Manche machen auch erst ein paar Monate lang den Kurs und wechseln dann zum Coaching.
AoN Ist es allgemein Gruppenarbeit oder gibt es Einzelgespräche mit jedem einzelnen Teilnehmer? Was kann man dabei besprechen und wie viel Meinung ist erlaubt? Lea Korte Hier sprichst du wieder vom Online-Kurs, nehme ich an, denn das Coaching findet ausschließlich im direkten Dialog zwischen dem Autor und mir statt. Dreiviertel der Aufgaben im Online-Kurs werden in Einzelgesprächen (Mail) besprochen, ein Viertel in der Gruppe – und beides hat Vorteile für die Teilnehmer. In den Einzelgesprächen / -kommentaren zu ihren Texten gebe ich konkrete Tipps, was wie und WARUM es geändert werden sollte, in den Gruppengesprächen geht es um allgemeine Textkritik und dass der Einzelne lernt, seinen Text auch einmal aus der Sicht von anderen / des Leser zu sehen. Abstand zum eigenen Text ist wichtig, auch das muss man erst lernen. Besprochen werden kann dabei alles, was dem Einzelnen oder mir als Kursleiter wichtig erscheint, und jeder vertritt seine eigene Meinung. Der Autor ist derjenige, der die letzte Entscheidung hat. Auch hier gilt: Es ist und es bleibt SEIN Text.
AoN Welches Ziel wünschst du dir für die Teilnehmer? Lea Korte Dass sie es schaffen, einen guten Roman zu schreiben, der dann auch veröffentlicht wird! Kursziel für diejenigen, die den ganzen Kurs machen, ist der erste eigene Plot mitsamt einer aussagekräftigen Figurenentwicklung. Im Aufbaukurs oder im Coaching kann dann an dem eigenen Projekt gearbeitet werden. Auch hierbei sind die (Neu-)Autoren dann nicht allein.
AoN Eine auch sehr interessante Frage. Wie gehst du mit deinem persönlichen Geschmack um? Schließlich hat jeder seinen eigenen Stil. Woher weiß du, dass du nicht versuchst, aus deinen Kursteilnehmern Lea Kortes zu machen? Lea Korte Ich habe einige Erfahrung in der Textarbeit mit anderen, tausche mich seit einigen Jahren bei meinen Büchern mit Kollegen aus und die sich mit mir. Bei diesen Diskussionen geht es nie um Geschmack. Jeder hat seinen eigenen Stil und soll ihn pflegen und ausbauen, und dabei will ich helfen. Aber wenn einem das Handwerkszeug fehlt, weil einem z.B. nicht bewusst ist, wie man den besten Perspektivträger findet und ihn sinnvoll einsetzt oder wie man einer Figur mehr Tiefe verleiht, dann braucht man einfach Unterstützung und hilfreiche Hinweise. Und um die geht es. Stilistische Fragen spielen erst beim letzten Feilen eine Rolle. Auch hier teile ich dem Autor meine Argumente für oder gegen eine bestimmte Version mit, und er entscheidet selbst, was er möchte.
AoN Du hast ja sicher hin und her überlegt, bevor du diese Kurse ins Leben gerufen hast. Gab es eine Plus- Minus- Liste? Hast du dich mit jemand beraten? Lea Korte Ich hatte schon lange große Lust, dieses Projekt anzugehen und habe es dann einfach gemacht.
AoN Zusätzlich zu den Onlinekursen bietest du auch 3tägige Intensivkurse in Spanien an. Was darf man sich darunter vorstellen? Lea Korte Das ist ein ähnliches Prinzip, nur ist alles auf wenige Tage komprimiert. Jeder Intensivkurs hat sein eigenes Programm. Man kann in diesen Tagen sehr viel lernen, einen großen Schritt weiterkommen – und danach zu Hause selbst weiterarbeiten. Auf dem Programm stehen immerhin 20 Unterrichtsstunden in drei Tagen – plus einer Strandpause am Nachmittag natürlich. ;-) Das Programm des Oktoberkurses ist: 1.Wie finde ich MEINEN Romanstoff? 2.Wie entwickele ich einen Roman-Plot, der für ein breites Publikum – und damit auch für einen Verlag – attraktiv ist? 3.Wie entwickelt man lebendige und mitreißende Romanhelden? 4.Wie schreibt man spannende, bildhafte Szenen
AoN Wie viel Erfahrung sollte man mitbringen und mit was fahren die Teilnehmer wieder nach Hause? Lea Korte Auch bei den Vor-Ort-Kursen wende ich mich an Anfänger und Fortgeschrittene. Die Teilnehmer fahren mit einem Kopf voll neuer Ideen nach Hause, weil sie dank dem neuen Wissen nun gewisse innere „Blockaden“ aus dem Weg haben räumen können. Solche Kurse schaffen frische Energien, weil man wieder eine Richtung, ein konkretes Ziel vor Augen hat.
AoN Wie bist du selbst zum Schreiben gekommen? Hast du ähnliche Kurse besucht? Lea Korte Ich habe schon in der Schulzeit solche Kurse besucht, auch wenn es sie damals nur in weit geringerem Rahmen gab – und ich habe sie besucht, weil ich schon als Teenie wusste: Ich will Romane schreiben. Auch später habe ich an vielen Workshops und einem Langzeitkurs teilgenommen. Inzwischen habe ich meinen zehnten Roman kurz vor der Fertigstellung und weiß, wie viel man lernen kann – und lerne auch selbst immer noch dazu.
AoN Und nun doch noch ein wenig zu deinen Roman ;-). Sommer, Sonne, Liebe. Die drei treibenden Elemente in deinem neuen Roman "Sommernacht auf Mallorca". So ein ganz anderes Genre als bisher die historischen Romane. Warum? Lea Korte „Früher“ habe ich auch schon Liebesromane geschrieben, allerdings unter einem anderen Pseudonym (Ana Capella); und da die historischen Romane (nicht nur) aufgrund der Recherche sehr, sehr umfangreich sind (zumindest wenn man die Recherche so ernst nimmt, wie ich es tue), ist es einfach erfrischend, zwischendurch mal einen Liebesroman zu schreiben – der übrigens auch einen historischen Touch hat. ;-) „Sommernacht auf Mallorca“ erzählt die Geschichte von Isabella, die den Männern abgeschworen hat und deren Mallorcaurlaub auf einmal eine höchst unerwartete Wendung nimmt … ;-) Übrigens habe ich für dieses Buch natürlich auch erst einmal eine Reise nach Mallorca unternommen und fand die Insel wunderschön, wie eine Mischung aus der spanischen Costa Brava und der französischen Provence – und unendlich inspirierend!
AoN Deine letzten beiden historischen Romane, wie zum Beispiel "Die Maurin" erschienen ja beim Knaur- Verlag. Dein neues allerdings bei Rütten & Loening. Liegt es am Sortiment des Knaur- Verlages, dass dieses ein anderer Verlag druckt? Lea Korte Der Verlag Rütten & Loening ist (über meinen Agenten) auf mich zugekommen. Der Verlag hatte schon eine entsprechende Sommerroman-Sparte und suchte noch einen neuen Autor.
AoN Kommt man bei verschiedenen Genren nicht auch mal durcheinander? Wie trennst du das bei deinen Projekten? Lea Korte Ich schreibe sie ja nacheinander, nicht gleichzeitig. Sonst bekäme ich allerdings ein Problem. Jedes Genre hat seine eigene Sprache, das muss man schön säuberlich trennen.
AoN Arbeitest du bereits an einem weiteren Projekt? Was wird das Thema werden und wie viel kannst du uns schon verraten? Lea Korte Derzeit schreibe ich an der Maurin II, die nächstes Jahr erscheinen wird und erzählt, wie es mit Zahra und ihrer Familie nach dem Ende der Reconquista weitergeht. Auch wenn der Krieg zu Ende war, gingen die Konflikte zwischen Christen und Muslimen ja weiter – womit das Thema zugleich sehr aktuell ist. Direkt im Anschluss danach möchte ich zwei weitere Projekte angehen: einen weiteren Liebesroman und einen historischen Roman, der einige Jahrhunderte vor der „Maurin“ spielen wird.
So Lea, nun hab ich dich ausreichend gelöchert. Ich bedanke mich recht herzlich für deine gerade doch recht knappe Zeit und deinen Antworten. Wir vom "Alles oder Nichts" wünschen dir viel Erfolg mit den Kursen und natürlich bei deinen weiteren Projekten. _________________ „Die größte Macht hat das richtige Wort zur richtigen Zeit.“
Mark Twain |
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